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Nach Kritik am Engagement Zurich steigt aus umstrittenem Pipeline-Projekt aus

Der Konzern wird eine kanadische Ölpipeline nicht mehr versichern. Damit setzt er frühere Bekundungen um, die ökologisch besonders schädliche Ölförderung aus Teersand nicht mehr zu unterstützen.

Nachschub gesichert: Die zu verlegenden Röhren für die erweiterte Trans-Mountain-Pipeline werden per Zug angeliefert.
Nachschub gesichert: Die zu verlegenden Röhren für die erweiterte Trans-Mountain-Pipeline werden per Zug angeliefert.
Foto: Dennis Owen (Reuters)

Zurich vollzieht eine Kehrtwende: Ab September wird der Versicherungskonzern keine Deckung mehr gewähren für Haftpflichtschäden der umstrittenen kanadischen Trans-Mountain-Ölpipeline. Derzeit haben die Schweizer gar die Federführung inne in dem elf Gesellschaften umfassenden Versicherungskonsortium. Ein Fakt, der dem Konzern harsche Kritik einbrachte.

Den Ausstieg von Zurich machte die Nachrichtenagentur Reuters publik, dies unter Berufung auf eine Sprecherin von Trans Mountain. Der Versicherer lehnte eine Stellungnahme ab mit der Begründung, man äussere sich grundsätzlich nicht zu bestehenden Kundenbeziehungen.

Umdenken bei den Versicherungen

Zurich-Sprecher Pavel Osipyants erinnerte indes daran, dass sich der Konzern bereits im Juni 2019 auf das Klimaziel eines maximalen Temperaturanstiegs von 1,5 Grad verpflichtet hatte. Aufgrund dieser Vorgabe, so hiess es in der damaligen Mitteilung, wolle Zurich keine Transportinfrastruktur für Ölsandprodukte mehr versichern.

Die Ölförderung aus teerhaltigem Sand gilt wegen der dabei freigesetzten Mengen an Treibhausgasen als besonders klimaschädlich. Dennoch hatte Zurich im September 2019 ihre Beteiligung am Trans-Mountain-Versicherungskonsortium um ein Jahr verlängert – zur grossen Enttäuschung von Umweltaktivisten, die sich im Kampagnennetzwerk Insure our Future (ehemals Unfriend Coal) zusammengeschlossen haben.

Nun aber scheinen die Bemühungen der Aktivisten zum Ausstieg der Versicherer aus Ölsandprojekten doch Früchte zu tragen: Schon vor den Schweizern hatte die deutsche Talanx angekündigt, keine Deckung mehr für die kanadische Ölpipeline anzubieten. Auch der Rückversicherer Munich Re und seine kanadische Tochter Temple Insurance sind dabei, das Engagement zu überprüfen, nachdem sie in diesem Jahr ihre Kriterien für Ölsandvorhaben verschärft haben.

Bau einer zweiten Pipeline

Wie die Trans-Mountain-Sprecherin gegenüber Reuters ausführte, gibt es auch weiterhin ausreichend Versicherungskapazität auf dem Markt dafür, die benötigten Deckungen einzukaufen. Laut dem aktuellen Versicherungszertifikat, das Ende August ausläuft, kommt das heutige Konsortium für Haftpflichtschäden in Höhe von 508 Millionen US-Dollar auf.

Zurich übernimmt dabei Schäden, die sich zwischen 2 Millionen und 8 Millionen Dollar bewegen. Für weitere 300 Millionen steht sie zusammen mit anderen Versicherungen gerade. Die grössten Kapazitäten innerhalb des Konsortiums stellt der Versicherungsmarktplatz Lloyd’s of London bereit.

Der Ausstieg von Zurich bei Trans Mountain erfolgt zu einem Zeitpunkt, da sich die kanadische Regierung anschickt, das Transportvolumen der über 1000 Kilometer langen Pipeline von der Provinz Alberta an die kanadische Westküste durch den Bau einer zweiten Leitung massiv auszuweiten. Um diesen Ausbau sicherzustellen, wurde die Pipeline 2018 verstaatlicht.

7 Kommentare
    Rolf Rothacher

    Es geht hier doch bloss um Marketing. Wen interessiert's, ob ein CH-Konzern oder ein chinesischer oder amerikanischer Konzern am Ende die Versicherung übernimmt?

    Man "rettet" die Welt auch nicht, in dem man versucht zu verhindern. 2 Milliarden junge Menschen warten weltweit auf bezahlte Arbeit und vermehrten Konsum. Die können wir nur mit sehr viel mehr Energie bieten. Darum baut China weltweit auch die Kohlekraft derart stark aus. Denn nur mit Energie ist Wirtschaft und damit Jobs und damit Konsum möglich.

    Europa schraubt seinen Primär-Energiebedarf seit 30 Jahren zurück. In dem wir die Arbeitsplätze ins Ausland verschieben und danach die Waren importieren. Das hilft der Welt, ändert aber nichts am steigenden Energiehunger.

    So lange die Bevölkerung um 1% pro Jahr wächst, muss die Wirtschaft um 3% wachsen, damit sich die Lebensbedingungen aller Menschen verbessert. Da hilft es auch nicht, wenn 500 Mio. Europäer den Gürtel um 30% enger schnallen. Damit können sich die 6'000 Mio. Menschen in Entwicklungs-/Schwellenländer bloss 2,5% mehr an Energie leisten, viel zu wenig, damit sich ihre Lebenssituation verbessert.

    Die UNO schlägt nun vor, dass wir 3 Milliarden Menschen mit Grundeinkommen subventionieren. Wir im Westen haben's ja. Die eigene, überalterte Bevölkerung pflegen und medizinisch betreuen, die fossilen Brennstoffe abschaffen, die Umwelt schonen und die Weltbevölkerung bezahlen. "Das schaffen wir"