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Töten mit dem Stöckelschuh

Eiskalt und knallhart: Charlize Theron prügelt sich in «Atomic Blonde» durch das Berlin von 1989.

Lorraine (Charlize Theron) haut rein.
Lorraine (Charlize Theron) haut rein.

Da fröstelt es einen beim Zuschauen: Das Badewasser enthält keinen Seifenschaum, sondern jede Menge Eiswürfel. Als die blonde Frau aus der Wanne steigt, greift sie sich eine Handvoll davon, um ihren Wodka zu kühlen. Den Alkohol kann sie gebrauchen: Sie hat ein blaues Auge, die Unterlippe ist aufgeplatzt, ihr Körper ist übersät von Blutergüssen und Schnittwunden. Was zum Teufel hat sie angestellt? Genau das erzählt sie im Folgenden, bei einem Verhör durch ihre Vorgesetzten. Denn die Frau, Lorraine (Charlize Theron), arbeitet als Agentin beim britischen Geheimdienst. Rückblende: Im Herbst 1989 erhält Lorraine den Auftrag, nach Berlin zu fliegen und einen Mikrofilm an sich zu bringen. Zuletzt befand sich dieser im Besitz eines Mannes, den sie liebte – doch der wurde ermordet. Die Agentin kann niemandem vertrauen, am wenigsten ihrem zwielichtigen Kontaktmann (James McAvoy). Vielleicht aber der Französin Delphine (Sofia Boutella)? Mit ihr beginnt Lorraine eine Affäre. Währenddessen demonstrieren die Menschen auf der Strasse, der Fall der Mauer steht kurz bevor. Die Handlung ist ein Derivat verschiedener Agententhriller; der Reiz von «Atomic Blonde» liegt weniger in der Geschichte als im Stil: Regisseur David Leitch setzt auf Neonfarben, heftige Gewaltszenen und einen 80er-Jahre-Soundtrack – ganz ähnlich wie sein dänischer Kollege Nicolas Winding Refn («Drive»), nur mit grösserem Budget. Da sticht Lorraine einmal einen Gegner mit ihrem Stöckelschuh ab, während von der Tonspur Peter Schillings «Major Tom (völlig losgelöst)» tönt. Mit «Mad Max: Fury Road» hat sich Charlize Theron als Actionheldin etabliert, und es ist eine Schau, wie sie sich in «Atomic Blonde» durch die Reihen der Feinde prügelt, dabei aber immer auch einsteckt. Die Kämpfe, die Leitch inszeniert, sind hart, brutal und spektakulär. Kein Wunder: Bevor er Regie führte, war er Stuntman und Kampfchoreograf, unter anderem bei «John Wick». Dort trat Keanu Reeves als Ex-Berufskiller auf und brach russischen Mafiosi die Knochen. Nach «Atomic Blonde» ist aber klar: Frauen können noch viel härter zuschlagen.

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