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Ganz viel Liebe

Das Konzept mit einem fixen Abendmenü ist passé. Wer nun im Franz einkehrt, kann frei zwischen einem guten Dutzend liebevoll komponierten Gerichten auswählen.

Ihre Küche begeistert: Fabian Voit (l.) und Sebastian Funck.
Ihre Küche begeistert: Fabian Voit (l.) und Sebastian Funck.

Wir haben Glück und sind an einem der letzten warmen Sommerabende in der Wirtschaft im Franz zu Gast. So tafeln wir draussen im Innenhof statt in der Gaststube, die uns ein wenig gar schummrig und spartanisch scheint. Dass das Brot 3.50 Franken extra kostet, mag Rappenspalter ärgern, uns freut es, weil wir so ausgezeichnetes Sauerteigbrot mit frisch aufgeschlagener Meersalzbutter bekommen und nicht irgendein Alibibrot ohne Kruste und Charakter. Die ersten drei Gerichte – die Unterteilung in Vor- und Hauptspeisen ist aufgehoben – stehen schon bald auf dem Tisch. Und wir langen gierig zu. Vor allem bei der Tomaten-Pfirsich-Kaltschale mit Salzforelle und Dill (16.50 Fr.). Der Fisch erinnert uns an die köstlichen jungen Matjes­heringe aus Holland und macht sich wunderbar im fruchtig-frischen Süppchen. Die schön angebräunten Nektarinenspalten vom Grill (15.50 Fr.) hat die Küche mit Fenchel, Oliven und cremig-mildem Stracchinokäse veredelt. Ein Volltreffer! Nicht zuletzt wegen der Anisnote des darübergestreuten Fenchelkrauts, das wie der Dill in der Kaltschale einen erfrischenden Akzent setzt. Die Kombination von süsssaurem Knollensellerie mit schönem Biss, Büffelmozzarella und Brunnenkresse überzeugt uns nicht ganz, was allerdings vor allem daran liegt, dass wir in Mozzarellafragen sehr konservativ eingestellt sind. Bufala schmeckt uns in Verbindung mit Tomaten oder Melone am besten. Markante Säure wie hier ist nicht unser Fall. Am Tomatentatar mit Minze, roten Zwiebeln und geräuchertem Ricotta (15.50 Fr.) gibt es nichts auszusetzen – es ist aber lange nicht so gut wie die unverschämt zarten Gnocchi (16.50 Fr.). Zu diesen gibts gebratene Auberginen, Ziegenfrischkäse und Basilikum. Eine typische Kombination für diese kreative, dabei aber geerdete und stimmige Küche, die auch für den geschmorten Hirsch mit Rotkrautpüree (24.50 Fr.) Applaus verdient. Unsere beiden Desserts (je 13.50 Fr.) bieten ein schmackhaftes Zusammenspiel von Süsse und Salzigkeit. Zum pochierten Bergpfirsich gibts ein ausgezeichnetes Olivenölsorbet und eine Art schwarze Oliventapenade, zu den angenehm säuerlichen Aprikosenhälften einen dezent salzigen Mandelcrumble sowie eine Thymianglace, die geschmacklich weit weg ist von Badesalz oder Duschgel und uns sehr gut gefällt. Zur hervorragenden Küche passt der aufmerksame, freundliche Service.

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