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Wohin mit Europa?

Katrin Hentschel bringt den Skandalroman «Unterwerfung» von Michel Houellebecq auf die Bühne.

Marie Bonnet und Martin Butzke übernehmen hier sämtliche Rollen.
Marie Bonnet und Martin Butzke übernehmen hier sämtliche Rollen.

Was wäre, wenn in Frankreich Muslime die Macht übernehmen würden? Mit dieser Frage provozierte Michel Houellebecq in seinem Roman «Unterwerfung». Da ist im Jahr 2022 Marine Le Pen drauf und dran, die Präsidentschaftswahl zu gewinnen. Um das zu verhindern, spannen die Sozialdemokraten mit der Partei der Muslimbrüder zusammen und unterstützen deren Kandidaten. Das führt zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen, in den Strassen von Paris schiessen Rechtsextreme und Jihadisten aufeinander.

«Das ist einer jener Romane, die einen völlig fesseln», sagt Katrin Hentschel, die das Buch im Neumarkt auf die Bühne bringt. Das ist nicht die erste Theaterbearbeitung des Stoffs; für ihre Version setzen Hentschel und ihr Team auf reduzierte Mittel: «Wir haben entschieden, uns auf zwei Schauspieler zu beschränken.» Marie Bonnet und Martin Butzke übernehmen sämtliche Rollen im Stück, auch den Icherzähler François teilen die beiden unter sich auf. Der Literaturprofessor hat sein Leben dem Werk von Joris-Karl Huysmans gewidmet, dessen Bekehrung zum Katholizismus ihn zunehmend beschäftigt. François ist selbst auf Sinnsuche, findet im Christentum allerdings wenig Trost. Einen Klosteraufenthalt zum Beispiel bricht er unverrichteter Dinge wieder ab. Der erstarkende Islam hingegen bietet ihm ganz andere Chancen: An der nun von den Saudis finanzierten Sorbonne winken dem Literaturwissenschaftler ein hohes Gehalt und blutjunge Ehefrauen, sofern er denn konvertiert.

«Dass es im Roman nur um den Islam geht, finde ich aber zu eng gedacht», sagt Hentschel. «Unterwerfung» sei ein Buch darüber, was wir glauben, über das Verhältnis von Männern und Frauen und über das europäische Modell. Da ist es ganz passend, dass mit der Inszenierung der Neumarkt Maximus eingeweiht wird. Der zweistöckige Bühnenrundbau erinnert an die Theater und Arenen der römischen Antike, wo nicht nur Spiele stattfanden, sondern auch Politik gemacht und Demokratie verhandelt wurde. «Es gibt Momente, da bedienen wir den Raum als eine Art Parlament», so Hentschel. «Darin spielen wir mit Gedanken über die Idee von Europa.»

Sa / Mo, 20 Uhr Theater Neumarkt Neumarkt 5, www.theaterneumarkt.ch Eintritt 45 Franken Bis 31.10.

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