Mutter verkaufte fiktive Tickets

Eine dreifache Mutter soll ein halbes Jahr lang ins Gefängnis. Sie hat immer wieder auf Onlineportalen Konzerttickets und andere Gegenstände verkauft, obwohl sie diese gar nicht hatte.

Auch für das OpenAir Gampel im Kanton Wallis verkaufte die Frau nicht vorhandene Konzerttickets.

Auch für das OpenAir Gampel im Kanton Wallis verkaufte die Frau nicht vorhandene Konzerttickets.

(Bild: Keystone)

Stefan Hohler@tagesanzeiger

Die 31-jährige Kosovarin aus Winterthur kann es einfach nicht lassen: Obwohl sie bereits dreimal einschlägig vorbestraft war, hatte sie zwischen Juli 2015 und Juli 2016 an rund 30 Personen Konzerttickets, SBB-Tageskarten, Smartphones und weitere Gegenstände verkauft, obwohl sie die Artikel gar nicht besessen hatte. Die dreifache Mutter und Hausfrau betrieb ihren illegalen Handel per Handy von zu Hause aus, indem sie auf Internetplattformen wie Tutti oder Anibis auf Suchinserate antwortete oder selbst Gegenstände zum Verkauf anbot.

So gab die Frau einem Kaufwilligen an, zwei Tickets für das OpenAir Gampel zu haben, und verkaufte die «Originalbillette» für insgesamt 100 Franken. Einer Verehrerin der Sängerin Adele verkaufte sie zwei Eintrittskarten für 300 Franken, einer Eishockeyanhängerin ein Billett für das Spiel Biel gegen Langnau für 100 Franken. Die Käufer zahlten jeweils auf das Bankkonto der Frau ein, manchmal auch bar mit der Post, sie erhielten aber keine Tickets.

In anderen Fällen gab die Frau vor, im Besitz von iPhones zu sein, und verkaufte die Handys für 200 oder 300 Franken. Dabei beschaffte sie sich im Internet Bilder von den Mobiltelefonen, welche sie auf dem Inserat zeigte. In der Anklageschrift sind 29 Personen aufgelistet, die der Frau insgesamt 4100 Franken bezahlt hatten. Der Durchschnittspreis betrug also nur 140 Franken. Die Frau hoffte wohl, dass sich die Opfer wegen der geringen Summe nicht weiter um das Geld kümmerten. Sie kommunizierte mit diversen falschen E-Mail-Namen, in Einzelfällen auch per Whatsapp.

Auch U-Haft wirkte nicht

Der Staatsanwalt verlangte eine Schuldigsprechung wegen mehrfachen Betrugs und eine Verurteilung zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von acht Monaten. Denn die Frau war schon in der Vergangenheit wegen der gleichen Delikte dreimal zu Geldstrafen verurteilt worden – und hatte im April 2015 bereits eine Nacht in Untersuchungshaft verbringen müssen. Auch im November 2016 wurde sie nochmals für zwei Tage in U-Haft gesetzt.

Das Bezirksgericht Winterthur verurteilte im letzten Sommer die 31-jährige Kosovarin wegen mehrfachen Betrugs zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von sechs Monaten. Zudem wird sie verpflichtet, den Opfern Schadenersatz zu leisten und Gerichts- und Untersuchungskosten von über 4500 Franken zu bezahlen. Das Gericht stellte der Frau keine günstige Prognose, deshalb sei die Freiheitsstrafe zu vollziehen.

Der Verteidiger der Frau hatte vergeblich einen Freispruch verlangt. Seine Mandantin sei so banal und dilettantisch vorgegangen, dass man nicht von Arglist sprechen könne, was für den Betrugsvorwurf eine Voraussetzung sei. Die Verwendung von Pseudonymen auf Verkaufsplattformen im Internet sei nicht arglistig, die Nutzer würden auf die Risiken des Onlinehandels hingewiesen. Deshalb gelangt er an das Obergericht, welches am Donnerstag über den Fall verhandeln wird.

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