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«Schimanski von Zürich» erneut schuldig gesprochen

Der pensionierte Stadtpolizist Fredi Hafner akzeptiert seine Verurteilung wegen Amtsgeheimnisverletzung nicht. Heute kämpfte er vor Obergericht um einen Freispruch – vergebens.

Wegen Verletzung des Amtsgeheimnisses verurteilt: Der ehemalige Chef-Fahnder der Zürcher Stadtpolizei, Fredi Hafner, vor dem Zürcher Obergericht. (8. November 2012)
Wegen Verletzung des Amtsgeheimnisses verurteilt: Der ehemalige Chef-Fahnder der Zürcher Stadtpolizei, Fredi Hafner, vor dem Zürcher Obergericht. (8. November 2012)
Steffen Schmidt, Keystone
Er wurde verurteilt, weil ihm vorgeworfen wird, vertrauliche Dokumente an den Journalisten Karl Wild weitergegeben zu haben. Wild streitet dies ab, will aber nicht sagen, von wem er diese Dokumente erhalten hat.
Er wurde verurteilt, weil ihm vorgeworfen wird, vertrauliche Dokumente an den Journalisten Karl Wild weitergegeben zu haben. Wild streitet dies ab, will aber nicht sagen, von wem er diese Dokumente erhalten hat.
Lucienne Vaudan
Ein Bild aus besseren Tagen: Schmid und Nef bei einer Armeedemonstration im Februar 2008.
Ein Bild aus besseren Tagen: Schmid und Nef bei einer Armeedemonstration im Februar 2008.
Laurent Gillieron, Keystone
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Der Zürcher Ex-Polizist Fredi Hafner ist heute erneut wegen Amtsgeheimnisverletzung schuldig gesprochen worden. Das Zürcher Obergericht bestätigte das Urteil des Bezirksgerichtes und verurteilte ihn zu einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen.

Im Gegensatz zum Urteil des Bezirksgerichtes wurde die Höhe des Tagessatzes jedoch leicht reduziert, von 160 auf 120 Franken. Dies, weil Hafner seit März frühpensioniert ist und damit ein tieferes Einkommen hat.

Hafner bestreitet nach wie vor, der «SonntagsZeitung» Akten über den ehemaligen Armeechef Roland Nef übergeben zu haben. Das Bezirksgericht war anderer Ansicht und verurteilte ihn wegen Amtsgeheimnisverletzung. Es ging davon aus, dass Hafner der Zeitung Akten übergab, aus denen ersichtlich wurde, dass Nefs ehemalige Lebenspartnerin ihn wegen Stalking und Nötigung angezeigt hatte. Die mediale Berichterstattung über den Fall Nef führte dazu, dass der Armeechef und später auch Bundesrat Samuel Schmid zurücktraten.

Der mittlerweile pensionierte Zürcher Polizist Fredi Hafner bestritt von Anfang an, die Quelle der geheimen Informationen gewesen zu sein. Trotzdem wurde er im April 2009 wegen Amtsgeheimnisverletzung zu einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen à 160 Franken verurteilt. Doch Hafner und sein Anwalt Marc Engler legten Berufung ein.

Journalist beteuert Hafners Unschuld

Das Urteil beruhe vor allem auf Indizien, bemängelte Engeler den damals erstinstanzlichen Urteilsspruch. Dem damals stellvertretenden Chef der Personalfahndung der Zürcher Stadtpolizei wurde vorgeworfen, aus dem Polizeiinformationssystem Polis die Stalking- und Nötigungsvorwürfe von Roland Nefs Ex-Partnerin ausgedruckt zu haben.

Die zuständige Staatsanwältin konnte 2009 nicht beweisen, dass Hafner die Dokumente der «SonntagsZeitung» zugespielt hatte. Der Journalist Karl Wild schweigt sich darüber aus, von wem er die Unterlagen erhalten hatte, bekräftigte aber selbst unter Androhung von Beugehaft, Fredi Hafner habe ihm keine Informationen übergeben.

Indizienprozess

Die Staatsanwaltschaft stützte die Anklage im Wesentlichen auf das zeitliche Zusammentreffen verschiedener Fakten: Nach einem Treffen mit Wild und dem damaligen «SonntagsZeitung»-Chefredaktor Andreas Durisch konfrontiert die «SonntagsZeitung» den Generalsekretär des Verteidigungsdepartements VBS mit Fragen zum Strafverfahren gegen Armeechef Roland Nef. Eine Woche später wendet sich die «SonntagsZeitung» an die Beamtin, welche Nefs Ex-Partnerin befragte. Dabei soll erkennbar geworden sein, dass die Zeitung Informationen aus der Opferbefragung besass.

Untersuchungen hätten zudem gezeigt, dass Hafner der einzige Beamte gewesen sei, der auf die betreffenden Dokumente zugegriffen und diese ausgedruckt habe. «Die Staatsanwaltschaft glaubt gestützt auf diese Fakten nicht an eine Kette von angeblichen Zufällen», sagte Staatsanwältin Vogel 2009.

SDA/lcv

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