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Darlehen kassiert, Versprechen gebrochen

Die Veranstalter von Zurich Tattoo schulden der Stadt über 500'000 Franken. Die diesjährige Ausgabe wäre eine Chance gewesen, das Schuldenloch zu stopfen. Doch nun kommt alles noch schlimmer.

Schuss ins Leere: Eröffnung des Zurich Tattoo im Jahr 2013 auf dem Münsterhof.
Schuss ins Leere: Eröffnung des Zurich Tattoo im Jahr 2013 auf dem Münsterhof.
Keystone

Nach der letzten Durchführung des Polizeimusik-Festivals Zurich Tattoo war Veranstalter André Beck noch Feuer und Flamme: «Es war eine Riesensensation, jeden Abend Standing Ovations, ich selber war überrascht», sagte er dem «Tages-Anzeiger». In der Folge reichte er ein Bewilligungsgesuch für eine erneute Ausgabe in diesem Jahr ein. Der Stadtrat bewilligte es im September 2014.

Doch so weit kommt es nun nicht, wie das Portal «Watson» berichtet. Offenbar stoppte Vereinspräsident Beck, der gleichzeitig als Chef der Interventionseinheit Skorpion der Stapo Zürich amtet, das Projekt.

Leere Sitzplätze

Wer genauer hinschaut, den überrascht die Absage nicht. Die Festivalveranstalter kämpfen schon seit längerer Zeit mit finanziellen Schwierigkeiten. 2013 interessierten sich nur 12'000 Zuschauer für das Open-Air-Spektakel. Jeder dritte Platz im Schulhaus Liguster in Oerlikon blieb leer, es resultierte gemäss Stadtrat ein Verlust von 190'000 Franken, der letztlich vom Verein Zurich Tattoo Productions und der beauftragten Event-Agentur getragen wurde.

Dies war allerdings nur die Fortsetzung einer Misere, die 2010 ihren Anfang nahm. Der Jubiläumsanlass endete mit einem derart hohen Verlust, dass der Verein Zurich Tattoo Productions vom Konkurs bedroht war. Die Stadt präsentierte sich als Retterin in der Not und sprach einen Kredit von über 500'000 Franken.

Rückzahlung bis 2035

Die Stadt verlor den Glauben an den Anlass nicht. Mit weiteren Tattoo-Ausgaben hätte das Schuldenloch gedeckt werden sollen. Weil dies 2013 misslang, lagen die Hoffnungen auf der diesjährigen Ausgabe. In seinem Bewilligungsschreiben schrieb der Stadtrat, er wolle «die auch in wirtschaftlicher Hinsicht erfolgreiche Fortführung des beliebten Zürcher Traditionsanlasses ermöglichen, und die Voraussetzungen schaffen, damit der Verein aus dem Veranstaltungserlös das städtische Darlehen von Fr. 500'000 bis 2035 ratenweise zurückzahlen kann».

Das Bewilligungsschreiben zeigt, wie sehr der Stadtrat an einer Durchführung des Festivals interessiert ist. Er verpricht den Veranstaltern diverse Gratisdienstleistungen wie Parkplätze, Strom oder Reinigung. Der Bürkliplatz und die Bahnhofstrasse könnten für die Eröffnungszeremonie genutzt werden, eine personelle Unterstützung durch das Polizeidepartement und von Schutz & Rettung wären ebenfalls gegeben.

Das reicht den Veranstaltern offenbar nicht. Momentan liebäugelt Beck damit, ganz aus dem Anlass auszusteigen: «Wir evaluieren, ob das Zurich Tattoo nur für 2015 ausfällt oder ganz stirbt», sagt er gegenüber «Watson». Die Stadt reagiert überrascht. Bis anhin habe man keine Anzeichen erhalten, dass der Verein Zurich Tattoo Productions das Darlehen nicht zurückzahlen kann, teilt Reto Casanova, Sprecher des Polizeidepartements, mit.

Gegenseitige Schuldzuweisung

Beck weist die Schuld von sich und verweist auf die Eventagentur Carré Event AG. Diese habe ihre Aufgabe so lange nicht in die Hand genommen, bis es zu spät gewesen sei, Marketing und Sponsoring rechtzeitig aufzugleisen. Carré-Chef Reto Caviezel wiederum kontert, dass seine Agentur gar nie wirklich in das Projekt eingestiegen sei. Es hätten zwar einzelne Sponsorengespräche stattgefunden – jedoch ohne positives Resultat: «Der Anlass ist super, aus unserer Sicht aber zurzeit einfach nicht finanzierbar», sagt der Eventmanager von «Art on Ice».

Dass das Konzept funktioniert, wird alljährlich in Edinburgh demonstriert. Der Anlass wird jedes Jahr von weltweit 100 Millionen Zuschauern am Fernsehen gesehen. Es ist damit das grösste Musikfestival Schottlands. Auch in Basel hat sich ein erfolgreicher Ableger etabliert: Basel Tattoo besuchen jedes Jahr über 100'000 Zuschauer.

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