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Angst vor 24-Stunden-Shop im Niederdorf

Anwohner befürchten, dass der projektierte Laden viel Publikum anziehen und für mehr Lärm sorgen wird.

Im ehemaligen Jamarico-Lokal an der Niederdorfstrasse soll ein Lebensmittelladen einziehen, der rund um die Uhr geöffnet hat. Foto: Patrick Hürlimann
Im ehemaligen Jamarico-Lokal an der Niederdorfstrasse soll ein Lebensmittelladen einziehen, der rund um die Uhr geöffnet hat. Foto: Patrick Hürlimann

In die Räume der ehemaligen Jamarico-Boutique an der Niederdorfstrasse 51 soll ein Lebensmittelladen einziehen. Das Spezielle an dem Geschäft: Es soll rund um die Uhr geöffnet sein. Dies geht aus der heutigen Bauausschreibung im «Tagblatt der Stadt Zürich» hervor. Der Laden soll auch Alkohol im Angebot führen.

Beim Quartierverein Zürich 1 rechts der Limmat sind die Bedenken angesichts der 24-Stunden-Betriebszeiten und dem geplanten Verkauf von Bier und Wodka gross. Der Alkoholkonsum begünstige ganz eindeutig den Lärm, sagt Charles A. Weibel vom Quartierverein Zürich 1. «Mit einem solchen Shop wird es mehr Krach geben, man braucht bloss eins und eins zusammenzuzählen.» Eine Anwohnerin, die anonym bleiben möchte, findet es «höchst befremdlich», dass die Stadt Zürich wahrscheinlich eine Betriebsbewilligung für ein solches Geschäft erteilen werde. «Im Niederdorf leben viele Familien mit Kindern, was die Behörden auch fördern. Jetzt wird uns ein 24-Stunden-Shop vor die Türe gesetzt, der viel Lärm mit sich bringt. Das verstehe ich nicht.» Man werde das Projekt sehr kritisch im Auge behalten.

Betreiberin des geplanten Lebensmittelladens an der Niederdorfstrasse ist Kerime Asarav. Die Kurdin aus der Türkei und ihre Geschwister nehmen eine Pionierrolle bei Läden ein, die rund um die Uhr geöffnet sind. Gemeinsam mit ihrem Bruder Erdal eröffnete sie 2006 an der Ecke Langstrasse/Militärstrasse im Kreis 4 den Express Shop, der 365 Tage im Jahr während 24 Stunden geöffnet hat. Kerime Asarav glaubt nicht, dass ihr Laden für die Anwohner zum Lärmproblem werden wird. «Bei uns kommen die Kunden in den Laden, bezahlen und gehen wieder. Wir bieten keine Plätze zum Sitzen oder eine Stehlounge an.» Die 47-Jährige führte zuvor unter anderem das Fast-Food-Restaurant Mamiki an der Limmatstrasse 46, in den Räumen der ehemaligen Silberkugel.

Böse Erinnerungen

In der jüngeren Vergangenheit erlebten die Anwohner und Gewerbetreibenden im Niederdorf, was ein Shop auslösen kann, der bis spät in die Nacht Alkohol verkauft. An der Spitalgasse 2 beim Hirschenplatz zog der Laden Drink it vor zehn Jahren vor allem an den Wochenenden jeweils eine Vielzahl mehrheitlich jüngerer Leute an, die sich mit Bier und hochprozentigem Alkohol eindeckten. Damals kritisierte Quartiervereinspräsident Martin Brogli, dass die ­angetrunkenen Jugendlichen Lärm verursachten, Flaschen zerschlügen und Passanten anpöbelten. Vor allem an den Wochenenden sei die Situation unhaltbar. Die Stadtpolizei reagierte auf die grosse Anzahl der Lärmklagen und verfügte, dass der Laden um 20 Uhr schliessen musste. Mittlerweile existiert das Geschäft nicht mehr.

Kein Problem für Beat Schlatter

Schauspieler und Komiker Beat Schlatter, der seit 17 Jahren am Rindermarkt im Niederdorf wohnt, sieht der Eröffnung des 24-Stunden-Shops entspannt entgegen. «Wer im Niederdorf lebt, muss mit einer gewissen Lärmemission leben.» Das trage ebenso zur Lebendigkeit des Quartiers bei wie solche Läden. Obwohl Zürich-West als Ausgehmeile gilt, sei das Niederdorf bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen an den Wochenenden nach wie vor sehr populär und übe eine grosse Anziehungskraft aus, sagt Schlatter.

Polizeivorstand Richard Wolff (AL) hat im vergangenen Sommer das Projekt «Nachtleben» lanciert, bei dem die Lärmproblematik im Zentrum steht. Erste Resultate des Projekts sollen im Frühling vorgestellt werden. Die 24-Stunden-Gesellschaft sei eine weltweite Entwicklung, sagte er kürzlich gegenüber der NZZ. Die Lärmproblematik sei dabei die offensichtlichste negative Begleiterscheinung. Mit einer Umschichtung innerhalb des Korps will Wolff auf die veränderten Anforderungen der 24-Stunden-Gesellschaft reagieren. Ab Anfang Mai wird die Nachtpräsenz ausgebaut, und von Donnerstag bis Sonntag sollen im Sommer mehr Polizisten im Einsatz stehen, wie er sagte.

Der Verkauf von Alkohol in der Nacht ist politisch sehr umstritten. Die eidgenössischen Räte beraten ein Nachtverkaufsverbot für Alkohol. Vor wenigen Tagen hat sich die Wirtschaftskommission des Nationalrates erneut gegen ein solches Verbot ausgesprochen. Geht es nach dem Bundesrat, soll in Läden zwischen 22 und 6 Uhr kein Alkohol verkauft werden dürfen. Der Ständerat hat dazu Ja gesagt und dies in der Wintersession bekräftigt. Der Nationalrat hat sich gegen das Verbot ausgesprochen. Seine Kommission beantragt ihm nun mit 16 zu 7 Stimmen, beim Nein zu bleiben.

Erdal Asarav äusserte sich bereits früher zu einem allfälligen Nachtverkaufsverbot für Alkohol. Sein Express Shop an der Langstrasse könne ohne die Alkoholeinnahmen nicht überleben, sagte er damals zu «20 Minuten». «Bei uns steht die Existenz von neun Familien auf dem Spiel.»

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