«Wir bringen Tel-Aviv-Vibes nach Zürich»

Das Festival Kibbutzürich will die jüdische Kultur näherbringen. Die Co-Initiantin erzählt, weshalb es zum Auftakt ein Public Viewing des Eurovision Song Contest gibt.

Aviva Wingate-Gottheil: «Uns geht es in erster Linie darum, die Kultur des Judentums zu präsentieren – und nicht deren Religion.»

Aviva Wingate-Gottheil: «Uns geht es in erster Linie darum, die Kultur des Judentums zu präsentieren – und nicht deren Religion.»

(Bild: PB)

Am Samstag findet in Tel Aviv das Finale des Eurovision Song Contest statt. Kibbutzürich organisiert in Zürich ein Public Viewing. Weshalb?
Unser Ziel ist es, dass diejenigen, die nicht nach Israel fliegen können, trotzdem etwas Tel-Aviv-Vibes spüren dürfen. Mit dem Labor 5 haben wir die perfekte Location gefunden und dank Dragqueen Gossipa als Gastgeberin und dem DJ Phil G stimmt auch das Rahmenprogramm.

Ist die Erwartung, dass die Leute so bunt kommen, wie die Veranstaltung sein wird?
Bei uns sind alle Besucher willkommen, die mit uns feiern wollen, egal, ob sie im crazybunten Kostüm oder in den Bünzlijeans mit weissem Shirt aufkreuzen.

Gossipa ist Gastgeberin des jüdischen Festivals.

Welchen Trost dürfen die Besucher denn erwarten, wenn die Schweiz wieder keine Punkte sammeln kann?
Ich glaube, die Stimmung am Anlass wird so kunterbunt und ausgelassen sein, dass sie gleich selbst Trost spenden wird. Zudem geht es beim Eurovision Song Contest ja mehr darum, miteinander eine gute Zeit zu haben, statt zu gewinnen. Und wenn wir dann noch ganz ehrlich sein wollen, sind wir Schweizer es uns ja gewohnt, dass wir im Rating nicht gerade abräumen. Doch glaube ich, Luca Hänni könnte dieses Mal wirklich Chancen haben.

So erfolgreich war die Schweiz am ESC. Video: Tamedia Webvideo

Was ist denn Kibbutzürich?
Dies ist ein «Jewish Arts Festival», bei welchem Künstler und Kulturschaffende aus der ganzen Welt zusammenkommen, die alle einen Link zum Judentum aufweisen. Dies heisst aber nicht, dass alle jüdisch sind. Uns geht es in erster Linie darum, die Kultur des Judentums zu präsentieren – und nicht deren Religion.

Das Public Viewing bildet den Auftakt für die Zweitauflage des jüdischen Kulturfestivals des Kibbutzürich. Was erwartet uns?
Unser Leitthema ist dieses Mal «Sprachen». Dem gehen wir in 16 Events nach – sei es mit Tanz, Theater, Film oder Konzerten. Besonders freue ich mich auf einen Vortrag über «Aravrit». Dies ist eine neues Schreibsystem, das von der Schriftgestalterin und Grafikerin Liron Lavi Turkenich entwickelt wurde. Sie wird ihr experimentelles Projekt präsentieren und zeigen, dass sich hebräische und arabische Schriftzüge verbinden lassen und dass diese neu entwickelte mehrsprachige Schrift «Aravrit» von beiden Sprachräumen gelesen und verstanden werden kann.

Weshalb braucht es ein Festival, das sich ausschliesslich mit jüdischer Kultur befasst?
Es gibt hier verschiedene Festivals, die die jüdische Religion repräsentieren. Ein Kulturfestival, wie wir es nun auf die Beine gestellt haben, hat bisher aber noch gefehlt. Der Erfolg des ersten Jahres hat Co-Initiantin Annette Kremer und mich bestärkt und so ziehen wir jetzt voller Vorfreude in die zweite Runde.

Ultraorthodoxe Gruppen haben in Israel kritisiert, dass das Finale des Eurovision Song Contest am Schabbat stattfindet. Ist das aus Ihrer Sicht ein Problem?
Jeder soll seine Religion so ausleben, wie sie oder er dies möchte. Deshalb bieten wir vom Festival auch am Freitag- und am Samstagabend – also von Schabbatbeginn bis zum Ende – die Möglichkeit an, Events zu besuchen. Ob dies das Organisationskomitee vom Eurovision Song Contest auch so sieht, weiss ich nicht.

Tel Aviv Eurovision Public Viewing und Dance Party, Samstag ab 20.00 Uhr, Labor 5, Schiffbaustrasse 3, 8005 Zürich.

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