Illegale Party im Kreis 4 endet in Strassenschlacht

In der Nacht auf Samstag versammelten sich über 200 Personen auf dem Helvetiaplatz. Nachdem sie mehrere Stunden feierten, zogen sie durch den Kreis 4. Vor dem Polizeiposten kam es zu heftigen Auseinandersetzungen.

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Simon Eppenberger@S_Eppenberger

Lange war die illegale Party auf dem Helvetiaplatz friedlich. In der Nacht von Freitag auf Samstag hatten sich schätzungsweise 200 zumeist jugendliche Personen dort versammelt, tranken Alkohol, rauchten und tanzten zur Musik, die aus einer mobilen Anlage dröhnte. Einzelne Knallpetarden wurden abgefeuert, einmal ein Auto mit Feuerwerk beworfen. Doch bis um zirka 1 Uhr kam es zu keinen grösseren Zwischenfällen.

Offenbar waren die Organisatoren nicht zufrieden mit dem «Freiraum», den sie stundenlang unbehelligt besetzen konnten. Die Kerngruppe der Party-Demonstranten zog um 2 Uhr den Wagen mit der Musikanlage unter dem vom Regen geschützten Unterstand hervor Richtung Stauffacher. Auf der Strasse formierten sich etwa 20 Vermummte hinter einem roten Transparent mit der Aufschrift «Saubanner-Zug» und den Logos von «Blick» und «20 Minuten». Die Polizei hielt sich bis dahin zurück. Sie war auf dem Platz nicht sichtbar. In den Seitenstrassen standen jedoch Einheiten für den Einsatz bereit.

«Für was demonstrieren die?»

Die Beamten formierten sich beim Stauffacher. Als die Demonstranten auf sie zugingen, hielten die Polizisten die Krawallmacher davon ab, Richtung Selnau-Brücke zu gehen. Als die Menge in eine Seitengasse abbog, reagierte die Polizei rasch und stoppte den Weitermarsch mit Gummischrot. Schliesslich zogen die Demonstranten zurück und sammelten sich auf dem Helvetiaplatz neu.

Nach einer kurzen Pause machte sich der Demonstrationszug am Hotel Sonne vorbei auf Richtung Langstrasse. Als die Vermummten und Tanzenden Richtung Limmatplatz marschierten, traten unzählige verwunderte Bar- und Clubbesucher auf die Strasse um zu schauen, was vor sich ging. Eine junge Frau fragte: «Für was demonstrieren die?» Der Mann neben ihr zuckte mit den Schultern.

«Stoppt die Party-Polizei!»

Angezogen von der Musik folgten einige Ausgänger der Demonstration. Einige rechneten wohl damit, dass es «jetzt abgeht», wie ein Teenager zu seinen Kollegen sagte. «Komm, wir werfen Steine», sagte ein anderer und reihte sich in den Tross ein. Zwischenzeitlich skandierte die Menge: «Stoppt die Party-Polizei!» oder grölte im Chor auf italienisch einen Fluch, adressiert an die Polizei.

Nach zwei Uhr bogen die Krawallanten von der Lang- in die Militärstrasse ein und marschierten Richtung Kasernenareal. Vor dem Posten der Kreiswache 4 schritt die Polizei ein. Mit Tränengas, Gummischrot und einem Wasserwerfer drängte sie die Menge zurück und löste die Demonstration in wenigen Minuten auf.

Plötzlich war der Spuk vorüber

Einige Krawallmacher lieferten sich Scharmützel mit den Beamten. Ein Teenager mit einem blutverschmierten Tuch über Mund und Nase rief unter seiner schwarzen Kapuze: «Missgeburten, kommt nur her!» Allerdings ging sein Geschrei im Strahl des Wasserwerfers unter. Die Szenen dauerten nur kurz, plötzlich war der Spuk vorbei und das Nachtleben an der Langstrasse ging scheinbar gewohnt weiter.

Nur einige kaputte Flaschen, umgeworfene Velos und vereinzelt auf der Strasse liegende Velosättel sowie Abfall auf dem Helvetiplatz zeugten von der Auseinandersetzung und der illegalen Veranstaltung. Angaben über Verletzte gibt es keine. Verhaftet wurde laut Polizeiangaben vom Samstag niemand. Offen ist, wie viel der Sachschaden beträgt. Wie Stapo-Sprecher Andreas Feubli sagt, hält es sich laut ersten Schätzung in Grenzen.

Illegale Party für Samstag angesagt

Für Samstag ist bereits zur nächsten illegalen Party aufgerufen worden. Es gab jedoch widersprüchliche Meldungen über den Ort der Veranstaltung. Einmal war vom Zoo die Rede, ein andermal vom Central. Wer hinter den gewalttätigen Partys steht, ist nicht bekannt.

Am vergangenen Wochenende war es am Bellevue zu Ausschreitungen und massiver Gewalt zwischen Hunderten Besuchern einer nicht bewilligten Party und der Polizei gekommen. Ob die Versammlung auf dem Helvetiaplatz damit in Verbindung stand, war zunächst nicht bekannt.

baz.ch/Newsnet

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