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Zürcher Stadt prescht beim Frauenstreik vor

Uster hat mit dem Frauenstreik einen aussergewöhnlichen Umgang gefunden – und der ist heftig umstritten.

«Wie gehen wir mit dem Frauenstreik um?» Das fragen sich viele Städte und Firmen.
«Wie gehen wir mit dem Frauenstreik um?» Das fragen sich viele Städte und Firmen.
Adrien Perritaz, Keystone

Der Nationalrat macht eine viertelstündige Pause, die Stadt Zürich lädt ihre Angestellten für eine Stunde zu einem Streik-Café auf den Münsterhof ein: Der Frauenstreik vom 14. Juni beschäftigt zurzeit viele Gremien, Firmen und Gemeinden. Sie fragen sich: «Wie gehen wir damit um?»

Die Stadt Uster hat einen ganz eigenen Weg gewählt. Dort können die Verwaltungsangestellten, Frauen wie Männer, drei Stunden während der Arbeitszeit an der Kundgebung in der Stadt teilnehmen. Von 10 bis 13 Uhr ist offizielle Streikzeit, falls sie das wollen. Das hat die Stadtregierung entschieden. Zudem wird SP-Stadtpräsidentin Barbara Thalmann eine Ansprache halten. Zum «Tages-Anzeiger» sagt sie: «Wir mussten frühzeitig regeln, wie wir mit dem Frauenstreik umgehen wollen und zeigen uns so solidarisch für die Anliegen.»

Uster ist im Kanton damit ein Unikum – und liberaler als Zürich oder Winterthur, obwohl in allen Städten eine rot-grüne Mehrheit regiert. Zürich und Winterthur stehen den streikenden Angestellten, Frauen und Männern wohlwollend gegenüber, allerdings müssen sie ihre Absichten ankündigen und in ihrer Freizeit an den Aktivitäten teilnehmen.

Winterthurs CVP-Stadtpräsident Michael Künzle sagt: «Wir halten die Vorgesetzten an, grosszügig zu sein, wenn jemand für diesen Tag frei nehmen will.» Zürichs SP-Stadtpräsidentin Corine Mauch wird am Freitagnachmittag selbst am Frauenstreik teilnehmen. Ihr ist die «Gleichstellung aller Geschlechter persönlich ein zentrales Anliegen».

Auf Kosten der Steuerzahler

Die grosszügige Lösung wird in Uster nicht von allen goutiert und ist zum Politikum geworden. Gemeinderätinnen und Gemeinderäte von GLP und FDP haben einen Vorstoss eingereicht, in dem sie die Regierung kritisieren.

Sie halten es für falsch, dass Streikwillige auf Arbeitszeit an die Kundgebung gehen dürfen. Damit gehe der Streik auf Kosten der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler. Die Stadtregierung muss dem Gemeinderat deshalb nach dem Streik Rechenschaft darüber ablegen, wie viele Angestellte der Arbeit fern blieben.

Solidarisch mit Anliegen

Die Kritikerinnen und Kritiker haben diese Woche zusätzlich Rückendeckung aus der Bevölkerung erhalten. Stadtpräsidentin Barbara Thalmann musste am Mittwochmorgen eine Petition mit über 200 Unterschriften entgegennehmen. Die Ustermerinnen und Ustermer wehren sich damit nicht gegen den Frauenstreik, sondern gegen die drei Freistunden.

Streiken Sie? Sagen Sie uns, warum!

Nach dem politischen Wirbel um den Entscheid in der Stadtregierung tönt Barbara Thalmann am Telefon etwas zögerlich. Sie sagt jedoch, sie stünde nach wie vor zu diesem Vorgehen. Vielleicht wirke sich darin auch die Frauenmehrheit im Stadtrat aus. Uster wird seit vergangenem Sommer von vier Frauen und drei Männern regiert.

Für Thalmann ist auch klar, dass sie den Streik nicht befürwortet wegen der Arbeitsbedingungen in der Stadtverwaltung, sondern um sich grundsätzlich zu solidarisieren. Mit dem Frauenstreik wehren sich Frauen zum Beispiel gegen Lohnungleichheit und für eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie.

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