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Winterthurer Theater wird nicht abgerissen

Der Stadtrat von Winterthur beerdigt die «Vision Theater plus». Diese sah vor, das heutige Stadttheater durch einen Neubau zu ersetzen.

Muss nicht einem Neubau weichen: Das Theater Winterthur.
Muss nicht einem Neubau weichen: Das Theater Winterthur.
Gaetan Bally, Keystone

«Die Projektidee ‹Vision Theater plus› wird nicht weiterverfolgt.» Dies teilt heute der Winterthurer Stadtrat mit. Das Projekt voranzutreiben, hätte einen grossen finanziellen und personellen Aufwand bedeutet – bei unsicheren Erfolgschancen.

Die «Vision Theater plus» wurde von der Standortförderung Region Winterthur, der Handelskammer- und Arbeitgebervereinigung Winterthur sowie von Winterthur Tourismus ausgearbeitet. Die Stadt erhielt sie im Oktober 2015 zur Prüfung vorgelegt. Das Projekt sah vor, das heutige Theatergebäude durch einen Theaterneubau zu ersetzen. Der Neubau hätte auch ein Hotel enthalten und als Kongresshaus genutzt werden sollen.

Problem Schutzwürdigkeit

Der Entscheid des Stadtrats hat mehrere Gründe. Zum einen habe sich die Situation rund um das bestehende Theater entschärft, schreibt die Stadt in einer Mitteilung. Die notwendige Sanierung des Theaterbaus dürfte weniger kosten als ursprünglich befürchtet. Der Sanierungsbedarf wurde in einem «reduzierten Massnahmenkatalog» von rund 40 Millionen Franken auf 9 Millionen Franken bis ins Jahr 2020 heruntergesetzt.

Zum anderen stellte sich die rechtliche Situation schwierig dar. Weil das bestehende Theater, ein Bau des Architekten Franz Krayenbühl aus dem Jahre 1979, zum Kantonalen Inventar der schützenswerten Bauten gehört, wollte der Stadtrat vor einer vertieften Prüfung der Vision abklären, ob es überhaupt denkbar wäre, die Theaterliegenschaft aus dem Inventar zu entlassen. Die Stadt liess die Schutzwürdigkeit des heutigen Theatergebäudes durch die kantonale Baudirektion beurteilen.

Diese Beurteilung fiel wenig hoffnungsvoll aus: Voraussetzung für eine Entlassung wäre der Nachweis, dass das öffentliche Interesse an einem Neubau mit Kongresshaus, Hotel und Wohnungen höher sei als die Schutzwürdigkeit des bestehenden Theaters, argumentierte die Baudirektion. Der Stadtrat schreibt: «Die Baudirektion hielt ausdrücklich fest, dass die Anforderungen an diesen Nachweis sehr hoch seien.»

Hätte sich die Stadt dafür entschieden, diesen Nachweis erbringen zu wollen, hätte sie «erhebliche finanzielle Mittel aufwenden» müssen, schreibt die Stadt. Doch die Erfolgsaussichten eines solchen Bemühens seien gering. «Vor diesem Hintergrund ist es für den Stadtrat mit Rücksicht auf die knappen finanziellen Mittel des städtischen Haushalts weder sach- noch finanzpolitisch zu rechtfertigen, die erforderlichen Vorleistungen für die ‹Vision Theater plus› zu erbringen», schreibt die Stadt.

Stattliche Gegnerschaft

Hinzu komme, so die Stadt in ihrer Mitteilung, dass sich eine stattliche Gegnerschaft gegen das Projekt zusammengeschlossen habe, die zum Schutz des Theatergebäudes vor dem Abriss aller Voraussicht nach den Rechtsmittelweg beschreiten würde.

Tatsächlich hat sich namentlich der Theaterverein vehement gegen das Projekt gewehrt. Dessen Präsident Martin Bernhard schrieb im letzten Dezember, als der Stadtrat die Abklärung der Schutzwürdigkeit ankündigte, man sei befremdet, «dass der Stadtrat die Abrissidee nicht klar und deutlich fallen lässt». Dass der Stadtrat das alte Theatergebäude zur Disposition stelle, war für Bernhard nicht nachvollziehbar. «An diesem wichtigen Ast am Kultur-, Lebensqualität- und Standortfaktor-Baum» dürfe nicht leichtfertig gesägt werden; ein Kongresshaus sei anderswo in der Stadt zu realisieren.

Entsprechend erfreut reagierte der Theaterverein nun auf den Entscheid des Stadtrats. Der Verein sei froh, dass die «gut zweijährige Diskussion über einen möglichen Abriss unseres Theaters beendet ist», schreibt er in einer Mitteilung.

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