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Mann versteckte tote Tänzerin eine Woche lang bei sich zu Hause

Ein 47-jähriger Schweizer soll in einem Zürcher Hotel eine junge Nachtclubtänzerin aus Polen getötet haben. Danach brachte er ihre Leiche unbemerkt zu sich an die Goldküste.

Der mutmassliche Täter kannte sein Opfer offenbar aus einem Nachtclub: Eine Stripperin beim Tanzen. (Archivbild: Eddy Risch)
Der mutmassliche Täter kannte sein Opfer offenbar aus einem Nachtclub: Eine Stripperin beim Tanzen. (Archivbild: Eddy Risch)
Keystone

Die Kantonspolizei hat gestern Mittwoch im Haus eines Mannes an der Zürcher Goldküste die Leiche einer vermissten Frau gefunden. Die 25-Jährige, eine polnische Nachtclubtänzerin, hatte sich acht Tage zuvor in der Stadt Zürich ein Hotelzimmer mit dem 47-jährigen Schweizer geteilt. Seither hat sie niemand mehr gesehen.

Der Mann habe in einer ersten Befragung zugegeben, die Polin getötet zu haben, teilt die Polizei mit. Er habe den leblosen Körper der Frau nach der Tat unbemerkt aus dem Hotel geschafft, zu sich nach Hause transportiert und dort versteckt. Dass jemand das Opfer eines Tötungsdeliktes so lange in den eigenen vier Wänden aufbewahrt, macht den Fall nach Auskunft der Polizei ungewöhnlich.

Es liegt nahe, dass der Mann die Leiche gekühlt oder anderweitig konserviert hat: Bei Raumtemperatur hätte sie sonst nach rechtsmedizinischen Erkenntnissen in den acht Tagen bis zum Einschreiten der Polizei zu verwesen begonnen. Unter anderem wäre dabei übel riechende Fäulnisflüssigkeit aus dem Körper ausgetreten, was für den mutmasslichen Täter das Leben im Haus wohl unerträglich gemacht hätte.

Umstrittene Meldescheine gaben den Ausschlag

Ausgelöst wurden die Ermittlungen Ende letzter Woche, als sich die polnischen Behörden bei der Kantonspolizei meldeten und um Hilfe baten. Angehörige aus der Heimat hatten die junge Frau als vermisst gemeldet, weil diese nicht wie abgemacht aus Zürich zurückgekehrt war. Erste Nachforschungen der Kantonspolizei ergaben, dass der Sitz der Nachtclubtänzerin im Flugzeug nach Polen leer geblieben war.

Auf die Spur des mutmasslichen Täters kamen die Ermittler dann dank eines Hotel-Meldescheins. Im Kanton Zürich werden die Daten von Hotelgästen systematisch an die Polizei weitergeleitet – eine aus Sicht des Datenschutzes umstrittene Praxis, die sich im aktuellen Fall aber als hilfreich erwiesen hat.

So fanden die Polizisten heraus, dass ein Nachtclubbesucher, den die Frau bereits kannte, in der Nacht ihres Verschwindens ein Zimmer im besagten Zürcher Hotel gebucht hatte. Ermittlungen brachten ans Licht, dass die Polin zusammen mit ihm dort gewesen war.

Das grosse Rätseln im Milieu

Was ihn dazu gebracht hat, die junge Frau in jener Nacht zu töten, ist laut der Polizei noch unklar. Offen lässt sie auch, wie es dem mutmasslichen Täter gelungen ist, ihren leblosen Körper unbemerkt aus dem Hotel zu schaffen. Das bei Milieugästen beliebte Hotel Regina abseits der Zürcher Langstrasse etwa hat die ganze Nacht hindurch eine besetzte Rezeption. Es käme daher nach Ansicht von Mitarbeitern als Tatort nicht infrage.

In Zürich gibt es laut Szenekennern aber auch Nachtclubs mit direktem Zugang zu einem Hotel ohne Nachtportier. Dort wäre eine solche Tat ihrer Ansicht nach eher möglich. Die Frau hat nach Angaben der Polizei in einem Club «im Grossraum Zürich» gearbeitet. Den Betreibern von einschlägigen Stadtzürcher Etablissements, die Polinnen beschäftigen, war der Fall bis jetzt nach eigenen Angaben nicht bekannt.

In Wirklichkeit eine Prostituierte?

Laut «20 Minuten» soll die Frau in Dübendorf gearbeitet haben. Das würde laut einem Zürcher Cabaret-Betreiber darauf hindeuten, dass sie in Wirklichkeit nicht Tänzerin war, sondern Sexarbeiterin – auch wenn sie bei den Behörden womöglich als Tänzerin gemeldet war. In Dübendorf gebe es nämlich keinen Stripclub mehr, wohl aber diverse Bordelle und Sexclubs. Zudem hätten jene Agenturen, die reine Tänzerinnen vermitteln, keine Polinnen im Angebot. Und: Tänzerinnen bleiben in der Regel für einen ganzen Monat in der Schweiz und reisen erst zum Monatswechsel wieder in die Heimat.

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