Fifa behält Status eines Chüngelizüchtervereins

Trotz Bilanzsumme von 3 Milliarden Franken: Die Fifa wird in Zürich weiterhin wie ein Verein besteuert.

Sein Verband bleibt – steuerlich gesehen – ein Verein: Fifa-Boss Gianni Infantino.

Sein Verband bleibt – steuerlich gesehen – ein Verein: Fifa-Boss Gianni Infantino.

(Bild: Keystone)

Der Zürcher Kantonsrat will keine «Lex Fifa». Die bürgerliche Mehrheit lässt sich nicht von den jüngsten Negativschlagzeilen («Football Leaks») beirren und befürchtet gar, dass der Weltfussballverband wegziehen würde, wenn er normal besteuert würde.

Eine parlamentarische Initiative der SP forderte, dass Vereine mit einer Bilanzsumme von mehr als einer Milliarde wie normale Unternehmen besteuert werden. In Zürich gibt es genau einen Verein, auf den dieses Kriterium zutrifft: die Fifa mit Sitz am Zürichberg.

12 statt 21 Prozent Steuern

Die Vorlage erhielt deshalb schnell den Übernamen «Lex Fifa». Der Verband, der seit 1932 in Zürich ansässig ist, zahlt einen reduzierten Gewinnsteuersatz. In der Stadt Zürich beträgt dieser rund 12 Prozent. Bei einer «normalen» Besteuerung würde der Gewinnsteuersatz rund 21 Prozent betragen.

«Es ist mir schleierhaft, wie man die Fifa als Verein mit ideellem Zweck bezeichnen kann», sagte SP-Kantonsrat Stefan Feldmann aus Uster heute Montag im Rat. Die Fifa sei ganz klar ein auf wirtschaftlichen Erfolg ausgerichteter Konzern und hat zahlreiche Tochterfirmen in aller Welt. Trotzdem werde sie besteuert wie ein Kaninchenzüchterverein. «Auf der Strasse versteht das niemand. Das läuft dem Gerechtigkeitsgefühl zuwider.»

Gleicher Meinung war die AL. «Die Fifa mit ihrem unglaublichen Pathos der Non-Profit-Organisation, das ist doch lächerlich», sagte Markus Bischoff aus Zürich. Auch für die Grünen ist die heutige Besteuerung «stossend». Verfolge man die Medien, komme man zum Schluss, dass die Fifa wohl eher eine kriminelle Organisation als ein gemeinnütziger Verein sei.

«Die Fifa ist willkommen»

Ausgedribbelt wurden SP, AL, Grüne und EVP jedoch von der bürgerlichen Mehrheit. Diese setzte sich mit 101 zu 60 Stimmen durch und lehnte die parlamentarische Initiative ab.

«Die Fifa gehört zu Zürich und ist willkommen», sagte etwa SVP-Kantonsrat Urs Waser aus Langnau am Albis. Immer werde nur über das Negative geredet. «Hören wir auf mit dem Fifa-Bashing.» Die Fifa-Mitarbeitenden würden 12 Millionen Franken Steuern zahlen. Die Gäste würden zudem Hotels füllen und konsumieren. Das dürfe man nicht vergessen.

«Manchmal haben wir Zürcher etwas Mühe mit dem Fussball»

Für die FDP wiederum war der SP-Vorstoss «eine Groteske sondergleichen», wie Hans-Jakob Boesch aus Zürich sagte. Die Bilanzsumme von einer Milliarde sei völlig willkürlich gewählt und ziele nur auf einen einzigen Verein ab. Das sei undemokratisch.

Auch der Regierungsrat war gegen eine höhere Besteuerung. Die Fifa sei wichtig für den Standort Zürich, sagte Finanzdirektor Ernst Stocker (SVP). Jeder andere Standort würde die Fifa mit Handkuss nehmen. «Manchmal haben wir Zürcher etwas Mühe mit dem Fussball, mal mit dem Stadion, dann wieder mit der Fifa.»

sda/pu

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt