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«Ein Einzelfehler darf nicht zu einem Unfall führen»

Nach dem Unfall der MS Albis bei Küsnacht spricht Untersuchungsleiter Christoph Kupper über seine Arbeit.

Die MS Albis prallte in den Anlegesteg von Küsnacht (20. April 2016).
Die MS Albis prallte in den Anlegesteg von Küsnacht (20. April 2016).
Reto Oeschger
Als es zum Unfall kam, waren 60 Passagiere an Bord.
Als es zum Unfall kam, waren 60 Passagiere an Bord.
Reto Oeschger
Der Kapitän habe offensichtlich nicht bremsen können.
Der Kapitän habe offensichtlich nicht bremsen können.
Reto Oeschger
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Herr Kupper, haben Sie nach dem gestrigen Unfall auf dem Zürichsee, als die MS Albis in einen Anlegesteg prallte, schon erste Anzeichen für eine Ursache?

Im Moment ist noch alles möglich.

Erwarten Sie diesbezüglich vom Kapitän wichtige Hinweise?

Ja, aber mit dem Schiffsführer konnten wir bisher noch nicht reden.

Generell gesehen, gilt der Mensch als häufige Fehlerquelle bei Unfällen im Schienenverkehr und in der Luftfahrt.

Der Mensch macht Fehler. Die Mehrzahl der von uns untersuchten Unfälle ist auf menschliches Versagen zurückzuführen. Ein technischer Defekt ist selten allein die Ursache. Das ist statistisch erwiesen. Doch das System des öffentlichen Verkehrs muss mit solchen Fehlern umgehen können, ohne dass es zu einem Unfall kommt. Ein Einzelfehler darf nicht zu einem Unfall führen. Unser Fokus ist, in einer Kette alle Fehler zu identifizieren, um das ganze System sicherer zu machen. Mitarbeiter sollen Fehler machen dürfen, ohne dass diese gravierende Auswirkungen haben.

Gestern waren Sie am Ort des Unfalls. Was haben Sie gemacht?

Wir haben Daten und Informationen gesammelt sowie viele Fakten bereits vor Ort angeschaut. Das ist wichtig, damit wir nichts ausser Acht lassen.

Wie gehen die Untersuchungen nun weiter?

Wir werden detaillierte technische Untersuchungen einleiten, so viel steht schon fest.

Also fokussieren Sie sich bei den Ermittlungen auf den Bereich der technischen Mängel.

Nein, aber wir brauchen die technischen Daten möglichst schnell. Denn irgendwann werden diese Daten nicht mehr reproduzierbar sein.

Was machen Sie nun bei der Schweizerischen Sicherheitsuntersuchungsstelle im Fall MS Albis?

Wir treffen technische Abklärungen, befragen Beteiligte und Zeugen und analysieren die Fakten. Anschliessend erstellen wir einen Bericht mit Sicherheitsempfehlungen, geben allen Beteiligten und Betroffenen die Möglichkeit für eine Stellungnahme und veröffentlichen ihn anschliessend.

Wann wird das sein?

Man muss mit einem Jahr rechnen.

Ein Jahr ist sehr lang, bis allfällige Fehler behoben werden können.

Wir haben Kontakt zur Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft (ZSG). Sie ist eingebunden und informiert über unsere Untersuchungen. Wenn tatsächlich ein technischer Fehler vorläge, würden wir die ZSG früher informieren oder schon vorher Zwischenberichte herausgeben. Denn sie hat drei baugleiche Schiffe und müsste dann bei den anderen Schiffen näher nachforschen.

Die Mediensprecherin der Polizei zum Unglück. Video: Lea Koch und Stefanie Hasler

Neben Ihnen von der Sust ermitteln die Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft selbst sowie die Kantonspolizei respektive Staatsanwaltschaft. Kommen Sie sich bei den ganzen Untersuchungen in die Quere?

Jeder hat bei den Untersuchungen einen anderen Fokus. Die Zürichsee-Schifffahrtsgesellschaft ist nah am Puls und muss den Betrieb aufrechterhalten. Ein sicheres und profitables Geschäft steht dort im Vordergrund. Staatsanwaltschaft und Polizei kümmern sich um die Schuldfrage. Und wir kommen von aussen und erheben aus neutraler Perspektive die Fakten. Wir fokussieren uns auf die Sicherheit und versuchen, ähnliche Unfälle künftig zu verhindern.

Tauschen Sie Informationen untereinander aus?

Ja, es gibt eine Verordnung, die das regelt. Gestern haben wir die erhobenen forensischen Daten und Fakten ausgetauscht. Wir erhalten die von der Polizei erstellte Fotodokumentation. Befragungen führen wir jedoch unabhängig durch.

Was erhoffen Sie sich davon?

Möglicherweise sagen uns die Beteiligten, warum sie in einer speziellen Situation wie reagiert haben. Das würden sie der Polizei vielleicht nicht sagen, weil sich die Personen dadurch selbst belasten könnten. Wenn die Personen darauf bestehen, dass nur wir die gemachten Aussagen verwenden dürfen, können wir einen Persönlichkeitsschutz gewährleisten.

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