So stahlen Trickdiebinnen fünf Luxusuhren

Wer eine Luxuskarosse fährt, trägt wahrscheinlich auch eine teure Uhr. Die Annahme von Trickbetrügern traf zu.

Den Trickdieben gelang es, an Uhren der Marke Patek Philippe zu kommen. Die Modelle auf dem Bild wären allerdings noch viel mehr Wert gewesen, sie stammen von einer Auktion in Genf.

Den Trickdieben gelang es, an Uhren der Marke Patek Philippe zu kommen. Die Modelle auf dem Bild wären allerdings noch viel mehr Wert gewesen, sie stammen von einer Auktion in Genf.

(Bild: Keystone)

Thomas Hasler@thas_on_air

Eigentlich hätte ein ganzes Quartett vor das Gericht gehört. Übrig blieb eine 27-jährige Frau, die vor elf Monaten im Kanton Tessin hatte auf frischer Tat ertappt werden können. Ihrem Ehemann, ihrer Cousine und deren Ehemann gelang es, rechtzeitig zu verschwinden.

Das Vorgehen der Bande war immer dasselbe. Einer der Ehemänner fuhr mit den zwei Frauen durch die Gegend. Sie hielten Ausschau nach Fahrzeugen der Luxusklasse und folgten diesen. Wenn der Fahrer ausstieg, traten die beiden Frauen in Aktion.

Umarmt und geküsst

Sie begaben sich zum Fahrer und verwickelten diesen in ein Gespräch. Entweder fragten sie nach der Uhrzeit, was ihnen bereits einen Blick auf das Objekt ihrer Begierde ermöglichte. Sie fragten nach einer Strasse, oder sie erzählten von einer Freundin, die Arbeit sucht.

Quasi als Dank umarmte eine der Frauen das Opfer, schüttelte ihm unentwegt die Hand, oder küsste es. In einem besonders krassen Fall, bei dem einer der Bedrängten wieder in sein Auto gestiegen war, setzte sich die Frau auf seinen Schoss und nahm ihm dabei die Armbanduhr ab.

Fünf Uhren für 183'000 Franken

Der gewerbs- und bandenmässig begangene Diebstahl lohnte sich. In fünf Fällen, drei in Zürich und zwei in Luzern, erbeuteten die Frauen fünf Uhren im Gesamtwert von 183'000 Franken, darunter zwei Patek Philippe: eine Perpetual Calendar im Wert von 65'000 Franken und eine mit dem sinnigen Namen Grand Complication für 64'000 Franken.

Die 27-jährige, Angehörige der Volksgruppe der Sinti und Roma, Mutter von vier Kindern im Alter von vier bis dreizehn Jahren, war vor Gericht alles andere als gesprächig. Während sie in der Strafuntersuchung noch erzählt hatte, wie der Diebstahl «geübt» wurde, dass die Männer die Uhren verkauften und die Beute geteilt werden sollte, wollte sie davon vor Gericht nichts mehr wissen.

Abgekürztes Verfahren verweigert

Die Verhandlung gegen die Frau, die sich seit bald einem Jahr in Untersuchungshaft und vorzeitigem Strafvollzug befindet, sollte ursprünglich in Form des abgekürzten Verfahrens stattfinden. Aber die von der Staatsanwaltschaft vorgeschlagene Freiheitsstrafe von 24 Monaten, ein «günstiges Angebot», akzeptierte das Gericht nicht, sodass gar keine Verhandlung durchgeführt wurde.

Im ordentlichen Verfahren beantragte die Staatsanwaltschaft nun 30 Monate, von denen die junge Mutter zwölf Monate unbedingt absitzen sollte. Das Bezirksgericht senkte die Strafe auf 27 Monate, bestätigte aber den unbedingten Strafanteil von zwölf Monaten.

Der Frau, die in Spanien drei Vorstrafen wegen Diebstahls aufweist, aber offenbar erst in der Schweiz erstmals im Gefängnis sitzt, wurden die restlichen fünfzehn Monate mit der laut Gesetz längstmöglichen Frist von fünf Jahren zur Bewährung ausgesetzt. Mindestens solange muss halten, was sie dem Gericht sagte: «Ich werde nicht mehr stehlen.»

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