An’Nur-Präsident und Imam bleiben im Gefängnis

Nach der Razzia in Winterthur ordnet das Gericht Untersuchungshaft für die beiden Topfunktionäre der Moschee an. Zwei weitere Beschuldigte sind wieder auf freiem Fuss.

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Thomas Knellwolf@KneWolf

Die beiden An'Nur-Spitzenleute werden von der Staatsanwaltschaft nach ersten Ermittlungen als Verantwortliche für eine mutmassliche Hasspredigt vor zwei Wochen eingestuft: Es sind dies ein Familienvater aus Winterthur, der im Sommer das Präsidentenamt des An’Nur-Vereins übernommen hat, und der neue Vorbeter der geschlossenen Moschee aus Äthiopien. Auch das Zwangsmassnahmengericht sieht einen Tatverdacht wegen öffentlicher Aufforderung zu Verbrechen oder Gewalt gegeben. Es hat auf Antrag der Staatsanwaltschaft am Freitag Untersuchungshaft gegen die beiden Hauptverdächtigen für einen mutmasslichen Mordaufruf an abtrünnige Glaubensgenossen angeordnet.

Im Zusammenhang mit der Verhaftung des Imams kamen zudem Zweifel an seinem Aufenthaltsstatus auf. Der Äthiopier hat in Winterthur Anfang Oktober seine Antrittsrede gehalten, und hält sich demnach erst seit Kurzem vor Ort auf. Es gab Vermutungen, der Mann sei illegal in die Schweiz eingereist. Corinne Bouvard, Medienverantwortliche der Oberstaatsanwaltschaft, dementiert: «Der Mann hat sich legal in der Schweiz aufgehalten.» Untersucht wird indes derzeit, ob der Imam gegen das Arbeitsgesetz verstossen hat. Das Amt für Wirtschaft und Arbeit hat dieses Jahr gemäss NZZ noch keinem ausländischen Imam eine Arbeitsbewilligung erteilt. Bouvard: «Es ist Gegenstand der Ermittlungen, zu prüfen, ob der Imam als Gastredner in der An’Nur-Moschee tätig war oder in einem festen Arbeitsverhältnis stand.»

Ex-Präsident entlastet

Zwei weitere Beschuldigten hat die Staatsanwaltschaft freigelassen, darunter den Anfang Jahr zurückgetretene Präsidenten des Islamvereins. In einer Medienmitteilung entlasten die Ermittler Atef Sahnoun, der die umstrittene Moschee bis vergangene Woche öffentlich verteidigt hatte. Sie schreiben, es habe sich bestätigt, «dass er nicht mehr zu Entscheidungsträgern der Moschee gehört». Sahnoun ist bereits am Mittwoch, dem Tag der Verhaftung, wieder freigekommen. Am Donnerstag hat ein weiteres An-Nur-Mitglied das Gefängnis verlassen dürfen, weil sich beim ihm gemäss Staatsanwaltschaft «kein direkter Zusammenhang mit der Predigt vom 21. Oktober 2016 erstellen liess». «Die Ermittlungen werden fortgesetzt», heisst es aber im Communiqué, «alle vier Verfahren sind noch hängig.» Es gilt die Unschuldsvermutung.

Drei Illegale, ein Tourist

Abgeschlossen, aber noch nicht rechtskräftig sind Verfahren gegen vier Ausländer, die am Mittwoch früh bei der Razzia in der Moschee aufgegriffen wurden. Sie hatten dort übernachtet. Nur einer aus dem Quartett, das mehrheitlich aus Nordafrika stammt, hielt sich rechtmässig in der Schweiz auf – als Tourist mit gültigen Dokumenten. Er kam nach wenigen Stunden wieder auf freien Fuss. Die drei weiteren Festgenommen hielten sich illegal in der Schweiz auf. Sie erhielten Strafbefehle wegen rechtswidrigen Aufenthalts sowie teilweise rechtswidriger Einreise. Dagegen können sie sich juristisch wehren.

baz.ch/Newsnet

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