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Zwischen den Wolken und doch am Boden

flugpersonal Bei der Horizon Swiss Flight Academy lernen Pilotenschüler seit über 30 Jahren fliegen – nebenan büffeln angehende Flight-Attendants für ihren Auftritt.

Instruktor und Co-Pilot Nicolas Bachmann zeigt den Kabinentrainer. Neben der Horizon-Pilotenschule lernt künftiges Helvetic-Airways-Kabinenpersonal, wie man mit Passagieren umgeht. Künstlicher Horizont, Kompass und Hunderte Knöpfe: Das Cockpit im Simulator. Privatpilot Rodolfo Schibli frischt seine Flugkentnisse bei simuliertem Unwetter auf.Bilder: CLA von clarissa rohrbach Dichte Wolken verschleiern die Sicht aus dem Cockpit. Der Pilot muss sich alleine auf die Instrumente verlassen können. Er fliegt auf 7000 Fuss Höhe. «Heading 090, Pitch zwei Grad runter.» Sachte drückt der Mann den Joystick mit der linken Hand etwas nach unten. Das Flugzeug steuert die 90 Grad nach Osten, die Nase zeigt leicht abwärts. Plötzlich ertönt ein Alarm: «Ich muss auf 100 Knoten runter!» Er zieht die beiden Motorenhebel mit der rechten Hand zu sich. «Power ist jetzt auf 70 Prozent.» Auf seiner Stirn glänzt der Schweiss. Vor seinen Augen leuchtet der künstliche Horizont. «Im Simulator zu fliegen, ist viel anspruchsvoller, weil er so sensibel reagiert», sagt Privatpilot Rodolfo Schibli, der sein Können bei der Horizon Swiss Flight Academy in Kloten auffrischt. In der Kabine hinter dem Cockpit sitzt Instruktor Martin Baumann, der mit dem Computer das schlechte Wetter auf dem Panoramabildschirm einstellt. Er kontrolliert die abgesprochene Flugroute und simuliert Notfallsituationen für seinen Schüler. Doch um es in den Flugsimulator zu schaffen, müssen die künftigen Piloten zuerst Hunderte von Theoriestunden besuchen. Ein paar Stockwerke weiter oben finden die Kurse statt. Zu den Fächern der 1979 gegründeten Pilotenschule gehören Meteorologie, Navigation und menschliches Leistungsvermögen. Die rund 120 Schüler lernen Gewitterzellen zu erkennen, sphärische Trigonometrie und Herzfunktionen. Heute erklärt Senior Cabin Attendant Astrid Hüsser dem Kabinenpersonal der Helvetic Airways die Schweizer Geografie. Die Schwesterfirma der Flight Academy hat ihren Sitz im gleichen Gebäude und stellt viele der ausgebildeten Piloten ein. «Wenn ihr von Westen anfliegt, müsst ihr auf Gösgen achten, von Osten hingegen auf den Bodensee, dann seid ihr fürs Holding bereit», sagt die 44-Jährige. Holding steht für die Warteschleife vor dem Landen. Als Nächstes kommen Zeitzonen dran. «Ihr müsst den Gästen trotz Zeitverschiebung sagen können, wie spät es ist. Aber passt auf, in Tunesien ist es gleich spät, aber da gibt es keine Sommerzeit.» Die Klasse ist verwirrt, die Schüler tuscheln. Neben dem Schulungsraum Da Vinci, benannt nach dem Erfinder des Helikopters, hängen gelbe Leuchtwesten, mit denen man auf dem Vorfeld des Flugplatzes gesehen werden kann. Auf dem Pausentisch liegt die Zeitschrift «Sky News». An den Türen stehen Hinweise auf Englisch. Auch alle Checklisten und Bücher für die Piloten sind in der offiziellen Flugsprache geschrieben. Deswegen müssen die Schüler vor der Zulassung einen Sprachtest absolvieren. Traumberuf Pilot? 25 Linienpiloten bildet Horizon jährlich aus, seit der Gründung sind es 4000. «Im Moment gibt es aber in der Schweiz zu wenig Piloten», sagt Nicolas Bachmann. Wie die meisten Instruktoren fliegt er regelmässig auf Linienflügen. Dass die Attraktivität des Traumberufs nachgelassen hat, könnte auch mit den Kosten der nicht subventionierten Ausbildung zu tun haben. Um Linienpilot zu werden, investieren Schüler über 100 000 Franken. «Viele studieren berufsbegleitend, um sich finanzieren zu können.» Die meisten haben die Matura oder eine Berufslehre abgeschlossen. So auch Marco Schmid, der in einem Schulungsraum an seinem Projekt arbeitet. Der 21-Jährige will den Weltrekord brechen und in 80 Tagen alleine um die Welt fliegen. Mit der Aktion möchte er Geld für Unicef sammeln. «Für mich ist ein Traum wahr geworden, das will ich anderen auch gönnen.» Als Kind radelte er immer zum Flughafen, um die Maschinen zu beobachten. Mit 17 Jahren machte er die Privatpilotenlizenz. Seine Zukunft sieht er in der Flugbranche. Mittlerweile hat Privatpilot Schibli im Simulator das Unwetter überstanden. Zwischen den Wolken erscheinen die Linien der Flugpiste. «Flaps down, gear down.» Mit zwei Handgriffen fährt er die Klappen und das Fahrwerk aus. «Final check completed, cleared to land.»n

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