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zwei minuten am bürkliplatz

thom luz thom.luz@zueritipp.ch Bürkliplatz, Carla erzählt: Die Buslinie 161 vom Paradiessteig zum Bürkliplatz und zurück, oh my god, ich fahre diese Strecke jetzt zum sechstausendsten Mal, ich kenne jeden Meter, ich kenne jede Kurve, ich kenne jeden Chauffeur. Ich kenne die Einsatzpläne jedes Chauffeurs, ich kenne die Synchronisation der Rotlichter bei der Rentenanstalt, ich kann dir mit geschlossenen Augen sagen, wo wir uns gerade befinden, anhand der Vibrationen. Die drei Bodenwellen bei der Sukkulentensammlung, die Beschleunigung nach den drei Bodenwellen bis zur BP Tankstelle, die sanfte Linkskurve vor der Roten Fabrik. Und wie die Stadt dann GENAU an der Stadtgrenze aufhört. Keinen Meter früher oder später, bis zur Haltestelle Stadtgrenze ist man noch in Zürich, danach beginnen SOFORT die Suburbs, kein sanfter Übergang vom urbanen zum agglomerativen Feeling, sondern ein abrupter Wechsel. «The Suburbs». Ich sage dir, Arcade Fire haben dieses Album FÜR MICH gemacht. Für mich und für alle, die jemals im 161er nach Kilchberg gefahren sind. Musst du mal lesen, im Buch «Until I Find You» von John Irving wird GENAU DIESE Busfahrt beschrieben, im letzen Kapitel, weil der Vater der Hauptfigur in Kilchberg in der Psychiatrie ist. Ein Schauplatz der Weltliteratur, sozusagen, und ich fahr da zweimal pro Tag dran vorbei. Und Thomas Mann hat auch beim Paradiessteig gewohnt, nochmals Weltliteratur. Und immer sind mindestens drei amerikanische Austauschstudentinnen im Bus, unterwegs zur International School. Einmal hat der Chauffeur sich verfahren, und wir sind irgendwo in Thalwil gelandet. Die Passagiere mussten dem armen Mann erklären, wie er zurück nach Zürich kommt. Seit wann wohnst du nicht mehr in Kilchberg? Ah, da kommt er. Bye.

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