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Zwei, die sich aufs Wagnis Hausarzt einlassen

Das Ärztepaar Daniel und Goli Modarres Matter hat die Schlossbergpraxis in Kilchberg übernommen. Es konnte aus Dutzenden von Angeboten auswählen.

Von Ev Manz Kilchberg – Sie sind für Kilchberg ein Glücksfall: Die Hausärzte Daniel und Goli Modarres Matter führen seit kurzem die Allgemeinpraxis an der Schlossbergstrasse. Damit leisten sie einen Beitrag dazu, dass im oberen Dorfteil von Kilchberg mittelfristig eine Hausarztpraxis erhalten bleibt. Momentan teilen sich zwar noch vier weitere Hausärzte die Grundversorgung in der 7400 Einwohner zählenden Gemeinde. Doch kommen diese in den nächsten Jahren grösstenteils ins Pensionsalter. Die Praxisübernahme freut auch Simon Otth. Der Horgner Allgemeinpraktiker ist Präsident von ZimDoc, dem Ärztenetzwerk am Zimmerberg mit über 100 Ärzten und über 7000 Versicherten. «Mit jedem Jahr wird es prekärer, junge Hausärzte für die Praxen in unserer Region zu finden», sagt Otth. Nur gerade 5 bis 10 Prozent der Medizinstudenten wollen heute Hausarzt werden. Deshalb müssten sich Allgemeinpraktiker heute bereits fünf bis zehn Jahre vor der Pensionierung Gedanken über die Zukunft ihrer Praxen machen. Das wusste auch Peter Matter, der sich nach 30 Jahren Tätigkeit auf dieses Frühjahr hin aus der Praxis an der Schlossbergstrasse zurückziehen wollte. «Ohne Hilfe eines professionellen Büros hätte ich sowieso keine Chancen gehabt», sagt er. Doch dann beschlossen sein Sohn und dessen Frau, in die Lücke zu springen. Er ist Allgemeinpraktiker und in Kilchberg aufgewachsen – sie ist Fachärztin für Innere Medizin mit Wurzeln in Oberrieden und im Iran.Der Entscheid fiel vor einem Jahr, obwohl Peter Matter seinen Sohn davor gewarnt hatte, eine Einzelpraxis zu führen. «Die Politik bietet dafür momentan zu wenig Unterstützung», sagt Peter Matter. Tatsächlich prüften die beiden jungen Ärzte Alternativen, unter anderem die Tätigkeit in einer Gemeinschaftspraxis in einer Landgemeinde. Dazu kamen unzählige Telefonanrufe von bald pensionierten Hausärzten aus der Region, die sie als Nachfolger ihrer Praxis gewinnen wollten. «Für Kilchberg sprach dann letztlich das vorstädtische Umfeld», sagt Goli Modarres Matter. Zudem kannte ihr Mann den Praxisalltag in Kilchberg, hatte er doch seinen Vater bereits zweimal für zwei Monate vertreten. Vereinbar mit Familie Für Daniel Matter war schon zu Beginn des Studiums klar, dass er Hausarzt werden wollte, doch er war unter Studienkollegen allein auf weiter Flur. Ihn interessierte jede Fachrichtung, nur die Allgemeinmedizin bot ihm diese Breite. Zudem wollte er eine Bindung zu Patienten aufbauen können. «Und zuletzt ist die Arbeit in einer Praxis besser vereinbar mit einer Familie als in einer operierenden Funktion», sagt der zweifache Vater, «trotz aller Heimbesuche und Notfalldienste.» Goli Modarres Matter sah für sich anfänglich keine Tätigkeit in einer Hausarztpraxis. Zu oft hatte sie während des Studiums und der Arbeit am Spital erlebt, wie negativ das Bild der Hausärzte in Medizinerkreisen ist. Auch finanziell sind die Grundversorger noch immer deutlich schlechter gestellt als die Spezialisten. Dennoch überwogen für Goli Modarres Matter am Schluss die Vorteile, in der gemeinsamen Praxis mit ihrem Mann zu arbeiten. ZimDoc als Unterstützung Für die Praxisübernahme haben die beiden Geld in die Hand genommen, den Räumlichkeiten einen frischeren Anstrich gegeben, neue Untersuchungsstühle und Apparate für Ultraschall-Diagnostik und Herzbelastungstests angeschafft und das ganze System computerisiert. Peter Matter hat das alles beobachtet und sagt: «Im Vergleich zu meiner Anfangszeit ist es heute viel schwieriger, einen Bankkredit zu bekommen.» Einen Businessplan hätte es damals nicht gebraucht. Doch die ersten Erfahrungen des jungen Ärztepaars zeigen, dass sich der Entscheid gelohnt hat. Die Patienten schätzen die tägliche Präsenz, die Abendsprechstunde am Mittwoch bis 20 Uhr und das zusätzliche Angebot. Mit der Mitgliedschaft bei ZimDoc sind die beiden zudem im Hausarztmodell der Krankenkassen anerkannt. «Der Anschluss an dieses Netzwerk bietet gerade jungen Ärzten Hilfe beim Einstieg in den Praxisalltag», sagt ZimDoc-Präsident Otth. Es heisse zwar noch immer, der Hausarzt müsse alles allein bewältigen, was dann viele vom Beruf abschrecke. Aber das Netzwerk biete Unterstützung in administrativen Belangen und fördere den fachlichen Austausch. «In diesem Sinne leisten wir einen Beitrag, dass sich vielleicht doch noch der eine oder andere junge Mediziner die Hausarztmedizin zur Profession macht.» Die Matters haben die Praxis nach ihrem Geschmack gestaltet. Foto: Reto Oeschger

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