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Zurück zu den Wurzeln: Rieter bringt die Autosparte separat an die Börse

Der Konzern zerfällt in zwei Teile. Rieter konzentriert sich auf Textilmaschinen. Der margenschwache Autozulieferer wird abgespalten, in Autoneum umbenannt und als eigenes Unternehmen kotiert.

Von Andreas Flütsch Das Gute ins Töpfchen, das Schlechte ins Kröpfchen. Nach diesem Muster will der Verwaltungsrat den Winterthurer Industriekonzern aufteilen: Die börsenkotierte Rieter konzentriert sich künftig auf die Textilmaschinen. Der Autozulieferer wird abgespalten, in Autoneum umbenannt – und soll im Mai als eigenständige Firma an die Börse kommen. Die Aufspaltung braucht an der GV vom 13. April die Zustimmung einer Zweidrittelmehrheit der Aktionäre. Die Mitte der Achtzigerjahre eingeschlagene Dualstrategie ist damit Geschichte. Rieter hatte 1984 den Autozulieferer Unikeller gekauft und über Zukäufe stetig ausgebaut, um einen Ausgleich zum stark zyklischen Kerngeschäft Textilmaschinen zu schaffen. Das zweite Bein lahmte indes schon seit längerem. Doch die Rieter-Führung betonte stets, sie halte daran fest – selbst in der tiefen Krise, die Mitte 2008 losbrach, war das so. Der Grund dafür war wohl, dass Rieter Unruhe unter Mitarbeitern und Aktionären vermeiden wollte. Hinter den Kulissen wurde seit einiger Zeit nach einem Käufer für das margenschwache Autogeschäft gesucht. Vergeblich. Rieter hatte diesen Winter zwar zwei Angebote auf dem Tisch. Die gebotenen Preise waren indes so tief, dass der Verkauf der Autosparte ein Loch in die Bilanz gerissen hätte. Den Aktionären wird nun ein sogenannter Spinoff, eine Abspaltung vorgeschlagen. Aus eins mach zwei: Die Aktionäre erhalten für jede Rieter-Aktie zusätzlich eine Aktie des verselbstständigten Autozulieferers Autoneum – für Schweizer Aktionäre steuerfrei. Läuft alles glatt, sind Autoneum-Titel ab 13. Mai an der Schweizer Börse handelbar. Trennung soll Rieter beflügeln Die Gründe für die Zweiteilung liegen auf der Hand. Ein Blick in Rieters Zahlenwerk zeigt, wo das Problem lag. Das Autozuliefergeschäft machte im Jahr 2010 doppelt so viel Umsatz wie die Textilmaschinen, lieferte aber nicht einmal halb so viel Betriebsgewinn ab. Punkto Marge auf Stufe Betriebsgewinn ist das Gefälle noch augenfälliger: Die Ebit-Marge der Textilmaschinen lag bei 9,2 Prozent, jene im Autogeschäft bei 1,8 Prozent (siehe Zahlenboxen). Unternehmen, deren Ertragskraft je nach Geschäftsbereich so stark variieren, sind bei Anlegern nicht beliebt, was den Börsenwert nicht gerade beflügelt. In der letzten Krise, als das Autogeschäft tief in die roten Zahlen abrutschte und Restrukturierungskosten von geschätzten 180 bis 200 Millionen Franken anfielen, wurde unübersehbar: Das zweite Standbein mit Hitzeschilden und Lärmdämmungen für grosse Autofirmen hatte die ausgleichende Wirkung verloren – und damit die Daseinsberechtigung unter dem Dach von Rieter. Zudem war seit langem klar – auch wenn die Führung es herunterspielte –, dass es zwischen den beiden Geschäftsbereichen keine Synergien gab. Als dann die Grossaktionäre Peter Spuhler und Michael Pieper – die 19,1 beziehungsweise 11,5 Prozent an Rieter halten – im Frühling 2009 in den Verwaltungsrat einzogen, strichen die beiden Unternehmer nach wenigen Monaten den Job des Konzernleiters. Seither koordinierte Rieter-Präsident Erwin Stoller die beiden Geschäfte im Nebenamt. «Die Aufspaltung stärkt die Fokussierung von Rieter und Autoneum», sagt Stoller, «sie wird auch Kräfte freisetzen» – und eine Beschleunigung ermöglichen. Das Autogeschäft sei in den letzten zwei Jahren intensiv restrukturiert und die Gewinnschwelle so weit abgesenkt worden, dass es künftig auch schwere Krisen als eigenständiges Unternehmen durchstehen könne. Die Zweiteilung des Konzerns habe keinen Personalabbau zur Folge, betonte Stoller. Autoneum erhält jungen Chef Autoneum soll von Harvard-Absolvent Martin Hirzel (41) geführt werden, der 1997 bei Rieter als Controller anfing und über Stationen in China und Südeuropa aufstieg. Sein Vize wird Rieter-Finanzchef Urs Leinhäuser, der als Finanzchef zu Autoneum geht. Rieter wird weiterhin von Stoller als «exekutivem Präsidenten geführt – Peter Gnägi leitet unter ihm den Textilmaschinenbau, Werner Strasser das Komponentengeschäft. Rieter ist nach der Trennung schuldenfrei. Obligationen über 250 Millionen Franken will Rieter als Währung für Zukäufe behalten, Gespräche dazu mit den Obligationären gibt es im Mai. Autoneum erhält von UBS, CS und ZKB eine Kreditlinie über 285 Millionen Franken sowie 25 Millionen als Aktionärsdarlehen von Pieper und Spuhler. Autoneums Nettoverschuldung dürfte laut Leinhäuser bei 150 bis 200 Millionen Franken liegen. «Die Aufspaltung stärkt die Fokussierung von Rieter und Autoneum, und sie wird auch Kräfte freisetzen.» Erwin Stoller, Präsident Rieter Rieters Autozuliefergeschäft muss sich nach der Trennung als eigenständiges Unternehmen Autoneum behaupten.Foto: PD

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