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Zuerst hat man Werke geschlossen, nun gibt es endlos lange Lieferfristen

Unternehmen der Beleuchtungsbranche warten derzeit bis zu einem Jahr auf Komponenten aus Fernost.

Von Romeo Regenass Ob Energiesparlampe, Designerleuchte fürs Wohnzimmer oder Beleuchtungskonzept für Läden, Büros und Schulen: Ohne elektronisches Vorschaltgerät, das den Strom begrenzt, läuft bei Leuchtstofflampen nichts. Manchmal ist es integriert, wie bei den Energiesparlampen, meist ist es aber ein separates Bauelement der Leuchte. Diese Vorschaltgeräte sind derzeit gesucht wie selten. «Für ein bestimmtes Produkt wurde uns eine Lieferfrist von 52 Wochen angeboten», weiss Roland Dähler, Produktions- und Einkaufschef bei Licht + Raum in Ittigen BE. Zum Glück habe man das Teil dann bei einem anderen Hersteller beziehen können. Wer noch hat, hortet Geräte Doch nicht immer kommen Beleuchtungsspezialisten so glimpflich davon. «Wir haben auch schon Aufträge verloren, weil ein Mitbewerber Vorschaltgeräte an Lager hatte, die wir nicht beschaffen konnten», sagt Hans Langenegger, Geschäftsleitungsmitglied und Einkäufer bei Prolux in Schlieren. Eine Zeit lang hat der Beleuchtungsspezialist, der für Auftraggeber wie Swiss Re, UBS, Credit Suisse oder die Migros arbeitet, die gesuchten Geräte noch bei Mitbewerbern einkaufen können. «Doch unterdessen haben auch die realisiert, dass Vorschaltgeräte Mangelware sind, und horten ihre Ware», sagt Langenegger. Lang seien die Lieferfristen besonders bei speziellen Geräten, die zum Beispiel dimmbar sind. «Als kleine Firma aus der Schweiz müssen wir nur schon der Menge wegen hinten anstehen.» Die Firma Regent Beleuchtungskörper in Basel hat als Schweizer Marktführer weniger Probleme. Dank grossem Lager und relativ grosser Einkaufsmacht habe die Kundschaft von der Verknappung kaum etwas gespürt. «Für einmal ist Grösse bezüglich der Wettbewerbsfähigkeit ein Vorteil», erklärt Einkäufer Thierry Mangold. Kapazitätsaufbau braucht Zeit Was steckt hinter den langen Lieferfristen? Im Sog der Finanzkrise sank der Bedarf an elektronischen Komponenten so stark, dass in Asien ganze Fabriken geschlossen und Tausende von Arbeitskräften entlassen wurden. Die Kapazitäten wurden der veränderten Nachfrage angepasst, die Lager geleert. Jetzt, ein gutes Jahr später, werden die Zulieferer von Bestellungen überrannt, auch aus der Unterhaltungs- und Kommunikations-Elektronikindustrie. Doch sie können nicht liefern, weil ihnen sowohl das Personal als auch die Produktionskapazitäten fehlen. Und der Aufbau braucht Zeit. Hinzu kommt, dass es für bestimmte elektronische Komponenten seltene Erden braucht, die heute fast ausschliesslich in chinesischer Hand sind. China hat den Export dieser Rohstoffe, die auch im Bau von Elektroautos nötig sind, unlängst begrenzt. Hier zeichnet sich ein zweiter Engpass ab. Das ärgert als Erste die Hersteller von Vorschaltgeräten, darunter Grosskonzerne wie Philips und Osram. Letzterer hat seine Geschäftspartner schon mal über «langfristige Lieferengpässe bei elektronischen Komponenten» informiert: «Wir bitten Sie um frühzeitige Information über Ihren Bedarf.» Philips bemüht sich, «die Lieferfristen so kurz wie möglich zu halten». Oft fehle allerdings nur ein kleines Bauteil, sagt Sprecherin Suzy Chisholm, dieses verzögere dann die gesamte Produktion. Extreme Erfahrungen macht derzeit auch das deutsche Beleuchtungselektronikunternehmen BAG Electronics: «Einige Komponenten-Zulieferer haben die Lieferfrist von 20 auf bis zu 70 Wochen erhöht, was sich natürlich auf die Verfügbarkeit unserer Produkte auswirkt», sagt Einkaufschef Wilfried Blome-Schäkel. Insgesamt arbeite man mit 100 verschiedenen Zulieferern, wirkliche Probleme gebe es dabei nur mit etwa fünf. BAG Electronics scheut in der aktuellen Lage auch nicht davor zurück, Lieferanten auszuwechseln: «Die konstante Lieferfähigkeit ist für uns ein wichtiges Kriterium bei der Wahl der Lieferanten. Wer uns heute Schwierigkeiten macht, den schauen wir uns bei unserer langfristigen Planung ganz genau an. Lieferengpässe sind immer Anlass für die Suche nach neuen Beschaffungsquellen.» Preise für Lampen steigen Vorerst heizt die Angebotsverknappung die Preise an. Osram will die Aufschläge bei den Vorschaltgeräten durch Währungsvorteile auffangen, verlangt für bestimmte Leuchtstofflampen ab Oktober jedoch über 20 Prozent mehr. Die zur Vorarlberger Zumtobel Group gehörende Tridonic Atco in Ennenda GL hat die Preise bereits Anfang Juli um 6 Prozent erhöht. Und Philips spricht von einer «ganz normalen Preiskorrektur». Grund für die Anhebungen sind auch teurere Rohstoffe wie Kupfer, Stahl und Kunststoff. Ausbaden müssen das die Abnehmer am Ende der Wertschöpfungskette: die Beleuchtungsspezialisten, die sich in der typischen Sandwichposition befinden. Sie haben oben einen Auftraggeber, der die Preise drückt, und unten einen Zulieferer, der die höheren Einkaufspreise weitergibt. «Um Rabatte brauchen Sie gar nicht erst zu feilschen», sagt Prolux-Einkäufer Hans Langenegger. Hinzu kommt der erhöhte Aufwand: Es braucht 20 Telefonate, um die benötigte Ware zu finden – auch wenn für einen Auftrag vielleicht nur 17 Vorschaltgeräte fehlen. Engpässe bestehen laut dem Luzerner Leuchtenhersteller Baltensweiler nicht nur bei Vorschaltgeräten, sondern auch bei LED-Komponenten aus Fernost. «LED werden heute auch zur Hinterleuchtung von Flachbildschirmen sowie im Auto- und Strassenbau eingesetzt», erklärt Chefeinkäufer Heinz Huber. Ernst der Lage spät erkannt Für Blome-Schäkel von BAG Electronics haben die Leuchtenhersteller den Ernst der Lage sehr spät erkannt. «Lange Zeit hatten wir einen Käufermarkt. Jetzt hat sich die Situation gewendet. Das ist aber nicht so ungewöhnlich, denn solche Zyklen erleben wir immer wieder.» Wer nun glaubt, lange Lieferfristen gebe es nur in Fernost, der täuscht sich. Der Leuchtenhersteller Baltensweiler muss derzeit auch auf Alurohre aus Schweizer Produktion zehn Wochen warten. Der Hersteller arbeitet im Dreischichtbetrieb und hat dennoch zu wenig Ware. Vor gut 18 Monaten hatte er Kurzarbeit eingeführt. Doch das reichte nicht. Vor einem Jahr kündigte er an, an die 70 Mitarbeitende entlassen. Weil in China die Produktion gedrosselt wurde, werden bei uns die Lampen knapp . Foto: T. Waugh (regent)

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