Zum Hauptinhalt springen

«zürich ist zu sch?n zum filmen»

Nach «Fight Club»und «Zodiac» verfilmt Fincher nun den ersten Band der «Millennium»-Trilogie. Auf die Zürich-Episode mochte er nicht verzichten, wichtiger ist ihm aber die Beziehung zwischen der 22-jährigen Hackerin und dem 45-jährigen Journalisten. mit david fincher sprach andreas scheiner

Mr Fincher, wie sind Sie auf «The Girl with the Dragon Tattoo» gekommen? Vor sechs Jahren sagte mir eine Produzentin: «Lies das! Es geht um eine lesbische Hackerin in Stockholm, die Nazis bekämpft.» Ich dachte: «Verflucht, wie soll ich so was einem Studio verklickern?» Fünf Jahre später hatte sich das Buch 25 Millionen Mal verkauft. Sie haben schon Chuck Palahniuks «Fight Club» und Robert Graysmiths «Zodiac» verfilmt. Was macht eine gute Literaturverfilmung aus? Grundsätzlich sollen Filme beim Publikum Gefühle auslösen, aber im Falle einer Buchadaptation möchte ich auch die intellektuellen Absichten des Autors zum Ausdruck bringen. Hat das die schwedische Verfilmung nicht getan? Sie gibt nicht das wieder, was ich beim Lesen gespürt habe: Mir erscheint Lisbeth Salander eher wie ein Kind. Mit ihrer stoischen Wut in der schwedischen Version konnte ich mich nicht anfreunden. Und die Figur Blomkvist war mir zu heroisch. Der Typ hat auch etwas Lächerliches. Fiel Ihnen das Kürzen des Buchs schwer? Wir haben versucht, möglichst wenig zu streichen. Auf Lisbeths Abstecher nach Zürich konnte ich zum Beispiel nicht verzichten, auch wenn der nicht sonderlich spannend ist. Zürich gilt als schwierig für Dreharbeiten. Je schöner eine Stadt ist, desto weniger eignet sie sich für Filmarbeiten. Los Angeles ist hässlich, also können Transformers es zerdeppern. Zürich dagegen ist deshalb so schön, weil keine beschissenen Filmcrews die Stadt ruinieren! Weshalb haben Sie den Hauptteil der Geschichte nicht nach Amerika verlegt? Ein 45-Jähriger, der eine Beziehung mit einer 22-jährigen Lesbe eingeht … also in Texas können Sie so etwas nicht erzählen. Glauben Sie, dass diese ungewöhnliche Beziehung den Erfolg des Buches ausmachte? Larsson hat sehr genau erkannt, wie Frauen Männer beeinflussen, und umgekehrt. Im Kern geht es um Geschlechterbeziehungen, wobei durch Blomkvists nuttenhaftes Verhalten die Klischees auf den Kopf gestellt werden. Die Szene der Vergewaltigung von Lisbeth Salander ist fast nicht auszuhalten! Der Schauspieler, der den Vergewaltiger spielt, soll nach dem Dreh so verstört gewesen sein, dass er sich in seinem Hotelzimmer einsperrte. Das scheint mir eine übertriebene Darstellung zu sein. Es war vor allem für Rooney Mara, die Salander darstellt, eine sehr schwierige Szene. Während der zwei Tage, an denen wir diese Szene drehten, befand sie sich in einer sehr unangenehmen Lage. Wir mussten Kameras und Objektive wechseln, während sie nackt und angekettet auf einem Bett lag. Wie viele Takes haben Sie für diese Szene benötigt? Weshalb lachen Sie? Sagen wir einfach: Die Anzahl Takes geht Sie nichts an! Ich frage, weil Sie berühmt dafür sind, bis zu hundert Takes zu brauchen. Mir ist es wichtig, dass die Bewegungsabläufe der Schauspieler im Schlaf sitzen, denn erst dann können sie ihre volle physische Präsenz ausspielen. Für diesen Film haben wir im Schnitt nicht mehr als zwölf Takes gebraucht. Manche Szene haben wir im Schnee gedreht, und da müssen Sie fast notgedrungen den ersten Take nehmen, denn danach ist alles voller Fussabdrücke. Nach welchen Kriterien haben Sie gecastet? Blomkvist musste ein ganzer Kerl sein, der auch eine feminine Seite hat, der zuhören kann. Wir wurden in Daniel Craig fündig. Für Lisbeth Salander wollten wir ein unverbrauchtes Gesicht. Rooney Mara … die in Ihrem Film «The Social Network» eine kleine Rolle hatte ... und da perfekt passte, weil sie verblüffend erwachsen und selbstsicher wirkte, Wärme ausstrahlte, sehr weiblich war, wie ein Wasserfall redete ... Eigentlich das genaue Gegenteil von Lisbeth Salander! Aber ich war sicher, dass Rooney all die Eigenschaften auch ins Gegenteil würde verkehren können. Bis die Studiobosse überzeugt waren, dauerte es allerdings eine Weile.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch