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Zürcher und Basler stärken die Mundart im Kindergarten

In Zürich sagen 54 Prozent Ja zur Mundart-Vorlage. Auch die Basler wollen mehr Dialekt.

Von Daniel Schneebeli In Zürich werden die Kindergärtler künftig wieder «grundsätzlich in Mundart» unterrichtet. So verlangt es eine Volksinitiative, welche die Stimmberechtigten gestern mit 53,9 Prozent Ja-Stimmen deutlich gutgeheissen haben. Alle Landbezirke und die Stadt Winterthur haben das Begehren eines überparteilichen Komitees, hauptsächlich bestehend aus Kindergärtnerinnen und Lehrpersonen, angenommen. Nur die Stimmberechtigten der Stadt Zürich lehnten die Initiative ab. Die Stimmbeteiligung lag bei 34 Prozent. «Kulturpolitisches Votum» Nach dem Abstimmungssieg muss in Zürich das Volksschulgesetz geändert werden. Heute wird in den Kindergärten zu mindestens einem Drittel Hochdeutsch unterrichtet. Diese Regelung wird der Bildungsrat nun aufheben. Die Initianten erwarten, dass er eine neue Lösung vorschlägt, die höchstens noch einzelne hochdeutsche Unterrichtssequenzen im Kindergarten erlaubt. Die Zürcher Bildungsdirektorin Regine Aeppli (SP) bedauerte den Abstimmungsausgang. Sie erachtet den Entscheid aber nicht als schulpolitisches, sondern als kulturpolitisches Votum, das der gegenwärtigen Stimmung im Land entspreche. Das Unbehagen gegen das Bevölkerungswachstum und die Identitätssuche der Einheimischen hätten den Ausschlag gegeben, sagte Aeppli. Zudem hätten die Initianten erfolgreich den Eindruck vermittelt, Mundart sei im Kindergarten verboten oder werde es demnächst sein. Druck auf Harmos-Kantone Mit dem neuen Gesetzesartikel werde den kleinen Kindern das Erlernen der hochdeutschen Sprache erschwert, sagte die Bildungsdirektorin. Sie schloss zudem nicht aus, dass der Zürcher Entscheid Einfluss auf die ganze Deutschschweiz haben könnte. Derzeit erarbeiten die Harmos-Kantone den gemeinsamen «Lehrplan 21». Dort sei man bisher davon ausgegangen, dass Hochdeutsch im Kindergarten Platz haben sollte. SP-Kantonsrätin Karin Maeder vom Nein-Komitee beklagte sich gestern über die Initianten, welche sich im Abstimmungskampf unlauter verhalten und den Anschein erweckt hätten, Mundart werde im Kindergarten verboten. Es sei schwierig gewesen, den Stimmberechtigten die Realität zu vermitteln, sagte Maeder.Für den Verband der Schulleiterinnen und Schulleiter ist es erschreckend, wie auf dem Buckel der Kinder politische Kämpfe um Ideologien ausgetragen werden. Die CVP schreibt von einem «wenig hilfreichen Schritt», die SP von einem «Rückschritt». Die SVP der Stadt Zürich auf der anderen Seite hält den Entscheid für ein Votum gegen «den Ausverkauf der Schweizer Identität». Basler sagen ebenfalls Ja Im Kanton Basel-Stadt wurde gestern eine Volksinitiative «Ja zum Dialekt» mit 55 Prozent Ja-Stimmen angenommen. Sie hätte Dialekt im Kindergarten vorgeschrieben. Doch die Basler haben einem Gegenvorschlag, der «gleichwertige Lernziele» im Kindergarten verlangte, ganz knapp den Vorzug gegeben.

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