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Zu zweit mitten im Neuanfang

Der Küsnachter Eiskunstläufer Tim Leemann ist im Sommer vom Einzel- zum Paarläufer geworden – aus Faszination, aber auch, weil mit Anaïs Morand eine Topläuferin einen neuen Partner suchte.

Von Monica Schneider, Küsnacht Sie wussten voneinander, sie kannten einander (flüchtig), getroffen haben sie sich im Sommer eher zufällig in Chemnitz bei Weltklassetrainer Ingo Steuer. Seit August nun bilden Tim Leemann, der 19-jährige Küsnachter, und Anaïs Morand, die 17-jährige Olympiateilnehmerin aus Vouvry im Kanton Wallis, ein Eislaufpaar. Beide haben ein Jahr der Suche hinter sich, und beide stecken nun mitten in einem Neuanfang. Leemann, der in Zürich das Kunst- und Sportgymnasium Rämibühl besucht und im nächsten Jahr mit der Matur abschliessen will, hat im Winter erkannt, dass er mit seinen 1,83 m Grösse und der für einen Eiskunstläufer kräftigen Statur wohl ein besserer Paar- als Einzelläufer wäre. «Deshalb und weil mich das Paarlaufen schon immer faszinierte, ging ich im Frühling nach Montreal und St. Petersburg, um mich bei den Paaren umzuschauen und auch ein wenig auszuprobieren, wie das wäre», erklärt er. In Chemnitz dann traf er eine junge Russin, mit der eine Zusammenarbeit eventuell vorstellbar gewesen wäre. «Ich habe allerdings nach einiger Zeit gemerkt, dass es menschlich nicht so stimmt», deshalb habe man sich wieder getrennt, sagt er. Ideale Trainingsbedingungen Anaïs Morand sitzt neben ihm, hört ihm zu und schmunzelt. Denn in Deutschland weilte sie zu dieser Zeit, weil auch sie sich umorientierte – gezwungenermassen. Ihr Partner der letzten 6 Jahre, Antoine Dorsaz, war im Frühsommer zurückgetreten, nach einem äusserst erfolgreichen ersten Winter bei der Elite mit Rang 8 an der EM, 15 an Olympia und 13 an der WM. Mit dem Esten Ilja Glebow seien in der Folge einige Tests sehr gut verlaufen, sagt sie, startberechtigt wären sie in diesem Winter allerdings nicht gewesen, und sie hätten nächste Saison vor dem Entscheid gestanden, für welches Land sie antreten wollten. «Vieles war zu kompliziert», sagt sie. Die 1,53 m grosse Walliserin machte sich deshalb auf, eine bessere Einzelläuferin zu werden. «Ich habe viel an den Schritten gearbeitet und Sprünge trainiert, ich habe auch mehr Kraft», sagt Morand. In Graz bestritt sie sogar einen Junioren-GP als Einzelläuferin, mit einer abschätzigen Handbewegung deutet sie jedoch an, dass die Leistung nicht der Rede wert ist. Ihre Erleichterung war deshalb riesig, als sowohl Steuer wie auch das Art-on-Ice-Management ihr rieten, mit Leemann zu arbeiten. «Ich habe ja selber gemerkt, dass mir Paarlaufen viel mehr zusagt.» Morand zog von Chemnitz nach Rapperswil zu einer Freundin, trainiert wird in den Ferien in Deutschland und während der Schulzeit auf der KEK in Küsnacht – «für mich absolut ideal, ich wohne nur fünf Minuten entfernt», sagt Leemann. Den Wechsel leicht gemacht Ob Zufall oder glückliche Fügung: Die Schweiz hat nach dem aussichtsreichen Paar Morand/Dorsaz das neue Duo Morand/Leemann, das nicht weniger talentiert ist. Leemann beherrscht im Gegensatz zu Dorsaz mehrere Sprünge dreifach, «und vom Gefühl her ist es sehr schnell sehr gut gegangen», sagt Morand und spricht damit das gegenseitige Vertrauen an, das im Paarlaufen unerlässlich ist. Über Mittag haben die beiden auf der Kunsteisbahn wieder und wieder eine Wurffigur geübt, für Leemann ein neues Element, das ihm mehr Krafttraining abverlangt. Seine Frische und Unverbrauchtheit, seine Eleganz und Hilfsbereitschaft haben Morand den Wechsel leicht gemacht. Ob die nationalen Meisterschaften Anfang Dezember in Zug zum ersten Wettkampf werden, wissen sie noch nicht, noch haben sie keine Programme kreiert. Brigitte Brandt, ihre Trainerin, die eng mit Steuer zusammenarbeitet, sagt: «Tim hat den grössten Weg vom Einzel- zum Paarläufer bereits hinter sich, wir wollen das Ganze aber nicht zu sehr forcieren.» Ihr ist ein solider Aufbau wichtig, sie will die schwierigen Abläufe stabilisieren, bevor sie von einer Jury bewertet werden. Leemann ist damit sehr einverstanden: «You never get a second chance, to make a first impression.» Er weiss: Ist der erste Eindruck bei den Richtern schlecht, ist es schwierig, diesen zu korrigieren. Auf der Kunsteisbahn Küsnacht der gleissenden Sonne entgegen: Tim Leemann und Anaïs Morand. Foto: Michael Trost

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