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Wurde Hundehalterin von ihrem eigenen Dackel gebissen?

In Zollikon soll ein Boxer eine 75-Jährige gebissen haben. Die Frau wollte ihren Dackel schützen und nahm ihn auf den Arm. Ein Fehler, findet der Halter des Boxers.

Von Patrick Gut Zollikon – Eine 75-jährige Seniorin war mit ihrem Dackel oberhalb von Zollikon auf einem Waldweg unterwegs. Plötzlich stürmten zwei Boxerhunde auf die Frau zu. Sie fürchtete das Schlimmste für ihren kleinen Vierbeiner und nahm ihn auf den Arm. Der eine Boxer sprang an der Frau hoch, bis sie stürzte. Der Boxer versuchte weiterhin, an ihren kleinen Hund heranzukommen. Darum hielt die Frau ihre Arme schützend über ihren Hund. Von diesem Vorfall am 26. Juli 2009 trug die Seniorin eine fünf Zentimeter lange, klaffende Rissquetschwunde am linken Handrücken davon. Zudem erlitt sie verschiedene Prellungen. Verantwortlich für die Verletzungen ist aus Sicht der Staatsanwaltschaft See/Oberland der Boxer und damit sein Halter, ein 25-jähriger Handwerker aus Volketswil. Er musste sich gestern wegen fahrlässiger Körperverletzung vor dem Meilemer Bezirksgericht verantworten. Der Angeklagte habe seine Pflichten als Hundehalter nicht wahrgenommen argumentierte die Staatsanwaltschaft. Sie forderte eine Geldstrafe von 150 Tagessätzen zu 90 Franken sowie eine Busse von 500 Franken. Die Geldstrafe solle das Gericht teilbedingt aussprechen; 70 Tagessätze unbedingt. Der Boxer reagierte nicht «Der Vorfall tut mir sehr leid», versicherte der Angeklagte dem Gericht. Er habe der Frau noch zugerufen, sie solle ihren Hund am Boden stehen lassen. «Weil sie ihren Dackel aufgehoben hat, wurde mein Hund neugierig. Er wollte wissen, was die Frau versteckt.» Der Boxer habe auf sein Kommando nicht reagiert. Das sei ungewöhnlich. Schliesslich habe er seinen Hund am Halsband zurückgezogen. Der Handwerker bestritt vor Gericht einen entscheidenden Punkt: «Ich kann mir nicht vorstellen, dass es mein Hund war, der zugebissen hat.» So argumentierte auch der Verteidiger des Handwerkers. Es gebe kein Gutachten, das beweise, dass die Verletzung tatsächlich durch den Boxer verursacht wurde. «Bei einem Hundebiss entstehen in der Regel Löcher und nicht Schnittwunden.» Zudem zog er die Aussagen der 75-Jährigen in Zweifel. Diese habe von zwei Bulldoggen gesprochen. Das Blut sei ihr «in Bächen hinuntergelaufen», habe sie behauptet. «Die Frau hat die Situation völlig dramatisiert», sagte der Verteidiger. Ihre Aussagen seien deshalb mit Vorsicht zu geniessen. Der Verteidiger kam zum Schluss: «Wir müssen aufgrund der Untersuchung davon ausgehen, dass die Geschädigte von ihrem eigenen Dackel gebissen wurde.» Seinem Mandanten sei keine Verletzung der Sorgfaltspflicht und damit keine fahrlässige Körperverletzung vorzuwerfen. Eine Übertretung des kantonalen Hundegesetzes gestehe er hingegen ein. Schliesslich habe der Hund die Seniorin belästigt. Der Angeklagte habe aus dem Vorfall viel gelernt. Er habe bei seinem Hund eine Wesensbeurteilung vornehmen lassen, besuche eine Hundeschule und führe seinen Boxer immer an der Leine. Der Angeklagte sei mit einem Verweis, allenfalls einer geringfügigen Busse von maximal 250 Franken zu bestrafen. Das Gericht wird das Urteil in den nächsten Tagen schriftlich eröffnen. Mit demselben Boxer kam es dieses Jahr zu einem zweiten, ähnlichen Vorfall. Die Geschädigte, eine 21-jährige Schülerin aus Volketswil, hat aber ihre Anzeige inzwischen zurückgezogen. Darum wurde dieses Ereignis in der Gerichtsverhandlung nicht beleuchtet.

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