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Wollte der Würger seine ehemalige Mitbewohnerin töten oder nur ihr Leben gefährden?

So weit auseinander wie im Fall von Andelfingen liegen Anklage und Verteidigung selten: 14 Jahre Freiheitsstrafe oder bloss 33 Monate.

Von Thomas Hasler Andelfingen – Das Erstaunliche an den weit auseinanderliegenden Strafanträgen ist die Tatsache, dass sich Staatsanwältin Catherine Nägeli und Verteidiger Reto Mätzler über weite Strecken eigentlich einig sind, was sich im Herbst 2009 in einer Wohngemeinschaft im Zürcher Weinland zugetragen hat. Der Unterschied besteht nur darin, dass sie das Geschehen völlig unterschiedlich bewerten. Im September 2009 hatte ein 22-jähriger Portugiese, ein ehemaliger Bewohner der WG, eine 24-jährige WG-Bewohnerin zu Hause überfallen und bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt. Dabei soll es sich um einen Racheakt gehandelt haben. Die Frau hatte den Mann bei der Polizei angezeigt, weil er mit ihrer Bankkarte und dem entwendeten PIN-Code mehrere Tausend Franken abgehoben hatte. Auch an jenem Septembertag entwendete er ihr nach massiven Würgattacken ihre Salärkontokarte und hob Geld ab (TA vom Mittwoch). «Mit voller Kraft, ohne Gnade» Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass es sich beim Würgen bis zur Bewusstlosigkeit um eine versuchte vorsätzliche Tötung handelte. Beim Würgen «mit voller Kraft und ohne Gnade» habe er den Tod der Frau in Kauf genommen. Nur weil sie bewusstlos wurde, habe sie «den abscheulichen Angriff überlebt». Gerade dass er mit Würgen aufgehört habe, als sie bewusstlos wurde, zeige deutlich, dass er ihren Tod nicht gewollt habe, meinte der Verteidiger. Der Portugiese habe, was auch das Opfer bestätige, den Würgegriff immer wieder gelockert, sodass sie nach Luft schnappen konnte. Der Beschuldigte gebe zu, dass er die Frau in Lebensgefahr gebracht habe. Deshalb sei er wegen Gefährdung des Lebens zu verurteilen. Während die Höchststrafe bei der Version der Anklage 20 Jahre beträgt, liegt die Höchststrafe in der Version der Verteidigung bei 5 Jahren. Auch bei der zweiten Würgattacke im Zusammenhang mit der Bankkarte waren sich die Parteien nicht einig, ob eine Lebensgefahr bestanden hat. Auch hier ist der Strafunterschied massiv: War die räuberische Erpressung lebensgefährlich, ist die Mindeststrafe fünf Jahre. Ein gewöhnlicher Raub hat eine Mindeststrafe von 180 Tagessätzen Geldstrafe.Das Bezirksgericht Andelfingen hat noch am Mittwochabend die Urteilsberatung aufgenommen. Das Urteil soll am Freitag veröffentlicht werden.

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