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Wo die Diät nicht mehr hilft, hilft der Chirurg

Seit Anfang Jahr forciert das Spital Wetzikon die Operation von extrem fettleibigen Patienten.

Von Ernst Hilfiker Wetzikon – Ab einem gewissen Gewicht geht Abnehmen nicht mehr. Das sagt Philipp Nett, seit dem vergangenen Herbst neuer leitender Arzt im Spital Wetzikon. Er weiss, wovon er spricht, denn er ist einer der erfahrensten bariatrischen Chirurgen der Schweiz. Bariatrische Chirurgie ist der Fachbegriff für die operative Behandlung von krankhaftem Übergewicht, von sogenannter morbider Adipositas. Die Operation ist die letzte Möglichkeit, Leuten zu helfen, die extrem fettleibig sind. Und Hilfe haben sie nötig. Solchen Menschen leiden nämlich nicht nur an der sozialen Ausgrenzung wegen ihres Aussehens, sondern oft unter einer oder mehreren schwerwiegenden Nebenerkrankungen. Das können Herz- oder Kreislaufprobleme wie Bluthochdruck oder Arterienverkalkung sein, Zuckerkrankheit, Leberverfettung oder Schwierigkeiten mit den Gelenken. Zudem droht ihnen ein höheres Risiko, an Krebs zu erkranken.Weil Diäten oder andere übliche Massnahmen zum Abnehmen bei derart stark Übergewichtigen nicht mehr wirken oder mit frustrierenden Rückfällen einhergehen, wählen viele die Radikalvariante: die Chirurgie. Am Spital Wetzikon werden entsprechende Eingriffe seit 15 Jahren vorgenommen, forciert jedoch seit Anfang 2011. Operation per «Schlüsselloch» Die Operation führt laut Nett quasi zu einer «eingebauten Diät». Dabei wählt man, je nach den Bedürfnissen des Patienten, zwischen einem der folgenden drei Verfahren: Magenbypass (Verkleinerung des Magens und Verkürzung des Dünndarms, ohne jedoch Dünndarm zu entfernen)Schlauchmagenbildung (Entfernung von 85 Prozent des Magens und Verengung des Rests auf Fingerdicke) Magenband (Verengung des Magens durch Anbringen eines zusammenziehenden Silikon-Bandes) Alle Methoden führen dazu, dass der Körper die Nahrung nur noch sehr reduziert aufnimmt und das Sättigungsgefühl rasch einsetzt. Diese Effekte werden zudem begünstigt durch eine Veränderung von Hungerhormonen.Alle Operationen werden per «Schlüssellochchirurgie» durchgeführt. Dabei schneidet der Chirurg den Bauch nicht auf, sondern arbeitet mit langen Spezialinstrumenten, die er über kleine Hauteinschnitte in den Körper einführt und dank einer eingebauten Minikamera zielgenau bewegt. Die unter Vollnarkose vorgenommenen Eingriffe sind wegen der übergewichtsbedingten Begleitkrankheiten der Patienten nicht ganz harmlos und auch nicht unumstritten. Sie werden von Philipp Nett denn auch als «komplex» bezeichnet. «Wir bewegen uns bei dieser Art von Chirurgie an der Grenze des technisch Machbaren», sagt er. Keine Lifestyle-Chirurgie Entsprechend wichtig ist die Routine des Operateurs. Das hat auch das Bundesamt für Gesundheit (BAG) erkannt: Bis Ende 2012 dürfte es schweizweit lediglich noch etwa 20 Spitäler geben, die als offizielle Referenzzentren für bariatrische Chirurgie gelten. Das Spital Wetzikon, das schon heute auf einer Liste dieser Zentren figuriert, wird laut Nett dabei bleiben. Ander als etwa das Fettabsaugen gehören solche Operationen laut Nett nicht zur «Lifestyle-Chirurgie». Es handle sich um eine anerkannte Therapie, weshalb in Wetzikon auch nur Patienten zugelassen sind, die einen Body Mass Index (BMI) von über 35 und «langjährige Gewichtsprobleme» haben. Einen BMI von über 35 hat beispielsweise jemand, der 1,70 Meter gross und 105 Kilo schwer ist.Nach einem operativen Eingriff bleibt der Patient ungefähr vier bis sieben Tage im Spital und kann bis zu sechs Wochen nicht arbeiten gehen. Nach der Operation sind regelmässige Kontrollen notwendig. Die Übergewichtigen werden von einem Ernährungsberater und bei Bedarf auch von einem Psychiater begleitet. Denn nach dem Spitalaufenthalt ändert sich das Leben dieser Menschen radikal: sie nehmen in den folgenden eineinhalb Jahren zum Teil Dutzende von Kilos ab, blühen auf und machen Sport. «Sie können in der Gesellschaft wieder fast normal funktionieren», sagt Nett. Die Krankenkasse zahlt Eine Adipositas-Operation kostet inklusive der aufwendigen Abklärungen 20 000 bis 30 000 Franken. Der Betrag wird voll von der Krankenkasse übernommen. Laut Nett zahlt sich der teure Eingriff aber aus – und zwar nicht nur für den Patienten, sondern auf für die Volkswirtschaft. Denn die enormen Folgekosten, welche die Fettleibigkeit mit ihren Nebenerkrankungen sonst verursachen würden, fallen aus der Rechnung. Oder wie es Philipp Nett sagt: «Nach zweieinhalb Jahren ist eine solche Operation ‹bezahlt›».

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