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Wirbel um das Atomkraftwerk von Fessenheim

Frankreichs ältestes AKW im elsässischen Fessenheim bereitet vielen Menschen im Dreiländereck Sorgen – nicht nur wegen seines beträchtlichen Alters.

Frankreich Besorgnis am Oberrhein Von Oliver Meiler, Marseille Mit 34 Jahren ist sie die Doyenne unter den französischen Kernkraftwerken. Das AKW von Fessenheim, einem Ort mit 2200?Einwohnern nur rund 40?Kilometer von Basel, ist seit 1977 im Betrieb. Und wenn sie über die Jahrzehnte hinweg auch immer wieder für Schlagzeilen sorgte und Umweltschützer auch in den umliegenden Ländern mobilisierte: So dick wie in diesen Tagen des Dramas in Japan waren die Schlagzeilen noch nie. Das Werk leidet nämlich nicht nur an Alterserscheinungen, sie ist auch auf seismisch aktivem Boden und unter dem Wasserspiegel des Grand Canal d’Alsace, des künstlichen Rheinseitenkanals, gebaut worden. Kein französisches AKW gilt als anfälliger als jenes in Fessenheim. Keines hat eine höhere Frequenz meldepflichtiger Anomalien. Und keines geht nach Pannen öfter vom Netz. Betreiber Electricité de France spricht jeweils von kleineren «Vorfällen», die Gegner von «Unfällen». Der Ruf nach Stilllegung wird immer dringlicher, hat aber kaum Aussichten auf Erhörung. In Paris ist man bemüht, die Diskussionen um die Sicherheit des nationalen Nuklearparks möglichst zu zerstreuen und Störfälle und Pannen herunterzuspielen. Nicolas Sarkozy wähnt den französischen Nuklearpark als sichersten der Welt (TA vom Mittwoch). Frankreichs Umweltministerin fühlte sich bei ihrem kürzlichen Auftritt in den Abendnachrichten gedrängt, Fessenheim ausdrücklich vor der wachsenden Kritik zu schützen: «Das Werk wurde so gebaut», sagte Nathalie Kosciusko-Morizet, «dass es die Schockwellen eines Erdbebens der Stärke 6,7 absorbieren könnte.» Die Ministerin beteuerte, dass in der Region nie ein stärkeres Beben gemessen worden sei. Auch das verheerende Erdbeben von Basel im fernen Jahr 1356 sei weniger stark gewesen. Das beruhigt die Gegner nicht. Der Forscher Jean-Marie Brom, Sprecher des Netzwerks «Sortir du nucléaire», in einem Interview: «Wenn eine der Staumauern (des Grand Canal d’Alsace, Red.) nachgibt – sei es wegen eines Bebens oder eines Attentats –, könnten die Folgen dramatisch sein.» Eine internationale Vereinigung mit Vertretern aus der Schweiz, Frankreich und Deutschland, die «Association trinationale de protection nucléaire» (ATPN), versucht seit Jahren, eine Stilllegung des Werks zu erwirken. 2008 trug sie ihr Begehren vor das Verwaltungsgericht von Strassburg. Dieses lehnte den Antrag ab – zwei Tage vor dem Beben in Japan. Eine Elsässer Zeitung fragtenun , ob das Gericht heute wohl anders entscheiden würde. Für die Bewohner von Fessenheim wäre die Stilllegung eine wirtschaftliche Katastrophe. Die meisten von ihnen arbeiten im AKW. Das Gemeindebudget hängt von den Steuereinnahmen ab, die das Werk generiert. Die Bürgermeisterin des Ortes, Fabienne Stich, sagte der Zeitung «Le Parisien»: «Natürlich stellen auch wir uns Fragen. Doch hier gehört das Werk nun mal zum Leben, seit über dreissig Jahren schon.» Und so wird es wohl noch eine ganze Weile bleiben: Frankreich schickt sich gerade an, die Laufzeit seines ältesten Atomkraftwerks zu verlängern.

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