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Winterthur steht bei Parkplätzen auf die Bremse

Damit Winterthur nicht im Verkehr erstickt, bewilligt die Stadt künftig weniger Parkplätze. Auch autofreie Siedlungen sind erlaubt.

Von René Donzé Winterthur – Bis anhin war Winterthur für Bauherren so etwas wie ein Parkplatz-Eldorado im Kanton. Wer Wohnungen baute, konnte praktisch unbeschränkt viele Parkplätze erstellen. Bloss zu wenige durften es nicht sein: Das Minimum von einem Abstellplatz pro Wohnung war sakrosankt, damit die Bewohner ihr Auto nicht auf öffentlichem Grund abstellten. Grosszügig war die Stadt auch bei Geschäftsliegenschaften: Bei Neubauten von Läden oder Bürogebäuden ging die Baubehörde meist ans oberste vom Kanton erlassene Limit der Parkplatzzahl – oder manchmal auch darüber, wie mehrere erfolgreiche Rekurse des VCS belegen. VCS-Geschäftsführerin Gabi Petri hat über Jahre die städtische Baubehörde kritisiert, die unnötig viele Parkplätze bewillige. Nun aber gibt sich der Stadtrat strengere Limiten, wie er gestern mitteilte. Er will damit vermeiden, dass die Stadt im Verkehr erstickt, wie Stadträtin Pearl Pedergnana (SP) sagt: «Unsere Verkehrsachsen sind jetzt schon überlastet. Wenn wir noch mehr Verkehr produzieren, dann leiden der öffentliche Verkehr und das Gewerbe unter den Staus.» Sie will den Verkehrszuwachs mit der Beschränkung der Parkplätze bremsen. Vor allem an sehr gut erschlossenen Lagen wird die Stadt künftig weniger Parkplätze bewilligen. Bausekretär Fridolin Störi spricht von «erheblich restriktiveren» Richtlinien. So werden neue Wohnungen in der Nähe von Bahn- und Bushaltestellen künftig in der Regel noch höchstens einen Parkplatz erhalten. An sehr guten Lagen könne der Durchschnitt pro Wohnung sogar unter eins sinken, sagt Störi. Bei gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erschlossenen Läden und Geschäftshäusern will die Stadt für die Kundenparkplätze ans unterste Limit der kantonalen Bandbreite gehen. Ansonsten strebt sie einen Mittelwert an. Allerdings sind diese Richtwerte nicht in Stein gemeisselt, Abweichungen kann der Bauausschuss bewilligen, wenn sie gut begründet sind. Carsharing als Alternative Neu wird es auch möglich sein, die Mindestzahl der Parkplätze zu unterschreiten, wenn dies die Bauherren wünschen. Dann allerdings müssen sie ein Mobilitätskonzept vorlegen, das aufzeigt, wie der Autoverkehr vermieden wird, zum Beispiel mit Carsharing. In Zürich hat der Gemeinderat erst kürzlich ein solches Konzept für eine Wohnsiedlung in der Kalkbreite gutgeheissen. In Winterthur will die Stiftung Abendrot das Lagerplatz-Areal beim Bahnhof autoarm nutzen. Mit 350 Parkplätzen würde dort bloss die Hälfte des gesetzlichen Minimums erfüllt. In einer ersten Reaktion loben die Grünen Winterthurs die neuen Richtlinien. Sie kritisieren allerdings, dass diese bloss in Form einer «Dienstanweisung» erlassen wurden, und fordern verbindlichere Regeln. Der VCS gibt sich skeptisch, ob der Stadtrat seine auf dem Papier gemachten Versprechen auch tatsächlich einlöst. SVP-Kantonsrat Daniel Oswald hingegen kritisiert, dass der Stadtrat das Parlament umgangen hat. Oswald ist Präsident des bürgerlichen Vereins Agil-Mobil, dem auch Winterthurer Wirtschaftsverbände angehören. Er befürchtet negative Auswirkungen auf das Gewerbe und die Steuereinnahmen der Stadt. «Wir werden vehement gegen diese neuen Bestimmungen kämpfen», sagt er.

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