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Wind trug die Bässe über den See

Ein Stäfner droht, die Veranstalter der Richterswiler Beachparty einzuklagen.

Von Tim Frei Stäfa – Wer in Stäfa am Samstag gegen Mitternacht ins Bett wollte, hatte ein Problem: Ans Einschlafen war zu diesem Zeitpunkt kaum zu denken. Grund dafür war die Beachparty im gegenüberliegenden Richterswil, wo rund 3500 Jugendliche auf dem Horn-Areal bis nach zwei Uhr morgens zu wummernden Bässen ausgelassen feierten. Der Lärm trieb viele Stäfner zur Weissglut, wobei etliche von vibrierenden Fensterscheiben berichten. «Was da am Samstag abgegangen ist, ist eine unerhörte Frechheit», sagt der Stäfner Werner Liechti. Er weiss: Der Bass sei derart stark gewesen, dass manche Einwohner mit Herzrhythmus störungen gekämpft hätten. Tatsächlich erklärt eine Bürgerin, die anonym bleiben will, gegenüber der Lokalpresse: «Wegen der starken Schwingung des Basses bekam ich Herzflattern und einen erhöhten Puls.» Um sich davor zu schützen, habe sie zu Ohrstöpseln greifen müssen.Thilo Heimes, Kardiologe im Kreisspital Männedorf, hält diese Aussagen für übertrieben. Zwar könne Lärm Herzflattern verursachen. Aber das sei psychisch bedingt: «Ist man gestresst und verärgert, ist es normal, dass der Puls ansteigt. Aber dass der Bass eine Herzrhythmusstörung auslöst, halte ich für unrealistisch.»Sicher ist, dass viele Stäfner – aus Männedorf, Hombrechtikon und Uetikon sind bisher keine Klagen laut geworden – es nicht verstehen können, weshalb das Fest bewilligt wurde. «Wann endlich nehmen Politiker und Behörden die Anliegen von lärmgeplagten Anwohnern ernst und verhindern solche Exzesse?», will das Ehepaar Christina und Andreas Schierz aus Uerikon wissen. Stäfnern sind Hände gebunden Der Stäfner Gemeindepräsident Karl Rahm (FDP) bestätigte gestern, dass auch bei der Gemeinde Reklamationen eingegangen seien, was er nachvollziehen könne. Der Gemeinde Stäfa seien aber die Hände gebunden: «Die Beachparty wurde in Richterswil behördlich genehmigt, womit wir keine Möglichkeit hatten zu intervenieren.» Eine Einmischung hätte laut Rahm auch den Gepflogenheiten widersprochen – schliesslich hätten die Stäfner auch keine Freude, wenn sich die Richterswiler in ihre Angelegenheiten einmischten. Die Bewilligung für die Party hat die Sicherheitskommission des Gemeinderates Richterswil erteilt. Dies, nachdem der Kanton die Maximalwerte der Musikanlage bewilligt hatte. Entscheidend ist der Bass Laut Ruedi Reichmuth (parteilos), Präsident der Richterswiler Sicherheitskommission, wurde die ganze Veranstaltung im Hinblick auf Bass- und Lautstärke aufgezeichnet und protokolliert. «Falls sich herausstellen sollte, dass die Maximalwerte überschritten wurden, müssen wir reagieren», sagt der Richterswiler Gemeinderat. Sicher sei, dass die Bassstärke an zukünftigen Veranstaltungen «massiv» heruntergefahren werden müsse. Denn nicht die Lautstärke, sondern der Bass sei das Problem gewesen. Was Reichmuth erstaunt, ist die Tatsache, dass die Maximalwerte am Wochenende gleich waren wie letztes Jahr. Eine mögliche Erklärung, weshalb die Party dieses Jahr am rechten Ufer für derart viel Ärger sorgte, ortet Reichmuth in den Wetterverhältnissen: «Der Wind könnte den Lärm über den See getragen haben.» Auf jeden Fall wolle er sich für die Lärmbelästigung entschuldigen. Der OK-Chef der Beachparty, Tobias Riesen, hält den Wind ebenfalls für eine plausible Erklärung. Und er gelobt Besserung: Man werde künftig nach Mitteln suchen, um den Lärm zu verringern. Riesen hofft, dass der Anlass damit auch künftig bewilligt wird. Schädigung der Gesundheit Der Stäfner Werner Liechti droht derweil damit, dass er Klage gegen den Veranstalter erheben wolle, falls nächstes Jahr wieder im selben Mass gelärmt werde. «Ich würde wegen der gesundheitlichen Schädigung klagen, weil ich nicht schlafen kann.»

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