Zum Hauptinhalt springen

Wenn eine Seifenblase zerplatzt

Shawne Fielding schlägt zurück. Sie will ihre Kinder wiederhaben. Koste es, was es wolle.

Von Bettina Weber Shawne Fielding ist überall. An jeder Wand des Wohnzimmers hängt sie, lächelt von gerahmten Titelbildern, von der «Gala» über die «Schweizer Illustrierte» bis hin zur «Weltwoche». Dann sind da die Fotos mit den Berühmtheiten, Shawne mit Richard Gere, Shawne mit Kevin Costner, Shawne mit Laura Bush. Shawne mit ihren Eltern. Und natürlich: Shawne mit Ruby und Roman, ihren Kindern. Daneben ein gerahmter Brief mit Glückwünschen von Bill Clinton zu ihrem 28. Geburtstag, auch Hillary lasse grüssen. Im Flur zwei mannshohe Ölbilder, das Motiv: Shawne Fielding. Sie hingen in der Schweizer Botschaft in Berlin, damals, als alles noch gut war. Jetzt herrscht Rosenkrieg zwischen dem einstigen Glamourpaar Borer-Fielding, und er wird öffentlich ausgetragen. Auf ihrem Blog hat Shawne Fielding in den letzten Wochen Tonbandaufnahmen und amtliche Dokumente veröffentlicht, detaillierte Anwalts-Honorarnoten, Berichte der Vormundschaftsbehörde und Abrechnungen von Thomas Borers Kreditkarte. Auf den Audio-Aufzeichnungen sind Dispute der Eheleute zu hören und wie sie sich beim Polizeinotruf meldet. Borer drohte dem Schweizer Provider des Blogs mit rechtlichen Schritten, worauf sich Fielding umgehend Ersatz im Ausland besorgte, dort sei Borer machtlos. Hat da eine Frau die Kontrolle verloren? «Ich habe ihn Bush vorgestellt» Shawne Fielding trägt einen schwarzen Trainingsanzug und dazu Pantöffelchen mit Keilabsatz, die Fussnägel sind lila lackiert. Sie sehe aus wie eine Hockey-Mom, scherzt sie und lacht ihr kurzes, schrilles Lachen, wobei die gemeine Hockey-Mom aus Nordamerikas Mittelschicht, die den Haushalt führt und ihre Kinder in die Schule fährt, wohl nicht so haargenau wüsste, bis zu welchem Punkt der Reissverschluss der Jacke offen sein muss, damit das Décolleté am besten zur Geltung kommt. Aber den eisernen Willen und die Entschlossenheit teilen sich die ehemalige Botschaftergattin und die Durchschnitts-Hockey-Mom wohl schon. Seit eineinhalb Jahren darf Fielding Ruby (3) und Roman (7) nur mittwochs und jedes zweite Wochenende sehen; die Eltern teilen sich zwar das gemeinsame Sorgerecht, die Obhut indes wurde Thomas Borer zugesprochen. Doch Shawne Fielding will ihre Kinder zurück. Sie mag nicht im Stillen leiden und schon gar nicht schweigen. Sie lasse sie nicht mundtot machen und verbieten, die Wahrheit zu sagen. Thomas Borer wolle sie vernichten, dabei sei es doch so: «I made him. Ich habe ihm sein ganzes Netzwerk verschafft, von dem er heute profitiert, ich habe ihn überhaupt nach Washington D. C. gebracht, dank den Kontakten meines Vaters, ich habe ihn Präsident Bush vorgestellt.» Zu verlieren habe sie schliesslich nichts, sagt der Mann, der während des Gesprächs danebensitzt. Darryl von Däniken, einst engagiert worden, um Shawne Fieldings Termine als Botschaftergattin zu koordinieren, ist seit damals ein enger Freund und Vertrauter. Shawne trage, sagt er, das Stigma einer Frau, der man die Kinder weggenommen habe, das sei schlimm. Sie will kämpfen wie eine Löwin Dass sie sich mit der Veröffentlichung der Dokumente schaden könnte, dass man ihr vorwerfen könnte, sie mache Privates öffentlich, dass sie als peinlich gelten könnte, das ist ihr alles egal. Sie will, dass ihre Kinder später über sie sagen, sie sei eine «kick-ass-Lady» gewesen, die für sie wie eine Löwin gekämpft habe, obschon sie vom Justizsystem reingelegt worden sei. Und überhaupt: Sie sei geprägt durch «the freedom of speech» und habe deshalb das Recht, die Wahrheit zu sagen. Und die sei, dass man ihr Ruby und Roman weggenommen habe, «because I’m an Auslander». Vermutet sie, weil der Richter Mitglied der SVP sei. Von Däniken wirft ein, es habe wohl eher damit zu tun, dass sie eine starke Frau sei. Sie zuckt mit den Schultern. Es ist in der Tat ungewöhnlich, dass einer Mutter die Obhut über ihre Kinder entzogen wird. Erst recht, wenn sie nicht arbeitet, also rund um die Uhr für die Kinder da sein könnte, während der Vater beruflich sehr engagiert ist. Es hat sie sehr verletzt. Sie hat das Urteil angefochten, seit November 2010 wartet sie auf Bescheid. Dass nichts passiert, dass die Mühlen der Justiz so langsam mahlen, macht sie fast verrückt. «Es geht um meine Kinder. Ich habe keine Zeit zu verlieren», sagt sie und auch, dass Kinder ganz einfach zur Mutter gehören würden, erst recht eine Zweijährige wie damals ihre Tochter Ruby, alles andere sei «krank». Sie beschäftigt drei Anwälte, einen fürs Strafrecht, einen fürs Medienrecht und einen fürs Familienrecht. 200000 Franken habe sie das in den letzten zwölf Monaten gekostet. Das Geld dafür, sagt sie, habe sie nur dank der Hilfe von Freunden aufbringen können. Die 45 000 Franken, die Thomas Borer monatlich an Unterhalt für sie zu zahlen verpflichtet ist, mögen ja nach viel klingen, bloss habe sie auch grosse Ausgaben wegen des juristischen Hickhacks. Abgesehen davon sei sie als vermögende Frau in die Ehe gekommen, während er damals ein einfacher Beamter des Aussendepartements gewesen sei. Es sei absurd, dass sie bei ihm um Geld betteln müsse, das eigentlich ihr gehöre. Ein Mädchen vom Land Und falls sich das Gericht nun auf den Standpunkt stellt, es sei ihr zuzumuten, sich eine Arbeit zu suchen, zumal sie ja nicht für die Kinder da sein müsse? Sie schaut perplex. «Darüber mache ich mir Gedanken, wenn es so weit ist.» Von Däniken sagt: «Das ist keine Option.» Und sie ergänzt, sie sei jetzt 42 und habe noch nie in ihrem Leben einen Job gehabt, sie sei stets nur Hausfrau oder später Hausfrau sowie Mutter gewesen. Dabei schaut sie einen so vorwurfsvoll an, dass man nicht recht weiss, ob sie nur einen ehrenwerten Beruf verteidigen möchte – oder es schlicht eine Ungeheuerlichkeit fände, wenn man von ihr verlangen würde, einer «gewöhnlichen» Arbeit nachzugehen. Sie logiert nicht mehr in der 14-Zimmer-Villa in Thalwil, sondern im Kanton Schwyz. Die Wohnung im dritten Stock ist grosszügig, mit zwei Kinderzimmern, eines in Pink und eines in Rot, und mit Blick auf den Zürichsee, der am Ufer türkis leuchtet wie das Meer in der Karibik. Es gefällt ihr hier, sie mag die Innerschweiz, sie sei ein Mädchen vom Land. Bern habe sie sehr geliebt, als sie damals, zwischen 1996 und 1999, regelmässig von Los Angeles in die Schweizer Hauptstadt pendelte. Es sei jedes Mal eine Art Kulturschock gewesen, dort aus dem Zug zu steigen. Es sei so friedlich da, und ja, auch ein bisschen langweilig, aber das möge sie ja gerade. Sie lacht laut auf. Wenn sie solche Episoden erzählt, wirkt sie so, wie man sie kennt: gut gelaunt, lustig, die geborene Entertainerin. Dieses Bild der Shawne Fielding möchte sie erhalten, das Bild einer starken, selbstbewussten und gesellschaftlich wichtigen Frau; sie weigert sich, in der Öffentlichkeit als Opfer wahrgenommen zu werden, als das sie sich gleichzeitig fühlt. Fällt es ihr nicht schwer, an Anlässen weiterhin das Glamourgirl zu geben, obschon sie traurig ist? Sie versteht die Frage nicht. Wenn man auf eine Party gehe, sei man geradezu verpflichtet, gute Laune zu versprühen, ansonsten solle man zu Hause bleiben. Und wenn es doch im Innersten ganz anders aussieht? Sie sei eben lustig, kommt es leicht pikiert zurück. Vom Traum zum Albtraum Wenn sie von ihrer Ehe mit Thomas Borer spricht, ist sie nicht lustig. Dann ist sie mit einem Mal nicht mehr die Partyqueen, die ausgelassen tanzt, wenn sich sonst niemand getraut. Sie hat einen harten Zug um den Mund, die Stimme ist tonlos, sie schaut einen unverwandt an und blinzelt nie. Sie habe gelitten in dieser Ehe, sehr sogar, aber sie habe sich nichts anmerken lassen, auch dann nicht, als sie durch die «Blick»-Geschichte über eine angebliche Affäre Borers öffentlich gedemütigt worden sei. Sie berichtet von schwerwiegenden Problemen, von ihrer Einsamkeit, von den zwei Jahren, in denen sie allein mit ihrem Sohn in Dallas lebte und ihren Mann kaum je zu Gesicht bekam. Fragen beantwortet sie bereitwillig und ohne zu zögern. Sind sie etwas kritischer, reagiert sie mitunter ungnädig. Dann fangen die Sätze mit einem «Listen . . .» an, das wie ein erhobener Zeigefinger über den nachfolgenden Sätzen schwebt. Dass es so enden würde, hätte sie nie für möglich gehalten. Sie wollte ein Nest für ihre Familie bauen, es mit Wärme und Liebe und Behaglichkeit füllen. «Das Haus in Thalwil war mein Traumhaus. Ich habe es von zuunterst bis zuoberst selbst eingerichtet, weil ich dachte, dass ich darin den Rest meines Lebens verbringen würde.» Im Eheschutzverfahren wurde ihre dann eine zweiwöchige Frist eingeräumt, um auszuziehen. Dass sie sechs Monate auf die schriftliche Begründung warten musste, dass man sie im Ungewissen liess, weshalb man ihr die Obhut über ihre Kinder entzog, empfindet sie als Skandal und als weitere Demütigung. Als das Schriftstück dann endlich eintraf, habe es sich um «100 Seiten Blabla» gehandelt. Shawne Fielding stellt es genauso wie viele andere Dokumente zur Verfügung, sie könne schliesslich sämtliche Vorwürfe belegen; daraus zu zitieren, ginge allerdings presserechtlich zu weit. Die Akten offenbaren dennoch weitaus mehr als Blabla. Sie dokumentieren vielmehr einen erbitterten Kampf, geführt mit härtesten Bandagen, mit gegenseitigen Vorwürfen, die sich vor allem um die Frage drehen, wer sich häufiger um die Kinder gekümmert habe. Und offenbar erweckte nicht die Mutter diesen Eindruck, sondern der Vater. Man habe all jene Personen, die zu ihren Gunsten ausgesagt hätten, nicht ernst genommen, sagt sie, und der harte Zug um den Mund ist wieder da. Im Prinzessinnen-Zimmer Als die Fotografin eintrifft, schlüpft sie zurück in ihre altbekannte Rolle. Sie macht ihr einen Kaffee, grosses Gelächter ertönt aus der Küche, weil sie erklärt, man könne sie zwar schon auf dem Bett ablichten, allerdings seien da noch die Spuren ihres Spray-Tans zu sehen. Und wenn sie über die aufgesprühte Bräune spricht, ist sie in ihrem Element. Sie demonstriert, wie das technisch vonstattengeht, erklärt, dass das Ganze nur eine Woche halte, aber «amazing» sei, und wie sie das erzählt, ist sie erfrischend in ihrer Uneitelkeit, sie verleiht ihr etwas Kumpelhaftes. In ihrem opulenten Ankleidezimmer steht oben auf dem grossen Schrank fein säuberlich aufgereiht eine beeindruckende Anzahl Barbie-Puppen. Da gibt es Barbies in Abendroben, solche, die aussehen wie Marylin Monroe, dunkelhäutige Barbies und Christmas-Barbies. Von denen hat es am meisten, jedes Jahr erhält sie von ihrer Mutter eine solche zu Weihnachten. Dann sind da unzählige Schuhe, alle auf samtene, kleine Kissen gesteckt, goldene Aschenputtel-Sandaletten und schwindelerregend hohe Killer-Heels, und daneben natürlich: Unmengen von Kleidern sowie ein kleiner, mit allerhand Dosen und Pinseln und Tiegelchen übersäten Schminktisch. Es ist ein klassisches Prinzessinnen-Zimmer. Und Prinzessinnen werden sehr böse, wenn man ihnen ihren Traum kaputt macht. Aus ihrem Nest, dem Traumhaus in Thalwil, wurde sie verbannt. Will nicht als Opfer wahrgenommen werden, als das sie sich fühlt: Shawne Fielding (42) . Foto: Anne Gabriel-Jürgens (13 Photo)

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch