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Wenig Wasser, weniger Kraft

Die Pegelstände der Schweizer Flüsse und Seen liegen weit unter dem langjährigen Mittel. Deshalb läuft die Stromproduktion vielerorts nur gedrosselt. Zudem müssen Fische umgesiedelt werden.

Von Simone Rau und Simon Wälti Das Kraftwerk Kubel der St. Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke (SAK) produziert Strom mit Wasser aus dem Gübsensee. Im Normalfall wird dieser mit 9300 Liter pro Sekunde gespeist. Gestern waren es – lang anhaltende Trockenheit sei Dank – gerade mal 1200 Liter pro Sekunde. Die Folge: weniger Strom. Ähnlich präsentiert sich die Situation in den drei Rheintaler Binnenkanalwerken der SAK. Statt der üblichen 300 Kilowattstunden produzieren sie laut Reto Zuglian, Leiter Kraftwerke Betrieb und Instandhaltung, derzeit nur je 100 Kilowattstunden Strom. «Im Normalfall können wir das schöne Wetter mit Schmelzwasser kompensieren. Das geht dieses Jahr nicht. Wenn es so weitergeht, müssen wir einzelne Kraftwerke abstellen.»Zeitweise bereits ihren Betrieb eingestellt haben fünf Flusskraftwerke des Energiekonzerns Alpiq. «So etwas haben wir noch nie erlebt», sagt Mediensprecher Andreas Werz. «Die Flüsse befinden sich auf einem historischen Tiefstand für die gegenwärtige Jahreszeit.» Derzeit seien die fünf Flusskraftwerke an der Aare und am Rhein zwar wieder in Betrieb, doch produzierten sie nur ein Drittel bis die Hälfte der normalen Strommenge. «Gut möglich, dass wir sie wieder abstellen müssen. Es ist ein Spiel.»Die anhaltende Trockenheit schmälert die Stromproduktion auch bei der Axpo. Laut Mediensprecher Erwin Schärer beschränkt sich die Minderproduktion – derzeit bis zu einem Drittel weniger – auf die Flusskraftwerke. Der Füllungsgrad in den Stauseen, die Wasser für die sogenannten Speicherkraftwerke liefern, befinde sich in etwa auf dem Niveau des Vorjahres. Betroffen vom niedrigen Wasserpegel in den Flüssen ist auch die BKW FMB Energie AG (BKW), die unter anderem Flusskraftwerke an der Aare, der Simme und der Kander betreibt. Wie BKW-Mediensprecher Antonio Sommavilla sagt, laufen Wasserkraftwerke wie Mühleberg, Niederried, Aarberg oder Hagneck nicht auf Hochtouren, sondern nur reduziert. «Im zehnjährigen Schnitt wurde bei den Laufwasserkraftwerken von Januar bis Ende April 20 Prozent weniger Strom produziert.» Kein Versorgungsengpass Für die Stromkonsumenten stelle dies aber kein Problem dar, obwohl auch der Stromverbrauch gegenüber dem letzten Jahr tendenziell gestiegen sei. «Wir können die fehlende Strommenge auf dem Markt beschaffen», sagt Sommavilla. Ebenfalls keine Auswirkungen habe der tiefe Pegel der Aare auf das Kernkraftwerk Mühleberg. «Wir haben genügend Wasser, die Kühlung ist gesichert.» Erst wenn die Wassertemperatur auf 21 Grad oder mehr steige, müsse der Betrieb im AKW gedrosselt werden. Das unüblich warme Wetter und der rare Regen machen auch der Schifffahrt zu schaffen. Eingestellt ist derzeit unter anderem die Strecke zwischen Rorschach und Rheineck auf dem Alten Rhein. Frachtschiffe auf dem Rhein sind teilweise nur noch mit halber Ladung unterwegs, die Transportkosten verteuern sich. Negative Folgen hat die Trockenheit in den Schweizer Gewässern auch für die Fische. Zahlreiche Tiere mussten abgefischt und umgesiedelt werden, so etwa in der Töss bei Winterthur. Fachexperten befürchten nachhaltige Folgen. Vorerst etwas Linderung bringen sollen die nächsten Tage – mit Regen. Die Töss bei Wila – aufgrund der Trockenheit ohne Wasser. Foto: Markus Widmer (Keystone) Der Pegel des Lac de Joux hat einen bedrohlichen Tiefstand erreicht. Foto: Keystone Schiffsteg am Bodensee in Triboltingen (TG). Foto: Christine Bärlocher (Ex-Press) Forellen werden aus der Töss gefischt und evakuiert. Foto: Steffen Schmidt (Keystone) Titel ZusatziPhone: Tagi-App auf TA+Mobile: SMS mit Text Plus an 4488 Interview: Stromexpertin Nadine Brauchliwww.trockenheit.tagesanzeiger.ch

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