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Weise Worte vom amerikanischen Freund

Martin Naville, Küsnachter Amerika-Experte, wünscht sich eine Taskforce für die Spannungen zwischen der Schweiz und den USA.

Von Jérôme Stern Küsnacht – «Viele Schweizer empfinden die amerikanische Haltung als arrogante Grossmachtpolitik», sagt Martin Naville, «doch die Amerikaner sehen das ganz anders.» Dem Küsnachter liegt das Thema am Herzen. Im Vortrag, den er am Montag auf Einladung der Küsnachter FDP hielt, bringt er aber erst einmal die amerikanische Haltung auf den Punkt: «Wer in Amerika spielen will, der soll das tun. Doch er muss nach den amerikanischen Spielregeln spielen, sonst holt er sich eine blutige Nase.» Die Zuhörer lachen und versuchen, seinen Ausführungen zu folgen. Naville spricht schnell und liefert Fakt auf Fakt. Zwischen beiden Ländern bestehe eine enge historische Verflechtung, so der Küsnachter, «Die Staatsverfassungen beider Länder sind zum Teil wörtlich identisch.» Martin Naville ist ein profunder Kenner der Beziehungen zwischen beiden Ländern; er arbeitete unter anderem für den Treuhänder J. P. Morgan in New York. Seit 2004 ist er CEO der Schweizerisch-Amerikanischen Handelskammer. Mit seiner Familie wohnt er seit 15 Jahren in Küsnacht, «dem schönsten Ort der Welt». In eine spannenden Rede zu einem spannungsgeladenen Thema gehören auch heiklen Punkte. Naville spricht sie an – die Marc-Rich-Affäre, die nachrichtenlosen Konti und die UBS – und plädiert für eine Taskforce. «Der Bundesrat braucht Leute, die Amerika kennen», findet Naville. Der Steuerstreit etwa sei kein Wirtschaftskrieg gegen die Schweiz, sondern die voraussehbare Konsequenz zweier völlig verschiedener Steuersysteme, so der Experte. Naville ist ein Wanderer zwischen zwei Welten. Er vermittelt Fachwissen, spricht mit persönlichem Engagement und möchte Missverständnisse beseitigen. «Manchmal fühlt sich die Schweiz vom übermächtigen Amerika überrollt.» Der Projektor wirft das Bild einer Maus unter einem Elefantenfuss auf die Leinwand im Küsnachter Kirchgemeindehaus. «Doch nur wenige wissen, dass die kleine Schweiz Schutzmacht für Amerika in Kuba ist.» Die Schweiz, Freundin der Amerikaner. Die Zuhörer nehmen die überraschende Tatsache staunend zur Kenntnis, unter ihnen die Küsnachter Gemeinderäte Ursula Gross-Leemann und Markus Ernst. Auch Marc Lindt, Präsident der Küsnachter FDP, sowie Alt-Gemeinderat Hans Sulser liessen sich den Vortrag nicht entgehen. Sogar EVP-Präsident Peter Relly besuchte die FDP-Veranstaltung. Nur Deutschland ist wichtiger Wie wichtig die Handelsbeziehung zwischen beiden Ländern ist, zeigt Naville mit eindrücklichen Zahlen: Die USA sei für die Schweiz der zweitwichtigste Exportmarkt, «nur Deutschland ist wichtiger», sagt Naville. Er betont gleichzeitig die Bedeutung der Schweiz für amerikanische Firmen. Unser Land sei als Standort sehr attraktiv, ungefähr 650 amerikanische Firmen hätten hier ihre Zentrale für das Europa-Geschäft. «Amerikanische Betriebe beschäftigen dadurch rund 71 000 Schweizer Arbeitnehmer; die Abhängigkeit ist durchaus gegenseitig», folgert Naville. Nach dem Vortrag kann das Publikum dem Wirtschaftsexperten Fragen stellen. Einige in Küsnacht wohnhafte Amerikaner beklagen sich über die ungerechte Doppelbesteuerung. Naville kennt ihre Probleme: «Die amerikanische Steuerbehörde wird da aber kaum etwas ändern, da könnte man zuerst an der Schwerkraft arbeiten.» Nach Analysen und Vergleichen wagt der Küsnachter einen Ausblick in die Zukunft: «Der Kurs des Dollars wird weitersinken», sagt er, «da bin ich mir sicher.» Martin Naville.

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