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Vor allem Windenergie soll deutsche AKW ersetzenVor allem Windenergie soll deutsche AKW ersetzen

Deutschland nimmt seine alten Atommeiler vom Netz. Eine akute Stromlücke droht deswegen nicht. Doch längerfristig braucht das Land mehr Windparks.

Deutschland Die Zukunft ohne Atomenergie Von David Nauer, Berlin Aus 17 mach 10. Die deutsche Regierung hat mit ihrem Atommoratorium die Zahl der laufenden Atomkraftwerke (AKW) im Land fast halbiert. Droht eine Versorgungslücke? Nein, sagen Experten. Deutschland habe bis jetzt zu viel Strom produziert, der Wegfall der alten Meiler sei verkraftbar. Die «Süddeutsche Zeitung» rechnete, dass bisher nur 6,8 Prozent der Elektrizität aus den betroffenen AKW stammten. 15,2 Prozent liefern die übrigen Nuklearanlagen. Die Anteile von Braunkohle (24?Prozent), Steinkohle (19?Prozent) oder der erneuerbaren Energien (16 Prozent) liegen deutlich höher. Längerfristig droht aber ein Stromengpass, weil im kommenden Jahrzehnt viele alte Kohlekraftwerke wegfallen. Zudem haben auch andere Energieträger Nachteile: Gas muss importiert werden, zu einem guten Teil aus autokratisch regierten Ländern wie Russland; Kohle setzt bei der Verbrennung riesige Mengen des Klimakillers CO2 frei. Die sich abzeichnende Stromlücke sollen Ökotechnologien schliessen, allen voran die Windenergie. Windräder erzeugen zwar nicht rund um die Uhr Strom, da sie naturgemäss vom Wetter abhängig sind. Auf dem offenen Meer aber – und viele Anlagen stehen bereits Offshore – windet es rund 4000 der knapp 9000?Stunden eines Jahres. Das bringt eine ansehnliche Produktion. Das Problem, das bleibt: Im Norden wird der Strom nicht so sehr gebraucht. Energieintensive Industrien stehen vielmehr im Süden der Republik; und die Infrastruktur für den Transport der Elektrizität ist bei weitem nicht ausreichend. Laut Wirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) fehlen 3500?Kilometer Hochspannungsleitungen. Seine Partei fordert schon länger einen rascheren Ausbau der Netze. Dies scheitert jedoch bisher häufig am Protest von Anwohnern. Und um die Leitungen unter die Erde zu verlegen, fehlte das Geld. Experten betonen, das jetzt beschlossene Atommoratorium sei erst ein erster Schritt. Die Regierung müsse ihr Energiekonzept «in der Umsetzung völlig neu anlegen», sagte Hans-Joachim Reck, Geschäftsführer des Verbandes kommunaler Unternehmen der «Berliner Zeitung». Bisher habe die ganze Planung noch auf der Laufzeitverlängerung beruht. «Das», so Reck, «ist nun hinfällig.» Die Debatte ist schon in vollem Gange. Umweltminister Norbert Röttgen (CDU), ein bekennender Atomkritiker, würde auch die neueren AKW am liebsten so schnell wie möglich abschalten. Er rechnet mit einer weiteren Nutzung der Atomenergie in Deutschland während noch rund 15 Jahren, wie er gestern sagte. Das entspräche einer deutlich kürzeren Zeit als der im Herbst beschlossenen und inzwischen sistierten Laufzeitverlängerung. Andere Politiker aus Union und FDP wollen die Kernenergie nicht so schnell aufgeben. Sie kritisieren das rasche Vorgehen der eigenen Regierung als «Zickzackkurs». Es sei «unappetitlich», jetzt, während die Menschen in Japan leiden, in Deutschland politische Konsequenzen zu ziehen.

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