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Von Meilen bis in die Mongolei und zurück

Der Meilemer Musiker Heiri Känzig ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Grenzgänger. Ein Projekt führte ihn sogar bis nach Asien, wo er einige Abenteuer zu bestehen hatte.

Meilen. - Jeder Jazzfreund in der Schweiz kennt ihn, denn er ist der wohl erfolgreichste und bekannteste Jazz-Bassist der Schweiz. Auch mancher Popmusik-Fan hat ihn, ohne es zu wissen, schon gehört. Heiri Känzig bewegt sich virtuos in vielen Musikgattungen, und er liebt es, den eigenen Horizont zu erweitern.

Der Meilemer spielte schon mit Nena und ist Gründungsmitglied des legendären Vienna Art Orchestra. Die Namen seiner Mitmusiker lesen sich wie ein Who’s who der internationalen Jazz-Szene: Känzig arbeitete mit Andreas Vollenweider, Max Lässer oder Billy Cobham. Er trat mit George Gruntz, Pierre Favre und mit John Scofield auf.

Wieso wird ein Musiker, der die ganze Welt bereist und in New York geboren ist, in Meilen sesshaft? «Meine Frau und ich wohnten damals in Paris», erinnert sich Känzig. «1990 entschieden wir uns, wegen unserer Familienpläne wieder in die Schweiz zurückzukehren. Wir wollten nicht, dass unsere Kinder in einer Grossstadt aufwachsen.» Er habe Wurzeln in Meilen. «Also kamen wir hierher», sagt er. «Musikalisch bin ich aber an vielen Orten daheim.»

Mit zwei Bussen durch Zentralasien

Das zeigt auch Känzigs eindrücklichstes Projekt: Im Jahr 2002 erhielt er von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit den Auftrag, mit ausgewählten Musikern aus Kirgistan, Chakasien, der Mongolei, der Schweiz und Österreich ein Orchester auf die Beine beziehungsweise auf die Bühne zu stellen. Unter dem Namen «Tien Shan Switzerland Express» gastierten die 20 Musiker in der Schweiz und in Österreich. Sie traten allerdings auch an ungewöhnlicheren Orten auf, zum Beispiel in Usbekistan, Tadschikistan und in der Mongolei. Mit zwei alten Bussen reisten sie auf der Seidenstrasse durch Zentralasien bis in die Mongolei. «Wir haben einige ziemlich haarsträubende Geschichten erlebt», sagt Känzig. «Irgendwo im zentralasiatischen Niemandsland ging uns der Dieseltreibstoff aus. Wir hatten wirklich keine Ahnung, was zu tun war.» Plötzlich seien ein paar Männer mit Kanistern angefahren gekommen. «Wir füllten das Dieselöl in die Tanks unserer Busse. Weit kamen wir allerdings nicht, denn der Treibstoff war total verschmutzt.»

Der Meilemer lächelt verschmitzt, als er den Vorfall erzählt. «Die wussten natürlich nicht, dass wir in einem unserer Busse eine Musikausrüstung im Wert von einer halben Million Franken transportierten. Wer weiss, was sonst geschehen wäre.» Känzig erinnert sich nicht ohne Wehmut an das Abenteuer. «Es war eine sehr faszinierende Reise», sagt er. «Rückblickend verklärt man natürlich alles ein bisschen, doch es war eine einmalige Erfahrung.» Känzig erzählt so, als würde er eine Melodie spielen: intensiv und äusserst präsent. Jedes Wort, jede Geste ist präzise und sparsam, der Blick des Musikers wirkt konzentriert.

Lehrauftrag an der Jazzschule Luzern

Neben seinen Engagements und seinen Projekten unterrichtet Känzig seit 1991 an der Jazzschule Luzern. Das gibt ihm auch eine gewisse finanzielle Sicherheit. «Was ich dort verdiene, gebe ich allerdings gleich wieder für neue Projekte aus», sagt Känzig und lacht. Bei der Frage, ob er lieber unterrichte oder auf der Bühne stehe, wägt er ab: «Einerseits sind die neuen Ideen meiner Schüler sehr erfrischend. Deren Input ist für mich wertvoll. Andererseits liebe ich es, auf der Bühne Musik zu machen: Die Kommunikation mit dem Publikum und den Musikern ist mir ein Bedürfnis.»

Känzig lebt für die Musik. Er schwärmt und sucht nach Worten: «Musik ist eine universelle Sprache. Ein A ist ein A, überall auf der Welt - egal, wer die Note spielt.» Wer dem Meilemer zuhört, kann sich seiner Begeisterung kaum entziehen. Die nächste Gelegenheit, diesen Enthusiasmus mitzuerleben, hat man bei der CD-Taufe von Känzigs neuestem Projekt, «Buenos Aires», am 8. Oktober in Zürich. CD-Taufe, Freitag, 8. Oktober, Jazzclub Moods, Schiffbaustr. 6, Zürich.

Der Meilemer Bassist Heiri Känzig wagt sich gern an grosse Projekte.

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