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Von Heidi Tschachtli und Thomas Bacher

Der Kyburger Gemeinderat möchte für das Schloss eine behindertengerechte Bus-haltestelle. Für den Kanton ist das Ortsbild wichtiger.

Von Heidi Tschachtli und Thomas Bacher Kyburg – Der Gemeinderat will in der Auseinandersetzung mit dem Kanton um eine behindertengerechte Bushaltestelle beim Gemeindehaus nicht klein beigeben. Verhandlungen mit dem Amt für Raumordnung und Vermessung verlaufen bereits seit Jahren erfolglos. Nun hat die Behörde bei der Baurekurskommission Rekurs eingelegt und verlangt ein Fachgutachten der Behindertenkonferenz des Kantons Zürich. Für Gemeindeschreiber Martin Lee ist nicht nachvollziehbar, wieso die Bushaltestelle beim Gemeindehaus nicht behindertengerecht ausgebaut werden sollte. Sie werde nicht nur von einem Grossteil der jährlich 50 000 Besucher des Schlosses genutzt. Auch die älteren Personen wären seiner Ansicht nach froh, wenn die Ein- respektive die Ausstiegshöhe reduziert würde. Ausserdem kommt es laut Lee immer wieder zu gefährlichen Situationen, weil der Bus direkt auf der Strasse anhält. Kanton verwechselte Waage Dass der Kanton eine Bewilligung verweigerte, führt der Gemeindeschreiber auf ein Missverständnis zurück. Weil der Ortskern von überkommunaler Bedeutung ist und unter Denkmalschutz steht, muss die Gemeinde für Bauten jeweils eine Bewilligung beim Kanton einholen. An der Stelle, wo die Bushaltestelle entstehen soll, befand sich einst eine alte Brückenwaage. Ein Gesuch, diese abreissen zu dürfen, lehnte der Kanton ab – mit der Begründung, die Waage sei geschützt. Davon wusste die Gemeinde aber nichts, und erst als sie einen Beweis dafür verlangte, klärte sich der Irrtum auf: Die Zuständigen beim Kanton hatten die Brückenwaage mit derjenigen einer anderen Gemeinde verwechselt. Laut Lee hätte in der Folge die Kyburger Waage ebenfalls unter Schutz gestellt werden sollen, wogegen der Gemeinderat direkt und mit Erfolg bei Regierungsrat Markus Kägi (SVP) protestierte. Die Waage ist jetzt zwar abgebrochen, doch der Kanton sperrt sich immer noch. Er begründet seine Ablehnung damit, dass sich durch eine behindertengerechte Haltestelle das Ortsbild verändern würde. Lee hält dagegen, man habe fünf Beispiele von vergleichbaren Zürcher Gemeinden gesammelt, die zeigten, dass Lösungen möglich seien, welche das Ortsbild nicht tangierten. Der Kanton zwinge Kyburg per Verfassung, eine behindertengerechte Strasse zum Schloss zu bauen, für eine entsprechende Bushaltestelle gebe es aber keine Bewilligung, meint Lee verständnislos. Für ihn sei das eine reine «Trotzreaktion» darauf, dass Kyburg im Streit um die Brückenwaage bei Regierungsrat Kägi vorgesprochen habe. Denn nach dem Abriss der Brückenwaage sei nun genug Platz für eine Haltestelle. Weil es sich um ein laufendes Verfahren handelt, will die Baudirektion keine Stellung nehmen. Grundsätzlich seien solche Fälle aber immer eine Interessenabwägung, sagt Mediensprecher Thomas Maag. Und beim Beispiel Kyburg sei es halt so, dass der Kanton das öffentliche Interesse am Ortsbild höher gewichte als den behindertengerechten Bau der Haltestelle. Auch hält er fest, dass auf der Busstrecke zwischen Effretikon und Kyburg die wenigsten Haltestellen behindertengerecht gebaut seien. In der Kantonsverfassung steht, dass Menschen mit Behinderungen Anspruch haben auf Zugang zu öffentlichen Bauten, Anlagen, Einrichtungen und Leistungen – sofern die erforderlichen Massnahmen wirtschaftlich zumutbar sind. Es gebe aber noch eine Vielzahl anderer gesetzlicher Grundlagen und Vorgaben, die im Fall Kyburg einbezogen werden müssen, sagt Maag. Zudem habe der Kanton ja schon bei der Zufahrtsstrasse zur Burg aufgrund des Ortsbilds auf einer wenig behindertenfreundlichen Kopfsteinpflästerung bestanden, während die Gemeinde asphaltieren wollte. Und genau das stösst Gemeindeschreiber Lee noch immer sauer auf. Denn einerseits sei ein Grossteil der Mehrkosten an der Gemeinde hängen geblieben. «Und wenn wir nun mal eine Werkleitung reparieren müssen, dürfen wir die teure Wiederherstellung des Belags ganz alleine bezahlen.»

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