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Von der Finanzkrise gebeuteltDie Joyce-Stiftung leidet unter der Finanzkrise

Die James-Joyce-Stiftung Zürich feiert ihren 25. Geburtstag. Doch finanzielle Sorgen trüben die Feststimmung.

Von Alexandra Kedves Vor drei Jahren war noch alles gut. Die international renommierte Zürcher James-Joyce-Stiftung konnte sich auf ein sattes Eigenkapital stützen, und ihre Unabhängigkeit war eine Selbstverständlichkeit. Damals verkündete das Robert-Walser-Archiv gerade den Umzug nach Bern, weil ihm, wie es argumentierte, in Zürich die Unterstützung fehlte. Und Archive wie die von Max Frisch, Thomas Mann oder Johanna Spyri sind ohnehin an Institutionen wie die ETH oder das Schweizerische Institut für Kinder- und Jugendmedien angeschlossen. Aber erst jetzt, zum 25. Geburtstag, muss auch die Joyce-Stiftung über die Bücher. «Die Finanzkrise hat uns arg getroffen», sagt Ruth Frehner, Co-Kuratorin der Stiftung, auf Anfrage. Das Stiftungskapital schrumpfte mit den Aktienkursen; waren es vor ein paar Jahren noch 7 Millionen Franken, so sind die Papiere jetzt nur noch einen Bruchteil davon wert. Die Stiftung will nicht abwarten, bis sie im kommenden Jahr – mit Ende der Laufzeit mancher Bankoption und dem Zwang zum Kauf abgewerteter Papiere – die volle Wucht der Entwicklung trifft. Sie hat Massnahmen ergriffen: So wurden die rund 270 Stellenprozente der Stiftung auf 200 zusammengestrichen. Das führt etwa dazu, dass die langjährigen Kuratorinnen Ruth Frehner und Ursula Zeller mehr administrative Aufgaben übernehmen müssen und Projekte ausgebremst werden. Grosse Namen zum Jubiläum «Grundsätzlich sind wir aber immer noch sehr lebendig», betont Zeller. «Der Normalbetrieb mit den Lesezirkeln, Seminaren und den Stipendiaten läuft ungekürzt weiter, solange es geht. Allerdings sind wir auf Sponsorensuche.» Das Geburtstagsfest soll da helfen: Es lockt mit der Lesung von Joyce-Texten durch Iso Camartin, Richard Reich und Dorothee Elmiger, durch Franz Hohler, Gertrud Leutenegger und Melinda Nadj Abonji, durch Adolf Muschg, Elisabeth Bronfen und Ruth Schweikert, um nur einige zu nennen; und mit der Versteigerung von Joyceana wie T-Shirts, Tassen und Büchern. Die Stadt subventioniert die Stiftung bereits mit einer tiefen Miete der Räumlichkeiten, der Kanton hat eine einmalige Jubiläumszuwendung gebilligt, aber keinen regelmässigen Zustupf. Die Mittel der öffentlichen Hand sind also quasi ausgeschöpft. «Wenn es ganz schlimm kommen sollte, müssten wir die Eingliederung in die Universität erwägen», sagt Ruth Frehner. «Was dann mit unserem Stipendiatenprogramm passieren würde, weiss ich nicht.» Erst einmal aber setzt die Stiftung auf Sponsoring. Erste Adresse in Europa Was im Mai 1985 in einer kleinen Wohnung an der Augustinergasse 28 durch die Initiative Robert Holzachs und auf der Basis von Fritz Senns privater Bibliothek begann, ist längst eine der ersten Adressen in Sachen Joyce. Die Stiftung, die heute im Strauhof beherbergt ist, verfügt über die europaweit wichtigste Forschungsbibliothek zu Joyce – und so schnell gibt man dort nicht klein bei. Der 82-jährige Stiftungsleiter Senn bietet bis heute Seminare zu «Ulysses» an, und die Kuratorinnen listen mit Enthusiasmus die geplanten Projekte auf: 25 Prozent der Briefe von Sylvia Beach an Joyce sind bereits druckfertig annotiert, der Rest ist in Arbeit; ein Konzept für eine Ausstellung liegt vor; auch die Mitarbeit bei der Revision von Hans Wollschlägers «Ulysses»-Übersetzung ist angelaufen. Und ihr Held macht Mut: Schliesslich hat er gleichfalls gegen alle Widerstände seinen Weg ins eigene Heim gemacht. 25 Jahre Zürcher James-Joyce-Stiftung: Fest mit Lesungen und Versteigerung im Literaturhaus, Freitag, 5. 11., 20 Uhr.

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