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«‹Vision Winterthur› muss irgendwann umgesetzt werden»Fischenthal und Bauma wollen ihre Abwasseranlagen zusammenlegen

Nach der geplanten Fusion der Kläranlagen muss das Wasser aus Fischenthal einen halben Kilometer weit gepumpt werden. Langfristig soll das Abwasser aus dem Tösstal in Winterthur gereinigt werden. Für Erich Meier vom Kanton ergibt die geplante Fusion trotzdem Sinn.

Nachgefragt Von Stefan Krähenbühl Bauma/Fischenthal – Dass zwei Gemeinden am selben Tag den gleichen Grundsatzentscheid fällen, kommt nicht oft vor. Schon gar nicht, wenn der Entscheid die Politik für Jahrzehnte beeinflusst. Am 6. April genehmigten die Gemeinderäte von Bauma und Fischenthal unabhängig voneinander und dennoch in klarer Übereinkunft Kredite in stattlicher Höhe. Jeweils 48 600 Franken sprachen die Räte im Namen des Volkes. Die Kredite dienen der Vorprojektierung für die Fusion der Abwasserreinigungsanlagen (ARA) Lipperschwändi von Fischenthal und Bauma-Saland. Beide sind sanierungsbedürftig, beide haben ihre Kapazitätsgrenze erreicht. Und da es weder ökologisch noch ökonomisch Sinn ergibt, zwei Anlagen zu sanieren und zu betreiben, soll in Zukunft das Abwasser aus dem Einzugsgebiet der ARA Fischenthal nach Bauma fliessen. Urnengang Anfang 2012 geplant Die Kosten, die das Grossprojekt verursacht, sind beachtlich. Die geschätzten Ausgaben belaufen sich gemäss Projektstudie in Fischenthal auf rund 3,2 Millionen, in Bauma auf 6,3 Millionen Franken. Bereits eingerechnet sind die Einkaufskosten, welche die Fischenthaler für die Beteiligung an der ARA Bauma bezahlen müssen. Im Rahmen des Vorprojeks dürfte vor allem diese Kostenverteilung auf die zwei Gemeinden für Gesprächsstoff in der Bevölkerung sorgen. «Die Kostenverteilung ist noch nicht besprochen», sagt der Fischenthaler Gemeindeschreiber Roger Winter. «Welche Berechnungen den Einkaufskosten zugrunde liegen werden, ist noch Gegenstand von Abklärungen.» Klar ist jedoch schon heute, dass die Betriebskosten für beide Gemeinden tiefer sein werden.Mit dem Kredit für ein Vorprojekt haben Bauma und Fischenthal ihre Ziele für eine gemeinsame Zukunft bei der Abwasserreinigung untermauert. Wie Projektleiter Ruedi Moser sagt, soll das Vorprojekt bis September dieses Jahres erarbeitet sein. Eine gewisse Eile tut not. Damit das Geschäft im Frühling 2012 wie geplant an die Urne gelangen kann, muss es in Bauma im Dezember vor die vorberatende Gemeindeversammlung. Auch für die weiteren Schritte besteht ein dichter Zeitplan. Im Jahr 2013 soll mit dem Bau begonnen werden, Ende 2014 dürfte der Anschluss abgeschlossen sein.Doch wie muss man sich die Zusammenlegung von zwei Kläranlagen vorstellen? Die Anlage der Gemeinde Fischenthal wird zurückgebaut. Über eine Rohrleitung wird das Abwasser in die Kanalisation der Gemeinde Bauma eingespeist. Dazu muss zwischen der Anlage Lipperschwändi und der Baumer Abwasserrohre eine Verbindungskanalisation gebaut werden. Das Abwasser beider Gemeinden wird dann in der Anlage Bauma gereinigt, deren Kapazität von 6000 Einwohnern auf 10 000 Einwohner vergrössert wird. Mit der Erweiterung der Baumer Anlage geht eine Prozessanpassung einher. Bislang arbeitet die ARA wie auch ihr Pendant in Fischenthal mit einem Nachklärbecken als letzte Stufe des Reinigungsverfahren. Von da wird das Wasser in die Töss gelassen. Zusätzlicher Filter «In Zukunft wird die Anlage in Bauma eine zusätzliche Filtration haben», sagt Moser. «Wir wollen auf zukünftige Vorschriften vorbereitet sein.» Tatsächlich überarbeitet der Bund zurzeit die Vorgaben für den Betrieb von Kläranlagen. Die geplante Filtration dürfte demnächst ein gesetzlicher Standard sein. Gerade weil man auf zukünftige Vorschriften vorbereitet sein will, wird die Anlage in Bauma auch sonst auf den neusten Stand gebracht. Das gereinigte Wasser wird über rund ein halbes Dutzend Rohre in die Töss eingespeist. Heute ist es in Fischenthal und Bauma je ein Rohr. Der Nachteil davon: Weil das Wasser bei tiefem Wasserstand schneller versickert, kann eine konzentrierte Menge das Grundwasser leichter verschmutzen. «Bei mehreren Zuläufen vermischt sich das Wasser sofort viel besser», sagt Moser. Der Anschluss der Fischenthaler Kanalisation an Bauma ist kein Novum. Wie Erich Meier vom Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft sagt, haben sich in den letzten Jahren mehrere Kläranlagen im Kanton zusammengeschlossen (siehe Nachgefragt). Ausserdem wird in Bauma ein Teil des Abwassers aus Bäretswil, Hittnau, Wildberg und Wila gereinigt. Wasser nach Winterthur Der Anschluss von Fischenthal an Bauma bleibt aber eine vorläufige Lösung in der Abwasserpolitik. In 20 bis 25 Jahren, wenn die Anlage in Bauma erneut saniert werden muss, soll das Abwasser aus dem oberen Tösstal konzentriert nach Winterthur geleitet werden. Doch bis diese Vision spruchreif ist, wird noch viel Wasser die Töss runterfliessen. Mit Erich Meier sprachStefan Krähenbühl Herr Meier, die geplante Kläranlagen-Fusion bringt Bauma und Fischenthal sowohl ökologische als auch ökonomische Vorteile. Warum passiert sie erst jetzt? Das liegt am Umdenken in den letzten Jahren. Die Gemeinden arbeiten heute stärker zusammen. Es kam zu mehreren Zusammenschlüssen von Kläranlagen im Kanton. Der Anschluss gilt als erster Schritt zu einer Zusammenlegung der beiden Gemeinden mit Winterthur in 20 bis 25 Jahren. Ist die geplante Fusion lediglich als eine Übergangslösung zu betrachten? Nein, das wäre die falsche Einstellung. Der Anschluss an Bauma ist aktuell die beste Lösung. Und doch muss die «Vision Winterthur» irgendwann umgesetzt werden. Dieses Ziel dürfen wir nicht aus den Augen verlieren. Warum lässt sich die «Vision Winterthur» nicht schon heute realisieren? Das ist in vor allem eine Frage der Finanzierung. Wir sprechen von einem Projekt mit einem geschätzten Volumen von 80 Millionen Franken. Zudem braucht ein solch grosses Projekte viel Zeit. Und diese Zeit haben wir in Fischenthal und Bauma nicht. Der Handlungsbedarf ist zu gross. Für das Projekt Bauma-Fischenthal muss das Wasser aus der Gemeinde Fischenthal über 500 Meter gepumpt werden. Macht das ökologisch Sinn? Unter dem Strich schon. Weil die Anlage in Bauma grösser wird, wird sie automatisch ökologischer. Und weil Fischenthal ein gutes Trennsystem hat, wird nur reines Abwasser gepumpt. Diese Menge ist überschaubar. Woran könnte das Projekt noch scheitern? Der einzige Knackpunkt ist das Volk. Und auch nur dann, wenn es die Autonomie seiner Gemeinde über alle ökologischen Aspekte setzt. Was würde ein Scheitern der geplanten Fusion bedeuten? Dass die «Vision Winterthur» auch in zwanzig Jahren nicht umgesetzt werden kann. Und dass sich die nächste Generation mit denselben Problemen auseinandersetzen muss, wie wir es heute tun müssen. Erich Meier leitet die Sektion Abwasserreinigungsanlagen beim kantonalen Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft.

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