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Viertelstundentakt ist am See laut ETH-Studenten möglich

Auf Initiative der FDP haben junge Verkehrsplaner die S-Bahn untersucht. Ihr Fazit widerspricht dem des ZVV.

Von Marius Huber Für Pendler an der Goldküste ist Ärger fast der Normalzustand – wahlweise wegen der verstopften Seestrasse oder wegen der überfüllten S-Bahn. Die Mängel im Bahnverkehr greift jetzt, just ein halbes Jahr vor den Kantonsratswahlen, die FDP des Bezirks Meilen erneut als Thema auf. Sie versucht Dampf zu machen für einen ganztägigen Viertelstundentakt zwischen Stäfa und Zürich, wie ihn andere Regionen schon heute haben. Weil aber die Experten des Zürcher Verkehrsverbunds (ZVV) bisher konsequent den Standpunkt vertraten, dies sei in absehbarer Zukunft nicht realistisch, haben sie kurzerhand ihre eigenen Experten aufgeboten: Neun junge ETH-Studenten der Verkehrsplanung, die sich im Rahmen ihrer Bachelor-Arbeit des Themas angenommen haben. Das Fazit der Nachwuchswissenschaftler fasst die FDP in einer Medienmitteilung so zusammen: Es sei nicht nur dringend nötig, den Fahrplan am rechten Seeufer zu verdichten, sondern auch machbar. Das Ei des Kolumbus bestünde demnach im Bau eines zweiten Gleises bis nach Meilen. Kostenpunkt: 50 Millionen Franken. Der ZVV will bis 2015 ohnehin für 35 Millionen ein Wendegleis in Herrliberg bauen, um den Viertelstundentakt wenigstens zu Stosszeiten zu ermöglichen. Dieser Gleisbau, so die Studenten, liesse sich günstiger realisieren und gleich bis Meilen ausdehnen. Der verdichtete Fahrplan könnte dann nach ihrem Dafürhalten den ganzen Tag aufrechterhalten werden. Diese Einschätzung freut Susan Tanner von der FDP Männedorf, treibende Kraft in Sachen S-Bahn-Ausbau. Einen Viertelstundentakt nur zu Stosszeiten hält sie für «Pflästerlipolitik». Man könne die Leute doch nicht «wie in Japan mit weissen Handschuhen in die vollen Züge stopfen». Die FDP wolle den öffentlichen Verkehr nicht zuletzt deshalb stärken, weil es den Automobilisten seitens der Zürcher Stadtregierung immer schwieriger gemacht werden, die Stadt zu erreichen. «Irgendwie müssen wir ja in die City kommen.» Kleinere Sicherheitsmarge? Nicht zu irritieren scheint es Tanner, dass die Lösung der ETH-Studenten in klarem Widerspruch zu den Ansichten der ZVV-Experten steht. Laut diesen genügt ein zweites Gleis nicht für einen durchgängigen Viertelstundentakt am rechten Seeufer. Denn das Problem liege anderswo: Im Bahnhof Stadelhofen, der heute ein eigentliches Nadelöhr ist. Hier müssten erst ein unterirdisches viertes Gleis und eine zusätzliche Tunnelröhre gebaut werden, für etwa eine halbe Milliarde Franken. Das ist derzeit nicht mehr als Zukunftsmusik. Dominik Brühwiler, Leiter Verkehrsplanung beim ZVV, hat die ETH-Studie zwar noch nicht zu Gesicht bekommen. Er vermutet aber, dass die Autoren mit Zeitabständen zwischen den Zügen gerechnet haben, die aus Sicht der Bahnbetreiber ein «zu grosses Risiko» wären. Trotzdem lassen Tanner und die FDP die Ergebnisse der Studie womöglich in eine hängige Behördeninitiative einfliessen, mit der sie ihr Anliegen noch einmal in den Kantonsrat bringen wollen.

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