Zum Hauptinhalt springen

Uto Kulm: Mit Ketten und Blockaden den Abbruch verhindern In Greenpeace-Manier den Teilabbruch des Uto Kulms verhindern

Der Uetliberg-Verein will verhindern, dass Giusep Fry seine Bauten abbrechen muss. Kritik setzt es nun für Baudirektor Markus Kägi ab – aus der eigenen Partei.

Von Stefan Häne Zürich/Stallikon – Es ist die Ankündigung zivilen Ungehorsams: 100 Mitglieder des Uetliberg-Vereins haben an ihrer Versammlung der vergangenen Woche «Kampfmassnahmen» in Aussicht gestellt, falls Tatsache werden sollte, was die Gemeinde Stallikon aufgrund eines Bundesgerichtsurteils verfügt hat: dass Uto-Kulm-Hotelier Giusep Fry seine illegal erstellten Bauten abbrechen muss, also den Wintergarten auf der Südterrasse und die Verglasung der Rondoterrasse (TA vom 27. Mai). «Wir müssen uns mit aller Kraft wehren», sagt Roger Liebi, Präsident des Uetliberg-Vereins und der Stadtzürcher SVP. Denkbar sei, mit Menschenketten oder Sitzblockaden den Baggern den Weg zu versperren. Eine weitere Option: sich in Greenpeace-Manier ans Hotel Uto Kulm anzuketten. Liebi betont, es handle sich erst um eine Absichtserklärung «vieler höchst erzürnter Mitglieder» des Vereins. Der SVP-Politiker wird an vorderster Front gegen den Abbruch kämpfen, «sofern sich der Widerstand in einigermassen legalem Rahmen bewegt». Der Uetliberg-Verein kritisiert, es würden mutwillig Dutzende von Arbeitsplätzen aufs Spiel gesetzt. Und er erinnert an die Zeit vor der Ära Fry, als der Uetliberg bedeutend weniger attraktiv gewesen sei als heute. Die Bauten abbrechen und mit einer Bewilligung wieder aufbauen – «damit wäre niemandem gedient», ist Liebi überzeugt, «weder Fry und den Arbeitnehmenden noch den Wanderern und Uetliberg-Touristen». Zwist unter Parteikollegen Der Uetliberg-Verein fordert den Regierungsrat darum auf, den Abbruchentscheid der Gemeinde Stallikon zu korrigieren. Liebi macht keinen Hehl aus seinem Ärger über die Baudirektion, «die geschlafen hat». Dass er damit seinen Parteikollegen, Baudirektor Markus Kägi, angreift, kümmert ihn nicht: «Ich schone niemanden.» Der Gipfel des Uetlibergs gehört nach einem Entscheid des Kantonsrats neu einer Erholungszone an, die mehr Rummel zulässt als zuvor die Landwirtschaftszone. Was noch fehlt, ist der Gestaltungsplan, mit dessen Festsetzung die federführende Baudirektion frühestens im Herbst rechnet. Weil Rekurse möglich sind, können noch zwei, drei Jahre verstreichen, bis er in Kraft tritt. Zudem wollen der Kanton, die Stadt Zürich sowie Stallikon und Uitikon mit Fry in einem Nutzungsvertrag regeln, was auf dem Uto Kulm erlaubt sein soll. Weil es zu lange dauere, bis der Gestaltungsplan feststehe, ärgert sich Liebi, sei Stallikon nichts anderes übrig geblieben, als den Abbruch zu verfügen. Kägi ist anderer Meinung. Ein Versäumnis der Baudirektion stellt er in Abrede. Alle beteiligten Akteure verhandelten seit längerer Zeit über den Entwurf des Gestaltungsplans und des Nutzungsvertrags, sagt er. Der Regierungsrat verfolge das Ziel, die Ansprüche der breiten Öffentlichkeit am Uto Kulm zu sichern. «Dieser Weg ist, vom Kantonsrat gutgeheissen, demokratisch legitimiert.» Fry sitzt im Vereinsvorstand Im Visier des Uetliberg-Vereins ist auch der Verein Pro Uetliberg und dessen Präsidentin Margrith Gysel, die Fry seit Jahren juristisch bekämpft und die Rückbauverfügung «provoziert» habe. An der Versammlung war die Rede von einer persönlichen Fehde. Gysel weist diesen Vorwurf zurück: «Wir wollen nur sicherstellen, dass gleiches Recht für alle gilt.» Mit den angedrohten Kampfmassnahmen «disqualifiziert sich der Uetliberg-Verein total», findet Gysel. Es zeige sich darin ein «eigenartiges Verständnis von Rechtsstaatlichkeit», dies ausgerechnet bei einem Verein, der in der Hand der SVP sei – jener Partei, die den Rechtstaat sonst bei jeder Gelegenheit beschwöre. Mit Vizepräsident Fredy Lienhard, Gemeinderat in Uitikon, stellt die SVP in der Tat eine zweite gewichtige Kraft. Und noch ein bekanntes Gesicht gehört dem Verein an, als Beisitzer im Vorstand: Giusep Fry.

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch