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Unschweizerische Zustände in Stäfa

Glosse Es war sein erster 1. August als Schweizer. Nicht, dass man ihm vorher angemerkt hätte, dass er deutscher Staatsbürger war. Er ist an der Goldküste aufgewachsen, spricht akzentfreies Züritüütsch. Aber seit einigen Monaten ist es amtlich: Er besitzt den roten Pass – und ist bereits schweizerischer als viele Schweizer. Er hängte die Fahne seines neuen Heimatlandes vors Haus, kaufte einen Vulkan und Cervelats. Am Abend begab er sich mit seiner Freundin auf die Stäfner Risi, um die Würste zu braten und das Höhenfeuer zu sehen. Doch alle Grillstellen waren besetzt, und eine Gruppe hatte gar alles Brennholz bei sich gehamstert. Also fragte das Paar, ob auf dem Rost noch ein Ecklein frei sei. «Kein Platz», lautete die knappe Antwort. Offenbar wussten diese Grill-Vögte nicht, was am 1. August gefeiert wird. Bestimmt war ihnen auch der Bundesbrief von 1291 nicht bekannt, in dem sich die Eidgenossen «angesichts der arglistigen Zeit zu gegenseitigem Beistand mit allen Kräften verpflichtet» haben. So gingen die zwei Neo-Schweizer nach Hause, um Schweizer Werte hochzuhalten: Sie luden ihre Nachbarn zum Essen auf der Gemeinschaftsterrasse ein. (bel)

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