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Totonero im Quadrat

Italien Wettskandalmit Ansage. Von Oliver Meiler Die lange Sommerpause ist gerettet, zumal für drei italienische Sportgazetten: Der Calcio hat seinen Skandal. Wenn es auch nicht der erste ist und den Tifosi ohnehin nur wenige Illusionen geblieben sind seit den vielen Geschichten um geschobene Spiele aus den letzten Jahrzehnten: «Last bet» (Letzte Wette), wie die Affäre nach dem Dossier der ermittelnden Staatsanwaltschaft von Cremona genannt wird, verheisst viele unangenehme Enthüllungen – über bekannte Namen grosser Spieler, ehemaliger und aktueller, über dubiose Spiele und zweifelhafte Vereine. Genügend Stoff jedenfalls für einen Sommer. Giancarlo Abete, der Chef des Fussballverbands, wünschte sich am Montag eine möglichst schnelle Aufarbeitung, damit er die nächsten Meisterschaften organisieren könne. Vielleicht ist er etwas gar optimistisch. Nun macht es nämlich den Anschein, dass nicht nur die zweite und dritte Division des Calcio, die Serie B und die Lega Pro also, vom Skandal betroffen sind, wie es zu Beginn hiess, sondern auch Begegnungen der höchsten Spielklasse, der Serie A. In einigen Telefonaten, bei denen die Ermittler aus Cremona mithörten, reden die Mittler und Schieber der mutmasslich kriminellen Bande auch über grosse Matches. Im Fall des Spiels Brescia gegen Bologna vor einigen Monaten konnten sie zum Beispiel das Resultat aufs Tor genau voraussagen: 3:1. Und da sich nach jenem Telefonat drei weitere besprochene Prognosen als präzise erweisen sollten, dürfte der Zufall ausgeschlossen sein. Aber eben: So wirklich überrascht ist in Italien niemand. Seit den Zeiten des «Totonero» zu Beginn der 1980er-Jahre, als Sportwetten noch illegal waren und sich Spieler mit dunkler Schieberei bereicherten, hat sich das Wettgeschäft revolutioniert. Mittlerweile kann man auch in Italien auf fast alles wetten, ganz legal. Für Fussballprofis gilt das zwar nicht. Gemäss Artikel 6 des Kodex der Sportjustiz drohen ihnen 18 Monate Sperre, wenn sie beim Wetten erwischt werden. Doch manche umgehen das Verbot, indem sie über Drittpersonen wetten. Oder indem sie ihr Spiel in den Dienst der Wettmafia stellen, die sie dafür entlöhnt. Besonders gross soll die Versuchung unter Spielern der tieferen Ligen sein, wo die Saläreetwas weniger üppig ausfallen als in der Serie A. Neu sind auch die vielen Wettmöglichkeiten. Früher konnte man auf Sieg, Unentschieden oder Niederlage wetten – 1, X oder 2. Heute gibt es Einsätze auf das Resultat der ersten Halbzeit, solche auf das genaue Endergebnis, solche auf «Over 2,5» oder «Under 2,5» – bis und mit zwei oder drei und mehr Tore in einem Spiel. Auf Asiens Wettmärkten, wo am meisten Geld fliesst, werden im Jahr mehrere Hundert Milliarden Dollar gesetzt. In Italien registrieren die Wettbüros zuweilen für ein einziges Spiel der Serie B Einsätze über mehrere Millionen Euro, was den Verdacht nährt, dass die Mafia in diesem Geschäft viel schmutziges Geld wäscht.Die Onlineportale der italienischen Zeitungen publizieren die Protokolle der abgehörten Telefongespräche und schalten gleich daneben Ausschnitte der betroffenen Spiele. Da sieht man mitunter sehr unbedrängte Handspiele im eigenen Strafraum, die dem abgesprochenen Resultat dienlich sind. Man sieht auch Torhüter, die sehr motiviert in die falsche Ecke hechten und sich dann fürchterlich ärgern. Kein schöner Stoff, aber einer, der die lange Sommerpause füllt. Man sieht Torhüter,die sehr motiviert in die falsche Eckehechten und sich dann fürchterlich ärgern.

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