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Tempo-30-Zone verzögert sich weiter

Die Verkehrsberuhigung, die Wetzikon im Juni einführen wollte, wird in diesem Jahr wohl kaum mehr verwirklicht.

Von Michael von Ledebur Wetzikon – Eigentlich hätte es auf diesen Sommer hin ruhiger werden sollen auf den Wetziker Strassen südlich der S-Bahn-Linie. Auf Juni hin war auf sämtlichen Strassen mit Ausnahme der Guyer-Zeller-Strasse die Einführung von Tempo 30 geplant. Doch dazu kommt es nicht. Die Ausführung werde sich auf unbestimmte Zeit verzögern, sagt Kurt Utzinger, stellvertretender Gemeindeschreiber. Der Grund für die Verzögerung sind Rekurse, die gegen bauliche Massnahmen im Zusammenhang mit der 30er-Zone eingegangen sind. Die Rekurrenten – vier an der Zahl – fordern insbesondere den Verzicht auf sogenannte Kissen: breite Schwellen, die die Automobilisten zum Abbremsen zwingen. «Bauamt ist zu linientreu» Einer, der sich über die Verzögerung ärgert, ist Grüne-Präsident Jürg Reichel. Ihn stören aber nicht etwa die Rekurrierenden. Seiner Ansicht nach liegt die Schuld bei der Gemeinde. «Das Wetziker Tiefbauamt ist viel zu linientreu», moniert er. Die baulichen Massnahmen seien unnötig. Andernorts würden ohne viel Federlesens Tempo-30-Zonen eingeführt. Es brauche lediglich ein Tempo-30-Schild und in den ersten Monaten zusätzlich einige Kontrollen durch die Polizei, «dann pendelt sich das rasch ein». In anderen Gemeinden gehe es auch, sagt Reichel: «Ich zahle dem Gemeinderat gerne ein Billett nach Uster, Rüti oder Pfäffikon. Dort gibt es genügend Ansichtsbeispiele.» Für Jürg Reichel ist es kein Zufall, dass Wetzikon die einzige Gemeinde im Oberland ohne Tempo-30-Zone ist. Er hat die Gemeinde im Verdacht, die Einführung absichtlich zu torpedieren – indem sie auf baulichen Massnahmen bestehe. Es sei von vornherein absehbar gewesen, dass es dagegen Rekurse geben würde. Reichel: «Diese Verzögerung ist gewollt.» «Stimmt überhaupt nicht» Ein Vorwurf, den Kurt Utzinger nicht auf der Gemeinde sitzen lässt. «Das stimmt überhaupt nicht», sagt er. «Ohne Kissen würde die Kantonspolizei die Tempo-30-Zone schlicht nicht verfügen.» Und es sei erwiesen, dass eine Tafel und Kontrollen nicht ausreichten, um die Umsetzung zu gewährleisten. In anderen Gemeinden gebe es zwar Beispiele, wo eine Tempo-30-Zone ohne bauliche Massnahme möglich gewesen sei, «aber beim konkreten Fall in Wetzikon ist dies anders». Man habe dem Bezirksrat die vollumfängliche Abweisung der Rekurse beantragt. Es sei unklar, bis wann dieser entscheide. Und natürlich bestehe die Möglichkeit, dass die Rekurrenten den Fall an die nächste Instanz weiterzögen. Bei der Kantonspolizei bestätigt man auf Anfrage, dass eine Tempo-30-Zone im fraglichen Gebiet bauliche Massnahmen voraussetzt. Entscheidend ist dabei ein Durchschnittswert: Die vorgeschriebene Geschwindigkeit müsse bei den Messungen von mindestens 85 Prozent der Verkehrsteilnehmer eingehalten werden, heisst es bei der Kantonspolizei. Dies sei im Fall von Wetzikon «auf diversen Strassenabschnitten nicht der Fall» gewesen. Deshalb seien die Kissen unabdingbar.Auch Quartiervereinspräsident Erich Huber macht der Gemeinde keinen Vorwurf. Früher sei der Gemeinderat klar gegen Tempo 30 gewesen, doch diese Haltung habe er inzwischen aufgegeben. Er sperre sich nicht mehr gegen die Umsetzung der Initiative Hitz. Huber: «Wir sind froh um diese Kehrtwende.»Gemischte Gefühle hegt Huber gegenüber den Rekurrenten. «Es ist eine leidige Sache», sagt er. Vieles hänge davon ab, wie rasch der Bezirksrat entscheide und ob die Rekurrenten die Sache weiterzögen. Verhindern könnten sie das Projekt ohnehin nicht – nur verzögern. Huber: «Es ist noch kaum je vorgekommen, dass Rekurrenten ein Tempo-30-Projekt zu Fall gebracht haben.» Am 8. Februar 2004 haben die Wetziker Stimmbürger ein Tempo-30-Konzept für verschiedene Quartiere an der Urne abgelehnt. Drei Jahre später forderte René Hitz in einer Initiative die Einführung von Tempo 30 in allen Gemeindestrassen südlich der Bahnlinie. Der Gemeinderat lehnte die Initiative ab. Hitz rekurrierte mit Erfolg, und am 3. März 2008 stimmte die Gemeindeversammlung der Initiative deutlich zu. Vorgesehen war, die Zone bis Juni 2011 einzurichten – mit Ausnahme der Guyer-Zeller-Strasse, die während der anstehenden Sanierung der Rapperswilerstrasse als Umfahrungsstrasse dienen muss.Im vergangenen Herbst forderten zudem Anwohner in einem Brief ein Fahrverbot für die Güetlistrasse. Sie wurden vom Gemeinderat auf die Einführung von Tempo 30 als Verkehrsberuhigungsmassnahme verwiesen. (TA) Langsamerer Verkehr und weniger Lärm – viele Anwohner warten darauf, zum Beispiel auch jene an der Güetlistrasse. Foto: N. Zonvi

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