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Telefon-Tüftler sucht Nachfolger

Der Hinwiler Walter Linggi hat das SOS-Telefon an den Autobahnen erfunden. Mit 77 Jahren will er seine Firma jetzt weitergeben.

Von Michael Soller Hinwil – Heute gibt es in der Schweiz mehr Mobiltelefone als Einwohner. Die klassischen ehemaligen PTT-Telefonkabinen verschwinden immer häufiger von öffentlichen Plätzen und Bahnhöfen. Dass aber nicht alle fest installierten Telefone zu Auslaufmodellen gehören, beweist die Hinwiler Firma Telbit. Das Unternehmen hat sich seit 33 Jahren auf die Entwicklung von wetter- und vandalenfesten Anmeldetelefonen spezialisiert und generiert auch im Handyzeitalter einen Millionenumsatz. «Ich war in den 60er-Jahren der Erfinder und Erbauer des weltweit ersten vollelektronischen Telefons», sagt Geschäftsführer Walter Linggi stolz. Er ist auch der Vater der über 3500 orangen Notrufsäulen, die seit 1966 alle zwei Kilometer beidseitig längs der Nationalstrassen im Einsatz sind. Der Telekommunikationsmarkt hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert, doch die Produkte aus Hinwil sind noch immer gefragt. 30 Millionen Umsatz ausgelöst Telbit ist ein schlankes 4-Personen-Unternehmen, das die Einzelteile seiner Geräte dezentral fabrizieren lässt, selbst prüft und programmiert. Die Installation hingegen ist Sache der über 1700 Elektro-Partnerfirmen in ganz Europa. Das Unternehmen erwirtschaftet seit Jahren einen Jahresumsatz von rund einer Million Franken. Zähle man jedoch den durch die Telbit-Aufträge generierten Umsatz bei den Elektro-Partnern dazu, steige die Zahl auf über 30 Millionen Franken, rechnet Linggi vor. Gründe für den Erfolg sieht er in der vielfältigen Produktpalette, der kundenspezifischen Auslieferung sowie der fortwährenden Beratung. Vandalensicheres Gerät Grosse Nachfrage geniessen Linggis patentierte vandalenfeste Freisprechtelefone für Bahnen, Spitäler, Banken, Kraftwerke und das Polizeiwesen – hergestellt aus Baugruppen in mehr als 80 Varianten. Die Telbit-Chromstahltelefone bieten hohen Schutz vor Zerstörung. «Es gibt auf dem Markt kein vergleichbares Produkt», sagt Linggi. Deshalb kaufen auch Kunden aus dem Ausland die Telefone aus Hinwil. Linggi hat Spitäler in Moskau oder Madrid mit Telefonen für sterile Räume ausgerüstet sowie die Wiener und die Stuttgarter Strassenbahn mit Bahntelefonen. Telbit liefert zudem Ruf-Säulen für Taxiunternehmen oder mobile SOS-Säulen für Schwimmbäder. Auch Lifte werden mit Spezialtelefonen ausgerüstet. Aus Sicherheitsgründen ist Linggis Firmen-Telefonnummer standardmässig in allen ausgelieferten Freisprechtelefonen vorinstalliert, die automatisch wählen. Dies hat seinen guten Grund. Linggi erinnert sich an einen Fall, als ihn eine Frau an einem Samstag um 17 Uhr aus einem Lift in einem Tessiner Einkaufscenter anrief – und deshalb aus ihrer misslichen Lage befreit werden konnte. Eine weitere Spezialität aus dem Hause Telbit sind Telefon-Melde-Fernschaltgeräte, mit denen Kunden beispielsweise die Heizung ihrer Ferienwohnung über das Telefon ein- und ausschalten können. Gesucht wird ein Erfinder Der Tüftler hat sich im unteren Stockwerk seines Wohnhauses in Hinwil ein eigenes Prüf- und Entwicklungslabor eingerichtet, mit einer Vielzahl von technischen Messgeräten. Auch mit seinen 77 Jahren ist er ideenreich. Unter anderem sieht Linggi weiteres Potenzial für seine SOS-Telefone, beispielsweise in Tiefgaragen. Für seine vielen zukünftigen Projekte sucht er nun einen geeigneten Nachfolger. Die Suche gestaltet sich bis heute schwierig, da Linggi sehr genaue Vorstellungen von dieser Person hat. Er wünscht sich nach seinem Vorbild einen praxisbegabten, unternehmerisch denkenden Erfinder und Realisator mit einer fundierten Fernmelde-Grundschulung. «Ich war in den 60er-Jahren der Erfinder und Erbauer des weltweit ersten vollelektronischen Telefons.» Walter Linggi In seinem Wohnhaus in Hinwil erfindet Walter Linggi seit 33 Jahren neue Telefone.Foto: Nicolas Zonvi

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