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Swissair Nr. 1 fliegt von Dübendorf aus Von Zürich nach St. Moritz

Die Comte AC-4 «Gentleman» mit dem Rufzeichen HB-IKO ist eines der historisch wichtigsten Flugzeuge der Schweiz. Bis November steht sie noch im Air Force Center Dübendorf, dann kommt sie voraussichtlich ins Verkehrshaus Luzern.

Flugpionier Alfred Comte Von Jérôme Stern Alfred Comte wurde am 4. Juni 1895 in Delsberg geboren. Schon als Achtzehnjähriger ging er nach Paris, um dort fliegen zu lernen. Fliegen war damals noch eine sehr abenteuerliche Angelegenheit. 1913 erhielt er das Schweizer Flugbrevet Nr. 43. Mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs kehrte er in die Schweiz zurück und diente bei der Fliegertruppe zuerst als Pilot, dann als Fluglehrer. Nach dem Krieg gründete er mit einem seiner Flugschüler, Walter Mittelholzer, die Firma Comte, Mittelholzer und Co. Mit zwei deutschen Kriegsflugzeugen boten sie einen Passagierdienst zwischen Zürich und St. Moritz an – den ersten kommerziellen Flugdienst der Schweiz. Aus dieser Keimzelle entstand 1931 schliesslich die Swissair. Alfred Comte schied jedoch schon bald aus der Firma aus, um 1926 in Oberrieden seine eigene Flugzeugfabrik zu gründen. Seine Flugzeuge waren zwar wegen ihrer guten Flugeigenschaften geschätzt, doch musste er auch schwere Rückschläge hinnehmen. Die Wirtschaftskrise machte den Konkurs der Firma 1935 schliesslich unumgänglich. Ab 1946 leitete er in Spreitenbach seine neue Flugschule, bis er 1950 das Fliegen aufgeben musste. Alfred Comte starb am 1. November 1965 in Zürich. Der weltberühmte Fotograf Michel Comte ist sein Urenkel. Von Jérôme Stern Dübendorf – Sie ist das allererste Flugzeug der 1931 gegründeten Swissair, sie ist das erste in Serie gebaute Flugzeug der Schweiz, und sie fliegt seit achtzig Jahren: Die Comte AC-4 ist das älteste noch fliegende Flugzeug im Originalzustand in Europa. Heute steht sie genau dort, wo sie am 18. September 1930 ihren Erstflug hatte, beim Militärflughafen Dübendorf. Dass die Maschine im leuchtenden Swissair-Rot noch immer rüstig ist und dass ihr 7-Zylinder-Sternmotor noch immer lautstark brummt, ist das Verdienst des Fokker-Teams. Die Mitglieder dieses Teams taten sich 1968 zusammen, um sich um die Pflege von fliegenden Oldtimern zu kümmern. Die meisten sind ehemalige Techniker der Swissair. Henry Saladin, früher Kapitän bei der Swissair, jetzt Chef der Wartung und Technik beim Fokker-Team, erzählt: «An die AC-4 kann ich nur unsere ältesten Techniker lassen, nur die haben noch das Fachwissen von damals», er schmunzelt, «der jüngste ist von ihnen ist fünfundsiebzig.» Nach Dübendorf geschleppt Die Geschichte des kleinen Vogels beginnt in Oberrieden am Zürichsee. Dort gründete der Schweizer Flugpionier Alfred Comte 1926 seine Flugzeugfabrik, um seinen grossen Traum zu verwirklichen: Er wollte das erste serienmässig gebaute Flugzeug der Schweiz herstellen. Nach dem Bau von diversen Einzelstücken gelang ihm mit der Comte AC-4 der Durchbruch. Die Maschine wurde in einer Serie von elf Stück gebaut. Wegen ihrer gutmütigen Flugeigenschaften und der geschlossenen Kabine bekam sie den Übernamen «Gentleman». Zum Militärflughafen Dübendorf hatte Alfred Comte eine besondere Verbindung, wie Saladin erklärt: «In Oberrieden gab es keinen Flugplatz, deshalb liess Comte die neuen Flugzeuge mit dem Pferdekarren zum Erstflug nach Dübendorf schleppen. 1931 kaufte Walter Mittelholzer, der berühmte Schweizer Flieger, eine AC-4 für seine Luftlinie Ad Astra Aero. Viele seiner legendären Flugfotografien wurden aus diesem Flugzeug aufgenommen. Als seine Luftlinie zusammen mit der Balair zur Swissair fusionierte, war die AC-4 die erste Maschine der Swissair. 1948 verkaufte man das Flugzeug, in der Nachkriegszeit war kein Bedarf mehr an der langsamen Maschine. So gelangte die AC-4 schliesslich in deutschen Privatbesitz. Für das 1981 anstehende 50-Jahr-Jubiläum kaufte die Swissair ihre erste Maschine wieder zurück, und das Fokker-Team übernahm die Totalrevision. Bald flog das rote Flugzeug wieder genauso zuverlässig wie früher. Vom Prestigeobjekt zur Altlast Mit dem Grounding der Swissair und der anschliessenden Liquidation begannen neue Probleme: Der Sachwalter Karl Wüthrich verkaufte das Flugzeug an die SR Technics, doch dort hatte man wenig Sinn und Geld für Tradition. Saladin erinnert sich: «Der CEO der SR Technics wollte das kleine rote Flugzeug und alles, was nach Swissair aussah, loswerden.» Das Fokker-Team musste die Maschine 2009 nach Dübendorf verfrachten. «Das Fliegermuseum bot uns Unterschlupf, doch wir brauchen jährlich 15?000 Franken, um die AC-4 flugtüchtig zu erhalten.» Schliesslich entschied sich die SR Technics, das historische Flugzeug dem Verkehrshaus Luzern zu schenken. Doch wo die Maschine stationiert wird und ob sie weiter fliegen wird, ist noch unklar. «Bis November bleibt das Flugzeug in Dübendorf, dann müssen wir weitersehen», meint Saladin. «Auf jeden Fall starten wir am 18. September mit der Comte AC-4, denn dann hat sie ja Geburtstag.» Das kleine rote Flugzeug hat schon viel erlebt, und wenn Flugzeuge sprechen könnten, dann wäre seine Geschichte diejenige des Aufstiegs und Falls der Swissair. Henry Saladin vor der Comte AC-4, dem legendären ersten Flugzeug der Swissair. Foto: Nathalie Guinand

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