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Stresstest für die Schleiereulen-Küken

Die vier Schleiereulen, die in ihrem Brutkasten in Bonstetten beobachtet werden können, sind bald flügge. Höchste Zeit also, sie zu beringen.

Von Helene Arnet Bonstetten – Die vier kleinen Eulen können einen das Fürchten lehren. Sie fauchen, zischen und schauen mit ihren grossen Augen sehr empört drein. Hoch oben sitzen sie in ihrem Brutkasten, der in einer Scheune am Weg nach Islisberg angebracht ist. Und Bauer Werner Locher hat soeben das Schlupfloch verschlossen, vor dem die Küken sassen, um sich im Lüftchen, das dort hineinzog, etwas abzukühlen. Nun zetern sie also aus der Dunkelheit und der Bruthitze ihres Kastens, welche am Dienstagabend um halb elf Uhr noch herrschte. All das lässt sich bequem in Lochers «Eulenkafi» besichtigen. Der passionierte Vogelkundler Peter Kern hat nämlich in und beim Nistkasten drei Infrarotkameras installiert, welche direkt aus der Eulen-Kinderstube senden (TA vom 11. Juni). Und in dieser Kinderstube ist eben gerade der Teufel los. Wer die Kleinen zetern hört und sieht, wundert sich nicht, dass die Mutter, wenn immer möglich, Reissaus nimmt. «Sie betteln sie ununterbrochen an», erzählt Locher. «Das geht ihr voll auf die Nerven.» Dabei schleppe sie unermüdlich riesige, fette Feldmäuse an. Geschlüpft sind zwischen dem 19. und 29. Mai fünf Küken. Das Kleinste ist nach einigen Tagen gestorben – es wurde wohl von seinen Geschwistern gefressen. Im Nistkasten fehlt von ihm auf alle Fälle jede Spur. Locher sperrt die Kleinen nicht aus disziplinarischen Gründen ein. Sie sollen beringt werden. Die Vogelwarte Sempach will damit eine genauere Beobachtung der in ihrem Bestand bedrohten Schleiereulen ermöglichen. Für die Beringung ist im Auftrag der Vogelwarte Markus Furrer aus Mettmenstetten zuständig. Er klettert mit angeschnallter Stirnlampe eine Leiter hoch zur Hinterseite des Kastens und öffnet diesen einen Spalt weit. «Ouhh, wie das stinkt!» «Ouhh, wie das stinkt!», ruft er. «Hier liegen mehrere tote Mäuse.» Die Küken verstummen schlagartig. Sie sind nun mucksmäuschenstill und schauen wie gebannt auf die riesige Hand, die von dort, wo immer nur ein Brett war, nach ihnen greift. Zeit, sich tot zu stellen. Wie ausgestopft und mit fest geschlossenen Augen liegen und stehen sie in dem Eimer, den Furrer ins «Eulenkafi» trägt. Er nimmt sachte das Grösste heraus, spreizt seine Schwingen, die schon beeindruckend gross und dort, wo die Daunen schon weg sind, wunderschön gemustert sind. «Keine Parasiten», stellt Furrer zufrieden fest. «Genug Fett.» Das Küken liegt federleicht in der Hand, ist feuchtwarm, sein schneller Herzschlag kitzelt auf der Handfläche. Und es stinkt wirklich bestialisch. Nach Ammoniak, Trockendünger. Geschickt bringt Furrer mit einer Zange den Ring an. «Hoffentlich sehe ich diesen Ring nie wieder», sagt Locher. Denn in der Regel werden Schleiereulen erst dann aufgrund des Rings identifiziert, wenn sie tot sind. Wie jenes Exemplar, das ausgestopft im Gestell des «Eulenkafis» steht. Ein Strassenopfer. Eulen werden gelegentlich von Autos erfasst, wenn sie nachts entlang der Strassen jagen. Zugvögel dagegen gehen Vogelschützern auch lebend ins Netz – in jene Netze, die zu diesem Zweck aufgespannt sind. Die Vögel werden dann registriert und wieder auf die Reise geschickt. Ersten Ausflug gut überstanden Nun wird der flauschige Knirps noch auf die Waagschale gelegt: 122 Gramm. Und keine Viertelstunde nach Beginn der Aktion stehen die vier wieder im Kasten, den sie soeben das erste Mal verlassen haben. Sie wirken verdutzt. Dann rappelt sich der Kleinste auf und hüpft in Richtung Loch, wo das feine Lüftchen durch seinen Flaum zieht. Und nun warten die vier auf ihre Eltern, die irgendwo da draussen in der Nacht für sie Mäuse jagen. Grosse, fette Feldmäuse. Eulenkafi, bis 9. Juli, Islisbergstrasse 8, Bonstetten, Sa und So 14 bis 17 Uhr. Markus Furrer inspiziert nach der Beringung, ob der Kleine Parasiten hat. Foto: Nicola Pitaro

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