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«Stinkefinger» statt erste Hilfe

Ein Automobilist hat einen Arzt auf dem Fussgängerstreifen angefahren, beschimpft und verletzt zurückgelassen. Vor Obergericht beteuerte er vergeblich seine Unschuld.

Es war am späten Nachmittag, als der heute 64-jährige Angeschuldigte mit seinem Personenwagen durch Zürich fuhr. An der Voltastrasse musste er vor einem Fussgängerstreifen anhalten. Der Grund dafür war ein Passant, der mit einem Mobiltelefon am Ohr die Strasse gemütlich überquerte - was den gestressten Lenker offenbar sehr aufregte. Um dem Fussgänger Beine zu machen, liess er seinen Wagen auf diesen zurollen.

Dann passierte es: Das Fahrzeug touchierte mit dem linken Kotflügel das linke Knie des Passanten. Der heute 57-jährige Arzt verlor das Gleichgewicht und zog sich beim Sturz auf den Asphalt zusätzlich eine massive Handverletzung zu. Der aufgebrachte Autolenker dachte nicht daran, dem Verletzten erste Hilfe zu leisten. Im Gegenteil: Er liess das Fenster herunter und beschimpfte das Opfer massiv. Dann gab er Gas und zeigte dem Geschädigten noch den «Stinkefinger». Da sich der verletzte Arzt das Kontrollschild des Fahrerflüchtigen merken konnte, war dieser schon bald eruiert. Allerdings beteuerte er von Anfang an seine Unschuld. Auch vor dem Zürcher Obergericht, das sich am Freitag mit dem umstrittenen Vorfall vom Frühjahr 2006 befassen musste.

Der Angeklagte gab zu Protokoll, dass er den Passanten weder berührt noch verletzt habe. Da er sich keiner Schuld bewusst gewesen sei, habe er die Fahrt fortgesetzt. Der Verteidiger verlangte einen Freispruch und unterstellte seinem Prozessgegner einen inszenierten Vorfall. So sei nicht auszuschliessen, dass sich der Geschädigte seine Verletzungen schon vor der Begegnung mit dem Angeklagten zugezogen habe. Das Obergericht folgte jedoch den Darstellungen des Opfers, dessen Aussagen als plausibel und logisch eingestuft wurden. Hingegen sei die Geschichte des Angeklagten alles andere als stimmig, befanden die Richter.

Bedingte Geldstrafe und Busse

Damit kam das Gericht zu Schuldsprüchen - einerseits wegen fahrlässiger Körperverletzung, andererseits wegen pflichtwidrigen Verhaltens nach einem Unfall. Bei der Strafzumessung kam der Dübendorfer mit einem blauen Auge davon. Er erhielt eine bedingte Geldstrafe von 21 Tagessätzen zu 100 Franken, verbunden mit einer Busse von 1100 Franken. Erheblich mehr dürften ihn die Nebenfolgen ärgern. So wurde er grundsätzlich zu Schadenersatz verpflichtet. Zudem soll er seinem Prozessgegner ein Schmerzensgeld von 1000 Franken entrichten. Nicht zuletzt trägt er die Gerichtskosten von über 6000 Franken. Mit diesem Entscheid hat das Obergericht einen erstinstanzlichen Entscheid des Bezirksgerichts bestätigt.

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