Zum Hauptinhalt springen

Steigerungslauf zum verdienten Sieg

Die Unihockeyaner der Grasshoppers haben erstmals in der Vereinsgeschichte den Schweizer Cup gewonnen. Im Finalspiel in Bern schlugen sie Wiler-Ersigen 6:3.

Von Jean-Pierre Costa, Bern Am Ende lagen sich die Sieger in den Armen und schienen ihr Glück kaum fassen zu können. Einige suhlten sich in der Spielfeldmitte in den goldenen Papierschnitzeln, die kurz zuvor aus der Höhe rieselnd die Pokalübergabe eingeläutet hatten. Die Spieler der Grasshoppers kosteten ihren Triumph aus – tanzend, singend, zuletzt auch johlend – und feierten den grössten Erfolg in der noch kurzen Vereinsgeschichte ausgelassen. Einige Meter daneben das fast gewohnte Bild: Enttäuscht, konsterniert, ungläubig, vor allem frustriert und sicherlich auch neidisch verfolgten die Akteure des SV Wiler-Ersigen mit leeren Blicken die Siegesfeier der Zürcher. Einmal mehr stand der grosse Meisterschaftsdominator im Cup mit leeren Händen da. Zum siebten Mal in 12 Jahren hatte sich der Serienmeister für das Endspiel qualifiziert, zum sechsten Mal wurde er seiner Favoritenrolle nicht gerecht. Die einzige Ausnahme bleibt das Jahr 2005, als Alligator Malans bezwungen wurde. Der Cup-Fluch scheint sich trotz gegenteiliger Beteuerungen in den Köpfen der Emmentaler eingenistet zu haben. Clever und kaltblütig Das musste auf der Gegenseite keinen kümmern. «Wir wussten um unsere Chance und haben diese genutzt», sagte Jonas Thomsson, Torschütze des wichtigen 3:2, strahlend. Die Grasshoppers bewiesen bei ihrer ersten Finalteilnahme erstaunlich viel Cleverness. Sie liessen sich weder von der negativen Spielbilanz (10 Niederlagen gegen die Berner in Folge, der letzte Sieg lag drei Jahre zurück) noch von der imposanten Kulisse von 3281 Zuschauern in der ausverkauften Wankdorfhalle beirren. Auch die von Alexander Bodén etwas gar zu nachlässig vergebene Penaltychance (35.) brachte die Zürcher nicht aus dem Gleichgewicht. Doch was letztlich entscheidender war: GC blieb vom druckvollen Beginn der Wiler unbeeindruckt und legte gerade im torlosen Startabschnitt mit taktischer Disziplin und aufopferndem Defensivverhalten den Grundstein für den letztlich verdienten Sieg. Nach verhaltenem Start legten die Zürcher stetig zu, bekamen die Partie ab dem Mitteldrittel immer mehr in den Griff. Dazu waren sie in den entscheidenden Momenten des Schlussabschnitts abgeklärter und schlugen in kaltblütiger Manier zu – es war ein Steigerungslauf zum Sieg. «Der bisherige Saisonverlauf hatte gezeigt, dass wir uns im Verlauf eines Spiels zu steigern wissen und im Angriff immer für ein Tor gut sind», sagte Linard Parli – mit zwei herrlichen Kontertoren zum 4:2 und 5:3 eigentlicher Matchgewinner. Damit unterstrich er stellvertretend die mentale Stärke des Aussenseiters. «Wir waren heute einfach besser», stellte GC-Trainer Magnus Svensson etwas nüchterner fest. Der grösste Vereinserfolg hatte neben der eindrücklichen mannschaftlichen Geschlossenheit verschiedene Baumeister. Angefangen bei Torhüter Beat Bruderer, der gleich nach 28 Sekunden mit einer Glanztat nach einem Abschlussversuch von Michael Flury seine Nervosität abgestreift hatte. «Mir war nach dem Mittagessen übel, diese erste Intervention gab mir aber Selbstvertrauen», sagte er. Bruderer verlieh seinem Team mit weiteren gelungenen Interventionen viel Sicherheit. «Das lag aber auch an meinen Vorderleuten, die mich hervorragend unterstützten», gab er die Komplimente weiter. Bei der vielleicht matchentscheidenden Aktion war der GC-Goalie aber der Hauptakteur: In der 58. Minute wehrte Bruderer einen Schuss aus dem Slot von Roger Gerber mit einem unglaublichen Reflex ab, 6 Sekunden später hiess es nach einem mustergültigen und ultraschnellen Konter über Thomsson und Parli 5:3. GC wittert Wachablösung Hervorzuheben galt es auch den ansonsten unscheinbaren Hannu Korhonen. Seine beiden Zuspiele zum 3:2 und 4:2 erwiesen sich ebenfalls als wegweisend. Besonders der überraschend ausgeführte Heber, den Thomsson vor dem Tor aus der Luft direkt ins Netz verlängerte, war sehenswert. «Das haben wir einige Male im Training geübt», sagte der 32-Jährige schmunzelnd und fügte mit ernster Miene an: «Wiler war bisher die dominierende Mannschaft in der Schweiz. Ich glaube, dass jetzt unsere Zeit anbricht.» Davon ist auch der erst im vergangenen Januar zu GC gestossene Thomsson überzeugt. Seine Linie mit dem ebenso schnellen wie kaltschnäuzigen Parli und dem für einmal im Abschluss glücklosen Nico Scalvinoni (traf nur die Latte) bestätigte die glänzende Form aus dem Playoff. «Wir haben unser Potenzial in diesem Spiel unterstrichen», sagte der schwedisch-estnische Doppelbürger. «Ich wusste, dass ich in eine Siegermannschaft gewechselt habe. Das konnten wir jetzt ein erstes Mal gegen Wiler beweisen.» Ob das auch für die entscheidende Meisterschaftsphase gilt, wollte der Center nicht bestätigen. «Jetzt feiern wir zuerst diesen Titel ausgiebig. Nächste Woche fokussieren wir uns dann auf den Playoff-Halbfinal gegen Malans.» GC-Verteidiger Ales Jakubek küsst den Pokal nach dem ersten Cupsieg.Foto: Keystone

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch