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Statt Hecken eine Heckflosse

Die Fluggesellschaft Swiss will in Kloten Kreiselkunst aufstellen. Auf Initiative des Stadtrates. Der Boden gehört aber dem Kanton – und dieser tut sich schwer mit solcher «Werbung» auf seinem Grund.

Von Christian Wüthrich Kloten – Eine Visitenkarte im Grossformat soll es werden. Für Kloten und auch für die grösste einheimische Fluggesellschaft, die Swiss. Mitten in einem Kreisel auf der Einfallsachse aus Richtung Bassersdorf soll eine Heckflosse rund fünf Meter hoch in den Himmel ragen. Zudem würden aus allen drei Fahrtrichtungen gut sichtbar leuchtende, rote Werbewürfel der Swiss prangen. Fraglich ist, ob die spektakuläre Erscheinung die Verkehrsteilnehmer nicht zu stark ablenken würde. Und ob es überhaupt zulässig ist, auf öffentlichem Grund ein Werbemonument zu erstellen. Letzteres beschäftigt immer öfter die Fachleute des Kantons. Was ist Kunst, was Kommerz? «Der Antrag der Swiss ist bei uns pendent», sagt Thomas Maag, Sprecher des kantonalen Tiefbauamtes. Er bestätigt, dass das Thema Werbung auf Kreiseln derzeit heiss diskutiert wird bei den zuständigen Ämtern. «Es stellt sich immer die Frage: Wo hört Kunst auf und wo fängt die Werbung an?» Auch in der Revision des kantonalen Strassengesetzes sollte eine gesetzliche Grundlage über die Möglichkeit von Sponsoring auf Staatsstrassen eingeführt werden. Doch die entsprechende Bestimmung wurde in der Vernehmlassung wieder gestrichen, wie Kantonsingenieur Felix Muff bestätigt. «Die Gemeinden haben argumentiert, Werbung auf Kreiseln sei kein Thema.» Die Gesetzesrevision ist noch nicht in Kraft.Nachdem die ursprünglich vorgesehene Möglichkeit für Sponsoring im Gesetz nun wegfällt, will das Tiefbauamt keine Werbung in Kreiseln mehr zulassen. «Wir wollen keinen Wildwuchs auf den Kreiseln», sagt Amtsleiter Muff. Betrachte man die Heckflosse aber als Kunstwerk, sei diese wohl bewilligungsfähig, meint er. Würfel gefährden Sicherheit Allerdings könne er sich nur schwer vorstellen, dass die ausgeleuchteten, roten Swiss-Würfel mit dem Firmenlogo auch aus der Sicht der Verkehrssicherheit bewilligt werden könnten. Der definitive Entscheid steht noch aus. Berücksichtigt wird die Stellungnahme der Kantonspolizei, die über Sicherheitsfragen im Zusammenhang mit Reklamen im Strassenraum wacht. Aus kommerzieller Sicht ist für Beat Sulzer, Geschäftsführer der Werbevermarktungsfirma Clear-Channel Schweiz, klar: «Es wäre wohl grobfahrlässig, wenn die öffentliche Hand für einen solchen Auftritt nichts verlangen würde.» Seine Firma vermarktet sämtliche Werbeflächen am Zürcher Flughafen. Dass der Innenraum eines Kreisels als Werbeplattform einen Wert in sich birgt, ist für den Aussenwerbungsspezialisten völlig unbestritten. «Ich würde erwarten, dass eine Firma die Produktionskosten übernimmt sowie eine Flächenmiete zahlt für einen solchen Auftritt», sagt Sulzer. Zum Vergleich: In der Aussenwerbung am Flugha- fen kosten die sogenannten Megaposter, die überdimensional an den Parkhäusern hängen, bis zu 500 000 Franken Jahresmiete. Bei 20 000 Fahrzeugen täglich läge der Werbewert des betreffenden Klotener Kreisels bei 70 000 bis 140 000 Franken pro Jahr, schätzt Sulzer. Wallisellen lässt sich zahlen «Der Stadt Kloten geht es nicht darum, möglichst billig einen neuen Kreisel zu bekommen», kontert Marc Osterwalder die Kritik. «Uns geht es um Identität», beteuert der Abteilungsleiter Lebensraum und Sicherheit der Stadt Kloten. Zwar seien noch keine genauen Abmachungen getroffen, aber «uns ist schon bewusst, dass wir von der Swiss etwas verlangen können». Die Rede ist von einer Pacht, die für die Miete des Innenraumes bezahlt werden müsste, meint Osterwalder, ohne Zahlen zu nennen. Auch in Wallisellen steht ein Kreisel mit expliziter Werbewirkung. Dort hat die Softwarefirma Microsoft den Kreisel an der Industriestrasse mit ihrem Schriftzug besetzt. Guido Egli, stellvertretender Gemeindeschreiber, spricht von einem niedrigen vierstelligen Mietertrag pro Jahr. Dietlikon hingegen, wo auch ein Werbekreisel im Einkaufsgebiet steht, verlangte einst nur, dass der Jumbo die Baukosten trug. Seither kann die Ladenkette den Platz gratis nutzen. Bis zu 140 000 Franken könnte der Swiss-Kreisel der Stadt einbringen. Doch erst muss er bewilligt werden. Bildmontage: ZU

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